Wir sind den Lucid Gravity gefahren – was er wirklich kann

Wir sind den Lucid Gravity gefahren – was er wirklich kann
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Lucid

Joaquim Oliveira
Joaquim Oliveira
  —  Lesedauer 4 min

Vor Jahren wollten fast alle Elektroautohersteller wie Tesla sein – bis auf Lucid. Das kalifornische Start-Up macht vieles anders als die Konkurrenz und kombiniert Crossover, Familienvan und spektakuläre Fahrleistungen nun auch in Europa – elektrisch.

Viel ist von Lucid in Europa bisher nicht zu sehen. „Wir planen, in diesem Jahr in elf europäischen Märkten vertreten zu sein und bis Ende 2027 auf 18 zu expandieren“, erklärt Lawrence Hamilton, CEO von Lucid Europa. Der weltweite Absatz soll sich 2026 gegenüber dem Vorjahr auf 25.000 Einheiten verdoppeln. Viel ist das nicht, denn weltweit sind derzeit gerade einmal 40.000 Lucid-Fahrzeuge auf der Straße – vorwiegend in den USA, wo sich das Hauptwerk in Arizona befindet, im Nahen Osten – wo eine CKD-Produktion stattfindet – und in Europa. Der 5,04 Meter lange Gravity soll neue Kunden bringen, denn der luxuriöse SUV bietet jede Menge Platz für bis zu sieben Personen und ein spektakuläres Leistungsspektrum.

Lucid Gravity überzeugt gegenüber Lucid Air mit deutlich verbesserter Sitzposition

Ein Fortschritt ist die deutlich verbesserte Sitzposition. Das riesige (86 cm) leicht gebogene Instrumentendisplay und der horizontale 28 cm große zentrale Touchscreen wurden nach oben und höher zum Lenkrad positioniert. Positiv hervorzuheben ist, dass die Marke aus Newark / Kalifornien weiterhin auf Hebel und Knöpfe zur Bedienung der Klimaanlage setzt und die Bedienelemente am Lenkrad nun einen spürbaren Druckpunkt aufweisen. Allerdings müssen Lenkrad und Außenspiegel über den Zentralbildschirm eingestellt werden, der auch zum Öffnen des Handschuhfachs dient.

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Jede Oberfläche und Verkleidung im Gravity zeugt von überzeugender Verarbeitung. Dies gilt auch für die samtartige Verkleidung der Säulen und des riesigen Panoramadachs, das leider weder über ein Rollo noch über ein elektrochromes System zur Abdunkelung verfügt oder die Holzeinlagen an Mittelkonsole, Türverkleidungen und Sitzen. Die klimatisierten Vordersitze verfügen über eine Massagefunktion, lassen sich jedoch nicht für Seitenhalt oder Oberschenkel verstellen. Zudem sind die verschiebbaren Sitze der zweiten Reihe sowie der komfortable Ein- und Ausstieg in die dritte Reihe weitere Pluspunkte.

Das Raumangebot ist angesichts Länge von rund fünf Metern beeindruckend, denn auch ein 1,80 m großer Passagier kann bequem in die dritte Sitzreihe einsteigen und die Beine in einer natürlichen Position ausstrecken. Wer die Rücksitze umklappt, kann das Ladevolumen im Fünfsitzer auf bis zu 3398 Liter erweitern oder einen nahezu ebenen Ladeboden nutzen, der sich auf 2,29 Meter verlängern lässt. Praktisch: unter der vorderen Haube bietet der Lucid Gravity einen stattliche 230 Liter großen Frunk.

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Lucids Idee, die zentralen Elemente eines Elektroautos selbst zu fertigen, ist clever. Da keine Standardkomponenten oder Software von Zulieferern benötigt werden, lässt sich die bestmögliche Reichweite erzielen: bis zu 748 Kilometer mit der größeren 123-kWh-Batterie; zudem ist eine Touring-Version mit 89 kWh erhältlich. Dank 900-Volt-Technologie liefert ein 400-kW-Schnelllader in 14 Minuten genug Energie für 400 Kilometer. Schneller lädt in Europa derzeit kein anderer.

Ein E-SUV mit der Leistung eines Supersportwagens

Der 116.900 Euro teure Grand Touring, angetrieben von zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 617 kW / 839 PS und einem beeindruckenden Drehmoment von 1232 Nm, hebt die Performance des leistungsstarken Crossovers trotz seines Gewichts von 2,7 Tonnen auf das Niveau von Supersportwagen. Aus dem Stand beschleunigt er in irrwitzigen 3,6 Sekunden auf 100 km/h. Dank exzellenter Aerodynamik und eines riesigen 123-kWh-Akkus wird eine Reichweite von über 700 Kilometern sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreicht.

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Trotz der variablen Luftfederung und 22-Zoll-V / 23-Zoll-Rädern ist das Fahrwerk so steif, dass sich die Karosserie selbst in engen Kurven kaum neigt. Lucid hat alles darangesetzt, durch individuelle Aktuatoren ein nahtloses Zusammenspiel zwischen Vorder- und Hinterachse zu gewährleisten, sodass sich jedes Hinterrad separat arbeiten kann – eine Technologie, die erst seit Kurzem in Hochleistungsfahrzeugen Einzug hält.

Das Lenkrad fühlt sich stets direkter als bei den meisten Elektroautos an; doch die Unterschiede zwischen den Fahrmodi sind minimal. David Lickford, verantwortlich für Fahrwerk und Fahrdynamik: „Genau wie bei der Beschleunigung mit moderater Anpassung der Gaspedalkennlinie sind die Änderungen der Fahrwerksreaktion dezent, denn Lucid möchte dem Fahrer ein gleichbleibendes Fahrerlebnis bieten – das ist unsere Philosophie. Deshalb bieten wir auch keine Boost-Funktion an, denn 617 kW sind mehr als ausreichend, und der Fahrer soll die volle Leistung mit dem Gaspedal erleben, nicht per Knopfdruck.“

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Joaquim Oliveira

Joaquim Oliveira

Der gebürtige Brasilianer arbeitet seit Jahren als internationaler Korrespondent für verschiedene Automagazine, wie das brasilianische "Quatro rodas", das englische "AutoExpress" oder den chinesischen "Car & Driver". Für Elektroauto-News.net verfasst er regelmäßig entsprechende Fahr- und Erfahrungsberichte aktueller Elektroauto-Modelle.

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