Ostafrika als Vorreiter auf dem Weg zur Elektromobilität

Ostafrika als Vorreiter auf dem Weg zur Elektromobilität
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Truba7113 / Shutterstock / 2302939141 – Straßenszene aus Kampala, der Hauptstadt von Uganda

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die Regierungen ostafrikanischer Länder entwickeln die Region zum Vorreiter für Elektromobilität auf dem Kontinent. Das zeigt eine Analyse des Thinktanks Agora Verkehrswende. Die Länder Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda sind demnach in Bezug auf die Absatzzahlen und die politischen Rahmenbedingungen zur Förderung der Elektromobilität führend in Afrika.

Alle fünf Länder haben ambitionierte nationale Strategien für die Marktentwicklung der Elektromobilität verabschiedet oder entwickeln diese derzeit. Lokale Unternehmen investieren bereits verstärkt in die Fertigung von batterieelektrischen Fahrzeugen, insbesondere von Motorrädern und Bussen. „Viele afrikanische Länder begreifen die weltweite Dynamik hin zur Elektromobilität als Chance für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Förderung der Elektromobilität bauen sie eigene Wertschöpfungsketten auf und schaffen attraktive Arbeitsplätze für die junge und wachsende Bevölkerung. Außerdem machen sie sich damit unabhängiger von teuren Ölimporten“, kommentiert Naville Geiriseb, Projektleiter für internationale Zusammenarbeit mit Schwerpunkt Afrika bei Agora Verkehrswende.

Der Entschlossenheit afrikanischer Staaten auf dem Weg zum klimaneutralen Verkehr werde bislang in Europa zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, so Geiriseb. Dabei biete die Elektromobilität „die Gelegenheit, die strategische Zusammenarbeit für Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung zwischen Europa und Afrika auszubauen.“

Zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen in der Region

Die fünf in der Analyse untersuchten ostafrikanischen Staaten haben mit ambitionierten politischen Rahmenbedingungen den Absatz von E-Fahrzeugen in jüngster Zeit stark steigern können. So machten in Äthiopien im Jahr 2024 E-Fahrzeuge 60 Prozent der Neuzulassungen aus – vor allem weil die Regierung im selben Jahr den Import von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verboten hatte. Bereits 2011 hatte die Regierung eine Strategie für eine „klimaresiliente grüne Wirtschaft“ verabschiedet, inklusive Fördermaßnahmen für Elektromobilität. In Kenia hat sich die Gesamtzahl der E-Fahrzeuge – hauptsächlich Pedelecs und Motorräder – seit 2023 mehr als verdoppelt, unter anderem durch den verstärkten Ausbau der Ladeinfrastruktur und Batteriewechselstationen.

Uganda hat sich das Ziel gesetzt, 2030 einen Anteil von 30 Prozent E-Fahrzeugen bei Neuzulassungen zu erreichen, ab 2040 dürfen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zugelassen werden. Die Regierung hat dafür unter anderem steuerliche Fördermaßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von E-Fahrzeugen eingeführt. Uganda hat sich inzwischen als Lieferant von Elektrobussen in der Region positioniert.

Auch Ruanda hat eine Strategie zur Entwicklung der Elektromobilität verabschiedet. So werden beispielsweise seit 2025 in der Hauptstadt Kigali keine Motorräder mit Verbrennungsmotor mehr für gewerbliche Zwecke zugelassen.

Johannes Oetjen, Referent für internationale Klima- und Verkehrspolitik bei Agora Verkehrswende: „Afrika hat beste Voraussetzungen dafür, das Zeitalter des Verbrennungsmotors zu überspringen, wenn in den nächsten Jahren die Mobilität und die Motorisierung wie erwartet zunehmen. Der Kontinent verfügt über enorme Potenziale für die Herstellung von Strom aus Sonne und Wind sowie über strategisch wichtige Rohstoffe für die neuen Wertschöpfungsketten der Elektromobilität.“ Diese Potenziale gelte es zu nutzen, und die Europäische Union könne dabei einen wichtigen Beitrag leisten, so Oetjen: „Partnerschaften mit Afrika, die die lokale Wertschöpfung stärken, können auch die Transformation in Europa erleichtern – zum Beispiel weil sie Europa dabei helfen, seine Abhängigkeit von China bezüglich kritischer Rohstoffe für die Batteriezellfertigung zu verringern.“

Rohstoffvorkommen und erneuerbare Energien vor Ort

Tansania und Ruanda verfügen über nennenswerte Vorkommen an Lithium, Kobalt und Graphit. In Tansania befindet sich eines der weltweit größten Graphitvorkommen. Auch in Äthiopien, Kenia und Uganda werden Vorkommen von relevanten Metallen und Seltenen Erden vermutet, die Exploration steht hier jedoch noch am Anfang. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung liegt in Uganda und Ruanda bereits bei über 50 Prozent. In Kenia beträgt der Anteil fast 90 Prozent und in Äthiopien wird Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen, bislang hauptsächlich aus Wasserkraft.

Die Analyse von Agora Verkehrswende enthält auch Anregungen, wie die politischen Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau der Elektromobilität in den fünf ostafrikanischen Ländern noch verbessert werden können. Wichtig sei unter anderem, die vorhandenen Rohstoffe vor Ort auch weiterzuverarbeiten, die regionale Zusammenarbeit zwischen den Ländern zu stärken sowie lokale Industriekooperationen zwischen Fahrzeugunternehmen, Zulieferern, Dienstleistern und weiteren Firmen der Wertschöpfungskette auszubauen.

Um von der einfachen Endmontage hin zu echter inländischer Produktion zu kommen, seien außerdem finanzielle und technische Unterstützung sowie Verbesserungen der Energie- und Logistikinfrastruktur notwendig. Auf der Nachfrageseite könnten besonders finanzielle Anreize für den Kauf oder die Nutzung von Pedelecs und Motorrädern mit elektrischem Antrieb sowie von elektrischen Kleinbussen den Markthochlauf beschleunigen.

Die englischsprachige Analyse „Towards Electric Mobility in East Africa: Current Trends and Policy Approaches“ steht kostenlos zum Download zur Verfügung. Die Analyse wurde von Agora Verkehrswende in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Kenia erstellt und entstand im Rahmen des Projekts „Rethinking Transport“ von GIZ und Agora Verkehrswende.

Quelle: Agora Verkehrswende – Pressemitteilung vom 03.12.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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