Blume, VW: „Zwickau bekommt dieselbe Chance wie jedes Werk“

Blume, VW: „Zwickau bekommt dieselbe Chance wie jedes Werk“
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Bei einem Besuch im Volkswagen-Werk Zwickau hat Konzernchef Oliver Blume über die Zukunft des sächsischen E-Auto-Standorts gesprochen. „Kein Kanal ersetzt das persönliche Gespräch. Deshalb ist es wichtig, dass ich heute bei euch in Zwickau bin“, habe er zu Beginn gesagt, wie ein Teilnehmer der Veranstaltung Elektroauto-News mitteilt. Für die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm lasse sich derzeit noch keine wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre darstellen, so Blume weiter. Eine Entscheidung über mögliche Werkschließungen sei jedoch nicht gefallen, diese blieben „immer die letzte und teuerste Lösung“.

Stattdessen erhielten die Marken den Auftrag, gemeinsam mit den Werken innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate konkrete Optionsräume zu erarbeiten. Ziel sei es, belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen. Für Zwickau bedeute das laut Blume: „Ihr bekommt dieselbe Chance wie jedes andere Werk in Europa. Entscheidend wird am Ende die Wettbewerbsfähigkeit sein.“

Ausdrücklich habe Blume die bisherige Entwicklung des Standorts gelobt. Die Belegschaft habe „Kosten gesenkt, Abläufe verbessert und den vereinbarten Personalumbau planmäßig vorangebracht“. Man könne „allen im Konzern nur immer wieder sagen: schaut nach Sachsen, wie gut das da gelaufen ist“, sagte Blume. Die jüngsten Fahrzeuganläufe von Audi Q4, Cupra Born und ID.3 Neo hätten das hohe Niveau am Standort erneut belegt, mit dem geplanten Circular Economy Hub betrete Zwickau zudem „wieder Neuland“.

Zur Verzögerung bei der Integration des Werks in die Volkswagen AG äußerte sich Blume selbstkritisch. Die dadurch ausgelöste Enttäuschung könne er „gut nachvollziehen“, das Problem liege aber nicht am Standort. „Ich bin selbst nicht damit zufrieden, wie es gelaufen ist“, sagte er und versicherte: „Ich stehe persönlich dafür, dass wir diese Integration voranbringen.“

Kostenvergleich bleibt eine große Herausforderung

Trotz der Fortschritte bleibt der Vergleich mit anderen europäischen Werken eine Belastung. „Die Arbeitskosten liegen heute bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte“, erklärte er, auch bei den Fabrikkosten lägen andere Werke günstiger. Das sei „kein Vorwurf“, sondern „die Realität, an der wir uns messen lassen müssen“, fügte er hinzu.

Die Grundlage vieler früherer Entscheidungen gebe es in dieser Form nicht mehr, so Blume, weshalb die Lage immer wieder neu bewertet werden müsse, „nicht weil der eingeschlagene Weg falsch war“, sondern weil Verantwortung bedeute, Entscheidungen an der Realität zu messen. Sollte sich am Ende dennoch zeigen, dass eine Nachbelegung nicht möglich sei, ende die Verantwortung des Konzerns nicht: „Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte, mit Partnern, mit Investoren, mit neuen industriellen Lösungen.“

Der angekündigte Stellenabbau betrifft nach Angaben Blumes vor allem Bereiche außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion, „also Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung oder Vertrieb“. Auch im Management werde genau hingeschaut, dort solle ein Viertel der Stellen entfallen. Alle Bereiche müssten ihren Teil beitragen, es handle sich um „einen Kraftakt, der nur gemeinsam gelingen kann“.

Die häufig genannte Zahl von rund 50.000 Stellen weltweit sei „keine Zielgröße“, sondern „eine theoretische Rechengröße, abgeleitet von unseren Kosten“, stellte Blume klar. Aktuell liege Volkswagen rund 30 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen. Es gehe dabei nicht darum, kleiner zu werden, „sondern stärker“, der Konzernvorstand stehe geschlossen hinter dem Zukunftsplan.

Personalabbau soll weiterhin freiwillig erfolgen

Beim Personalabbau setzt der Konzern weiterhin auf freiwillige Instrumente wie Renteneintritte, einvernehmliche Vereinbarungen, natürliche Fluktuation und eine restriktive Einstellungspolitik. Auch die Altersteilzeit solle für weitere Jahrgänge geöffnet werden, die konkreten Schritte würden mit den Arbeitnehmervertretern beraten. Etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs entfalle aktuell auf Deutschland, die andere Hälfte verteile sich international auf rund 170 Gesellschaften.

Als Hintergrund nannte Blume den Druck durch „Zölle, neue Wettbewerber und geopolitische Risiken“, dem die gesamte Autoindustrie derzeit ausgesetzt sei. Volkswagen habe früh gegengesteuert und stehe „in vielen Bereichen heute stärker da als je zuvor“. Mit einer operativen Rendite von 3,8 Prozent bewege sich der Konzern „im Durchschnitt des Wettbewerbs“, im Kernbereich Automobile habe man zuletzt Hersteller hinter sich gelassen, die deutlich profitabler gewesen seien. Das reiche jedoch nicht aus, „um unsere Zukunft aus eigener Kraft zu finanzieren“, so Blume abschließend.

Quelle: Per Mail

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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