Verbrenner-Importverbot in Äthiopien führt zu E-Auto-Boom

Verbrenner-Importverbot in Äthiopien führt zu E-Auto-Boom
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Laura Horst
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Die äthiopische Regierung hat 2024 die Einfuhr von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren verboten und zeitgleich die Zölle auf Elektroautos gesenkt. Seitdem stieg der Anteil von Elektroautos an den Neu- und Gebrauchtwagen in dem ostafrikanischen Land laut der Regierung von unter einem Prozent auf rund 6 Prozent, was den weltweiten Durchschnitt von 4 Prozent deutlich übertrifft.

Die Entscheidung für ein Importverbot von Verbrennern traf die äthiopische Regierung vor zwei Jahren vor allem aus finanziellen Gründen. Staatliche Benzinsubventionen belasteten den Haushalt über Jahre und kosteten den Staat im vergangenen Jahrzehnt Milliarden Dollar. In 2023 geriet das Land bei Staatsanleihen in Verzug und erhielt im darauffolgenden Jahr ein Rettungspaket in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar (ca. 2,9 Milliarden Euro) vom Internationalen Währungsfonds.

Äthiopien produziert im Inland kaum Fahrzeuge und importiert die meisten Autos, bei denen es sich hauptsächlich um Gebrauchtwagen handelt. Aufgrund der hohen Importzölle, die das Land seit Jahrzehnten erhebt, sind Neuwagen für die meisten Einwohner unerschwinglich. Mit nur 13 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner liegt Äthiopien weit unter dem afrikanischen Durchschnitt von 73.

Durch das Importverbot für Autos mit Verbrennungsmotor hat sich der Markt grundlegend geändert. Zudem senkte die Regierung die Einfuhrzölle für Elektroautos auf 15 Prozent für komplette Fahrzeuge, während 5 Prozent für Teile und halbfertige Autos anfallen. Für sogenannte Completely-Knocked-Down-Bausätze, die vor Ort montiert werden, sind vollständig von den Importzöllen befreit.

Elektroautos werden preislich konkurrenzfähig

Durch die politischen Maßnahmen nähern sich die Preise für neue Elektroautos denen alter Benzinfahrzeuge an. In einem Showroom des Händlers Hallel Cars in der Hauptstadt Addis Abeba kostet etwa der Kleinwagen Seagull von BYD 3,6 Millionen äthiopische Birr (ca. 19.800 Euro), während der BYD-SUV Yuan Up für 4,9 Millionen Birr (ca. 26.800 Euro) erhältlich ist. Ein gebrauchter Suzuki Dzire mit Benzinmotor kostete im Vergleich vor dem Importverbot mehr als 4,2 Millionen Birr (ca. 23.000 Euro).

„Die Mehrheit unserer Kunden sind Umsteiger von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf E-Autos“, sagte Moges Negash, Vertriebs- und Marketingleiter von Hallel Cars, gegenüber Bloomberg. Während das Land mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 1000 Dollar pro Kopf einkommensschwach ist, gewähren die Banken Verbrauchern aus der Mittelschicht für Elektroautos leichter einen Kredit als zuvor für einen Verbrenner.

„E-Autos sind eine neue Technologie und werden im Land zunehmend genutzt, daher ist es für Banken eine bessere Gelegenheit, Kredite zu vergeben“, erklärte der Finanzanalyst Abdulmenan Mohammed, der auf äthiopische Banken spezialisiert ist. Die Banken zeigten sich hingegen zögerlich, Konsumkredite für Fahrzeuge mit ungewisser Zukunft zu vergeben.

Investitionen in die Strominfrastruktur

Neben der Importpolitik tragen auch die Investitionen der äthiopischen Regierung in die Strominfrastruktur zur Förderung der Elektromobilität bei. Im vergangenen Jahr wurde etwa die Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre fertiggestellt, die 5 Milliarden Dollar kostete und insgesamt 5150 Megawatt Strom produziert. Ergänzt durch Wind- und Solaranlagen verfügt Äthiopien über einen Stromüberschuss, den es in umliegende Länder wie Kenia, Tansania und Dschibuti exportiert.

Mit rund 10 Dollar-Cent pro Kilowattstunde ist der Strompreis für Endverbraucher zudem nur etwa halb so hoch wie in den Nachbarländern. Dank verbrauchsabhängiger Subventionen zahlen viele Kunden sogar noch weniger.

„Als Nettoimporteur von Kraftstoffen sind wir von globalen Liefer- und Preisschwankungen betroffen. E-Autos hingegen nutzen Strom, den wir selbst produzieren und dessen Preis wir selbst festlegen können“, sagte der Staatsminister für Verkehr und Logistik, Hassen Bareo. Durch den Umstieg auf Elektromobilität wolle das Land seine Energiesouveränität sichern.

Während der Staudamm größtenteils durch äthiopische Banken finanziert wurde, gewährte China insgesamt 3 Milliarden Dollar für elektrische Ausrüstung und Übertragungsleitungen. Auch in die Produktion von Elektroautos, die in Äthiopien noch in den Kinderschuhen steckt, ist China stark eingebunden, etwa durch die Entwicklung und Lieferung von Teilen, aber auch bei der Montage vor Ort.

Wenig eigene Produktion, aber Montage vor Ort

Inzwischen werden in Äthiopien nicht nur Elektroautos, sondern auch Elektrobusse und Elektromotorräder montiert. Laut Angaben der Regierung gibt es insgesamt 17 Montagewerke für Elektrofahrzeuge, die man bis 2030 auf 60 Werke ausbauen wolle.

Für vollwertige Produktionsanlagen ist der Markt nach Einschätzung von Adam Ward, Co-Leiter des Afrika-Investitionsportfolios der Internationalen Energieagentur, zu klein. Die Montage allein sei jedoch bereits ein großer Gewinn für die äthiopische Wirtschaft. Hohe Kapitalkosten und ein schwieriges regulatorisches Umfeld hemmen das Wachstum. In 2023 hatte das verarbeitende Gewerbe weniger als 7 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt.

Mit der neuen Importpolitik haben sich Elektroautos in Äthiopien rasant verbreitet. Die Regierung spricht von mehr als 100.000 Elektrofahrzeugen. Jedoch ist das Ausgangsniveau mit nur 1,7 Millionen Fahrzeugen bei einer Gesamtbevölkerung von 130 Millionen vergleichsweise gering. In Deutschland lag der Fahrzeugbestand 2024 zum Vergleich bei rund 49,1 Millionen Pkw. Experten bezweifeln daher, dass das Tempo bei Elektroautos gehalten werden kann.

Äthiopische Regierung bleibt ambitioniert

Trotz großer Erfolge beim Ausbau bleibt zudem das Ladenetz eine Hürde beim Umstieg auf Elektromobilität. Die meisten bestehenden Ladegeräte benötigen vier bis sechs Stunden für einen vollständigen Ladevorgang. Schnellladesäulen mit Ladezeiten von nur 30 Minuten sind rar. Außerhalb der Hauptstadt ist der Zugang zu Strom lückenhaft. Nach Angaben der Weltbank haben nur etwa 55 Prozent der äthiopischen Bevölkerung Zugang zu Elektrizität.

Die Regierung bleibt dennoch ambitioniert. Als Gastgeber für die UN-Klimakonferenz in 2027 will das afrikanische Land die Elektrifizierung des Verkehrs zu einem Kernbestandteil des im vergangenen Jahr eingereichten Klimaplans machen. Bis zum Jahr 2032 soll die Zahl der Elektroautos auf 500.000 steigen.

Quelle: Bloomberg – Afrikas Elektroauto-Dorado: In Äthiopien beflügelt ein Verbrenner-Importverbot die E-Auto-Verkäufe

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