Kostencheck: Wann sich ein Elektroauto gegenüber Verbrennern lohnt

Kostencheck: Wann sich ein Elektroauto gegenüber Verbrennern lohnt
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Angesichts anhaltend hoher Kraftstoffpreise rückt die Frage nach bezahlbarer Mobilität aktuell immer stärker in den Fokus. Verbraucherinnen und Verbraucher setzen sich daher zunehmend mit der Wirtschaftlichkeit von Elektroautos auseinander. Der ACE Auto Club Europa erläutert in einer aktuellen Mitteilung: Eine fundierte Bewertung, welche Antriebsart sich lohnt, erfordert einen genauen Blick auf die individuelle Ausgangslage.

Anschaffungskosten gleichen sich an

Elektroautos haben den Ruf, besonders teuer zu sein. Doch aktuell bieten einige Hersteller Boni. Dazu kann die künftige staatliche Förderung den Preisaufschlag fürs Elektroauto deutlich verringern. Bei manchen Modellen allerdings ist die Preisparität auch ohne Boni und Förderungen bereits erreicht oder der Kaufpreis der Elektro-Variante aktuell sogar niedriger, etwa bei den VW-Modellen ID.3 und Golf.

Wer von der Neuwagen-Förderung profitiert, kann bereits aus einigen E-Auto-Modellen unter 15.000 Euro wählen. Durch die Förderung kann sich zudem auch für Privatpersonen ein Leasing finanziell lohnen, denn hier wird nicht zwischen Kauf und Leasing unterschieden. Das Leasing bietet die Möglichkeit, Elektromobilität mit verringertem Risiko auszuprobieren, beispielsweise hinsichtlich des Restwerts. So können Bedenken, etwa hinsichtlich eingeschränkter Reichweite, im Alltag ausgelotet werden.

Gesamtkosten statt Einzelpreise betrachten

Der Anschaffungspreis ist nur ein Aspekt, der in die Kaufentscheidung einfließen sollte. Ein seriöser und stichfester Kostenvergleich muss alle relevanten Faktoren über die gesamte Haltedauer hinweg einbeziehen. Dazu zählen neben dem Kaufpreis auch der Wertverlust sowie Strom-, Wartungs- und Versicherungskosten.

Gerade die laufenden Kosten fallen beim Elektroauto meist niedriger aus. So sind etwa die Wartungskosten in der Regel geringer. Die Sorge vor Batterieschäden ist zudem meist unbegründet: Erstens sind Batterieschäden weit seltener als häufig angenommen, zweitens decken Garantien sie in der Regel ab und drittens müssen Batterien meist nicht komplett ausgetauscht werden, sondern können repariert werden.

Teurer geworden sind in den vergangenen Jahren Versicherungen für E-Autos. Hier lohnt sich ein Versicherungsvergleich. Auch können die höheren Kosten durch Einsparungen an anderer Stelle kompensiert werden. So entfällt beispielsweise die Kfz-Steuer bis maximal 2035. Mit dem Verkauf der THG-Quote lassen sich außerdem aktuell mehrere hundert Euro pro Jahr verdienen.

Nutzung und Ladebedingungen als zentrale Faktoren

Ob sich ein Elektroauto finanziell lohnt, hängt maßgeblich davon ab, wie intensiv es genutzt wird und zu welchen Konditionen geladen werden kann. Für den Kostenvergleich relevant ist etwa, ob die Möglichkeit besteht, günstig zu Hause zu laden: Hierfür gibt es zum Beispiel spezielle Autostromtarife, die das Laden nochmals günstiger machen. Auch die Wahl eines dynamischen Tarifs kann sich lohnen, je nachdem, wann das E-Auto geladen werden kann.

Tipp: Der durchschnittliche Strompreis lag 2025 bei rund 41 ct/kWh, Neuverträge liegen mehr als 20 Prozent darunter: aktuell im Schnitt bei 32 ct/kWh. Daher lohnt es sich, Stromtarife zu beobachten und gegebenenfalls zu wechseln, schließlich verdoppelt sich der Stromverbrauch mit einem Elektroauto in vielen Haushalten. Hier kann es also auch sinnvoll sein, einen Tarif mit zwar höherem Grundpreis und dafür aber günstigeren Arbeitspreisen zu wählen.

Die heimischen Stromkosten liegen in der Regel deutlich unter öffentlichen Ladetarifen. Wer auf das öffentliche Ladenetz angewiesen ist, sollte sich mit der Auswahl verschiedener Ladekarten beschäftigen und dabei neben dem Ladepreis pro Kilowattstunde (kWh) auch die Grundgebühren beachten. Während vor allem günstiger Haushaltsstrom aber auch gute öffentliche Ladetarife erhebliche Einsparungen ermöglichen, kann teures Laden ohne Tarif, sogenanntes AdHoc-Laden, den Kostenvorteil verringern.

Wichtig ist es, bei der individuellen Berechnung den Verbrauch zu berücksichtigen. Dieser unterscheidet sich beim Elektroauto zwar je nach Jahreszeit und Fahrverhalten deutlich, jedoch kann man für eine grobe Rechnung von einem Mittelwert von 20 kWh pro 100 Kilometern ausgehen. Der durchschnittliche Benzinverbrauch liegt bei etwa 7 Litern pro 100 Kilometer. Kostet der Kraftstoff pro Liter 2 Euro – was bei den aktuellen Preisen sogar unter dem Durchschnitt liegt –, tankt man mit einem Benziner mit 7 Litern Verbrauch für 14 Euro pro 100 Kilometer. Dies entspricht einem Ladepreis von 70 ct/kWh.

Daraus folgt: Wer für weniger als 70 ct/kWh laden kann, ist aktuell mit dem Elektroauto günstiger als mit dem Verbrenner. Kann man zu Hause für etwa 35 ct/kWh laden, halbieren sich die Kosten. Die oftmals teuerste Art zu laden ist das AdHoc-Laden ohne Ladekarte. Der Durchschnittspreis für normales Laden mit Wechselstrom liegt hier aktuell bei 57 ct/kWh, was einem Kraftstoffpreis von 1,62 Euro pro Liter entspricht.

Wer regelmäßig fährt, etwa im Pendelverkehr oder als Vielfahrerin beziehungsweise Vielfahrer, kann bei einem E-Auto von niedrigeren Betriebskosten profitieren. Bei geringer Fahrleistung fällt der Kostenvorteil hingegen deutlich geringer aus, da sich Einsparungen bei Energie und Wartung weniger stark bemerkbar machen. Mit ausreichend Jahreskilometern kippt jedoch die Rechnung meist zugunsten des E-Autos. Dieser Kipppunkt fällt je nach Modell und Nutzung unterschiedlich aus.

Das kann ab dem ersten Kilometer der Fall sein, wie bei den bereits genannten VW Golf und VW ID.3. Je nach Aufpreis zwischen Elektro- und Verbrenner-Modell lohnt sich das E-Auto finanziell jedoch oft schon ab etwa 6000 bis 8000 Kilometern pro Jahr. Wer mehr fährt, ist dann selbst bei einem höheren Kaufpreis und auch wenn häufiger öffentlich geladen wird, günstiger unterwegs. Einen wirtschaftlichen Vorteil haben E-Autos also vor allem dann, wenn viel gefahren wird und günstig geladen werden kann, zum Beispiel zu Hause oder mit einem Ladetarif und der dazu passenden Ladesäule.

Individueller Check entscheidend

Mit seinem E-Auto-Check bietet der ACE online einen Selbsttest an, der anhand der Antworten auf sieben Fragen eine erste grobe Einschätzung liefert, ob sich ein Wechsel bereits heute finanziell lohnt. Eine fundierte Entscheidung erfordert aber stets eine persönliche Gesamtbetrachtung, die nicht zuletzt das Fahrprofil, Ladekosten sowie das aktuelle Fahrzeug einbezieht, ebenso wie die Frage, wann ein Fahrzeugkauf ansteht – egal ob neu oder gebraucht. Erst wer diese Faktoren sorgfältig analysiert, kann valide abschätzen, ob ein Elektroauto im eigenen Alltag bereits heute eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative darstellt.

Quelle: ACE – Pressemitteilung vom 16.04.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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