In der aktuellen Podcast-Folge habe ich mit Georg Bruce Salinas gesprochen. Georg ist seit fast zwei Jahrzehnten in der Automobilbranche unterwegs, war im klassischen Autohandel aktiv, unter anderem bei Volvo, später bei Nio, und zuletzt im Bereich Ladeinfrastruktur tätig. Seine Reise ist besonders spannend, weil sie vom überzeugten Verbrenner-Fan hin zum klar positionierten E-Mobilitätsbefürworter führt.
Zu Beginn seiner Karriere stand für ihn vor allem Leistung im Fokus. 200 PS plus, laute Motoren, klassische Sportmodelle. Elektroautos waren für ihn lange „weit weg“. Reichweitenangst, Skepsis gegenüber Batterieproduktion, die üblichen Stammtischargumente – vieles davon hat er selbst vertreten. Der Wendepunkt kam nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus der Praxis im Autohaus. Plötzlich standen Kunden vor ihm, die mehr über Ladeleistung, Wärmepumpe oder Batterietechnik wussten als er selbst. „Da stand jetzt, der kann mit 100 kW laden. Ich wusste nicht: Ist das gut oder schlecht?“, beschreibt er rückblickend sehr offen.
Ein zentrales Thema unseres Gesprächs war die mangelnde Qualifizierung im Handel. Hersteller hätten den Verkäufern zu Beginn oft nicht ausreichend Wissen und Begeisterung vermittelt. Drei Stunden Schulung reichten nicht, um echte Kompetenz aufzubauen. Das Problem: Wer selbst nicht überzeugt ist, kann auch nicht glaubwürdig beraten. Genau hier sieht Georg bis heute eine der größten Baustellen am Point of Sale.
Interessant ist auch sein persönlicher Einstieg über Plug-in-Hybride. Ein 455 PS starkes Hybridmodell wurde für ihn emotionaler Türöffner. Erst über Leistung kam die Auseinandersetzung mit dem elektrischen Fahren. Mit dem Wechsel zu Nio erfolgte dann der vollständige Schritt in die Elektromobilität. Dort vertiefte er sein Wissen und hinterfragte frühere Überzeugungen – insbesondere rund um Umweltargumente und vermeintliche Nachteile.
Ein weiterer Schwerpunkt unseres Gesprächs war die Frage, wie man Elektromobilität vermittelt. Georg plädiert klar gegen missionarische Debatten. Stattdessen brauche es sachliche Aufklärung und ehrliche Einordnung. Nicht jedes Fahrprofil passe heute schon perfekt. Aber viele Vorurteile ließen sich durch praktische Erfahrung entkräften. Besonders beim Thema Langstrecke betont er den Perspektivwechsel: weniger Tempo, mehr Entspannung, bewusst eingeplante Pausen.
Spannend wurde es bei seinem Wechsel in die Ladeinfrastruktur. Nach einer erneuten Station im Handel entschied er sich bewusst, den Fokus vom Auto auf das System dahinter zu legen. Bei einem niederländischen Anbieter für AC-Ladelösungen arbeitete er daran, Ladepunkte genau dort verfügbar zu machen, wo Fahrzeuge ohnehin stehen – im Hotel, im Kino, am Golfplatz. Seine Argumentation ist klar: Wenn das Auto während des Aufenthalts lädt, geht die Netto-Ladezeit faktisch gegen Null.
Er kritisiert, dass in der öffentlichen Debatte fast ausschließlich über Schnellladen und Ladepeak gesprochen wird. AC-Laden werde unterschätzt, obwohl es für den Alltag vieler Menschen entscheidend sei. Auch ohne eigene Wallbox könne Elektromobilität funktionieren, wenn Infrastruktur intelligent verteilt ist. Nun aber genug der Vorworte. Lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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