Wie Äthiopien und Kenia auf E-Fahrzeuge umsteigen

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

„Europa diskutiert über das Ende des Verbrennungsmotors – Afrika schafft Fakten: Äthiopien verbietet Benziner, Kenia nutzt Sonnenenergie, elektrifiziert Oldtimer und baut eigene E-Busse.“ So leitet Automobil-Industrie einen aktuellen Artikel über die Antriebswende in Afrika ein. Und verweist darauf, dass viele Länder Afrikas – im Gegensatz zu so manch europäischem Land – erkannt hätten, dass die Elektromobilität neben ökologischen auch viele wirtschaftliche Vorteile mit sich bringe.

Elektrifizierte Fahrzeuge, vom Zweirad bis zum Bus, machen demnach sowohl die individuelle Mobilität wie auch öffentliche Verkehrssysteme in Afrika wirtschaftlicher und demokratischer, so das Fachblatt. Auch die Etablierung einer eigenen Fahrzeugindustrie sei möglich. Auf der Hand liegen weitere Vorteile wie ein besserer Klimaschutz und die Verringerung der Abhängigkeit von teuren Ölimporten.

Als einen der spannendsten Märkte für Elektromobilität in Afrika hat Automobil-Industrie Äthiopien identifiziert, das bereits Anfang 2024 ein Importverbot für Verbrenner-Pkw eingeführt hat und so die Verbreitung von E-Autos ankurbeln will. Der strategische Hintergrund dieser rigorosen politischen Vorgabe ist, dass Äthiopien Jahr für Jahr für mehrere Milliarden US-Dollar – 2023 waren es mehr als sechs Milliarden – für den Import von Treibstoff aufwenden muss; während es über reichlich Potenzial für erneuerbare Energien aus Photovoltaik und Wasserkraft verfügt. Der eigene Ökostrom soll künftig auch für die Mobilität genutzt werden, damit die zuvor für fossile Treibstoffe ausgegebenen Milliarden im eigenen Land verbleiben und dort Wertschöpfung schaffen können. Bis 2050 will Äthiopien klimaneutral sein.

Derzeit aber stecke die Elektromobilität in Äthiopien noch in den Kinderschuhen, öffentliche Ladestationen sind selten, Stromausfälle häufig, was auch das Laden Zuhause zu einer Herausforderung macht, und in Sachen Wartung und Ersatzteile herrsche dringender Nachholbedarf. Und dennoch scheint der Plan aufzugehen: Ursprünglich habe die Regierung bis 2032 mit knapp 150.000 E-Autos auf Äthiopiens Straßen gerechnet. Im Sommer 2024 aber waren es schon 100.000, weshalb die Prognose angepasst wurde auf fast 440.000 neue Elektroautos bis 2030, was einem Drittel aller in dem Land zugelassenen Pkw entsprechen würde.

Die Zeichen der Zeit erkannt hat – einmal mehr, muss man sagen – ein chinesischer Hersteller, der sich über eine Partnerschaft mit dem bereits 1959 in Addis Abbeba gegründeten Autoimporteur Moenco frühzeitig in Äthiopien positioniert: BYD, innerhalb kurzer Zeit zum weltweit größten Hersteller von Elektroautos und Plug-in-Hybriden aufgestiegen.

Auch Äthiopiens südlicher Nachbar Kenia erlebt einen Boom der E-Mobilität, so Automobil-Industrie weiter: „Allerdings nicht aufgrund staatlicher Verbote, sondern vielmehr als Folge pragmatischer Lösungen“, heißt es in dem Artikel. Kenia decke bereits mehr als 90 Prozent seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energien ab, allen voran Photovoltaik. In der Hauptstadt Nairobi gebe es mittlerweile eine Community von Solaranlagen-Betreibern, die sich mit immer besseren Installationen überbieten, um angesichts fehlender öffentlicher Ladeinfrastruktur mit Eigenversorgung auf E-Autos umsteigen zu können, wie der Bericht Joseph Gakuru zitiert, den Chef der Firma Qtron, die sich auf den Umbau von Verbrennern zu E-Autos spezialisiert hat.

Dank Sonnenenergie lohnt sich der Elektroantrieb wirtschaftlich

Kunden von Qtron haben demnach die Wahl, ob sie ihren alten Land Rover Defender, Mercedes oder VW-Bus mit Umrüsttechnik aus Deutschland, China oder von Tesla ausstatten wollen. Besonders gefragt seien Komponenten chinesischer Hersteller, da sie erschwinglich, zuverlässig und schnell verfügbar seien. Zwar seien die Umrüstungen mit bis zu 40.000 Dollar für ein aufwendiges Premium-Projekt sehr teuer. Aber immer noch oft günstiger als ein importierter Neuwagen, da Kenia hohe Import-Steuern verlangt. Hinzu kommt, dass der Elektro-Umbau dank eigener PV-Anlage im Alltag deutlich günstiger unterwegs ist als ein Verbrenner.

Wie erfolgreich die Umrüstung von Fahrzeugen sein kann, zeige das Unternehmen Roam, ebenfalls aus Kenia. Bereits 2017 begann Roam ebenfalls mit der Elektrifizierung von Toyota Land Cruisern, „heute produziert es eigene E-Motorräder und Elektrobusse“, so Automobil-Industrie. Das in Kenia für die vor Ort wichtigsten Bedingungen entwickelte E-Moped Air, das als einfach und robust gilt, koste umgerechnet 2200 Dollar, fahre bis zu 90 km/h schnell und habe eine Reichweite von 140 Kilometern. Geladen wird es an einer normalen Steckdose, als Alternative können auch mobile Batterietauschstationen von Roam in umgebauten Schiffscontainern mit Solarpanelen genutzt werden.

Nun baut Roam auch Elektro-Busse, die Platz für bis zu 90 Passagiere sowie und eine Reichweite von 360 Kilometern haben. 200 davon will das Unternehmen bis 2026 bauen. Auch hier ist die Strategie in erster Linie eine wirtschaftliche: Dank der niedrigeren Betriebskosten sind Elektrobusse langfristig günstiger als Dieselfahrzeuge.

Quelle: Automobil-Industrie – E-Mobilität in Afrika: Fakten statt Diskussionen

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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dcdfg:

Wahrscheinlich laufen jetzt die Verkäufe der Elektroautos dort wie geschmiertes Brot, Bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 2000$ sind bereits ca. 4000 E-Atos auf den Straßen.bei ca. 29 Ladesäulen. Also ca. in 1000 Jahren sind die durchelektrifiziert.

Wührli:

Und was wollen sie uns damit sagen? Für mich Uneingeweihten ist das Posting unverständlich.

Siegfried Schider:

Es ist nicht so einfach zu vergleichen. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass der Autokauf so weitergeht. In einem Land (Äthiopien) dessen Einwohner etwa 2000 $ im Jahr verdienen (je nach Quelle), ist der Markt für Neuwägen sehr überschaubar. Auch das Mobilitätsverhalten wird sich von unserem gravierend unterscheiden. Man muss jetzt fragen, wie sich der Gebrauchtwagenmarkt entwickelt hat. Die alten Verbrenner werden am Land noch Jahrzehnte fahren – und wären auch bei Importerlaubnis nicht ausgetauscht worden sein. Neue E-Autos aus dem Ausland werden für die meisten Leute ebenso unerreichbar sein, wie die Verbrenner früher. Auch die Umbaukosten werden für den größten Teil der Leute nicht bezahlbar sein. Das Land hat etwa 128 Millionen Einwohner und gerade einmal 1,2 Millionen Autos, die zur Hälfte in der Hauptstadt fahren – in der natürlich die lokale Emissionsfreiheit ein Segen ist. Was ist eigentlich mit den Verbrennern passiert, die durch E Autos ersetzt wurden? Fahren die jetzt am Land, wo man sich kein E Auto leisten kann? Oder wurden sie verschrottet – wie es eigentlich klimatechnisch nötig wäre? Viele Fragen.

ediwi:

Lobbyisten beeinflussen mit ihrer finanziellen Übermacht einseitig politische Entscheidungen. Hinzu kommen hohe Parteispenden. Wie sollen sich Politiker unter diesen Bedingungen ein objektives Bild machen können.
Und so entstehen dann Gesetze, die sich an den kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen der Industrie und nicht an ökologischen oder langfristigen wirtschaftlichen Interessen der Allgemeinheit orientieren.

Deshalb müssen einseitiger Lobbyismus und hohe Parteispenden strikt reguliert werden.
Es gibt Organisationen wie zum Beispiel lobbycontrol oder Abgeordnetenwatch, die sich sehr engagiert für ein Gleichgewicht der Einflußnahme auf politische Entscheidungen einsetzen, aber dringend größere Unterstützung gebrauchen können.

Johannes:

Es geht hier um die Antriebswende. Mein Kommentar soll mit Sicherheit nicht Aussagen „In Kenia/Äthiopien“ ist alles super toll.
Aber danke für den Kommentar, ein leuchtendes Beispiel für „Whataboutism“

Kombe:

Gut gesagt !

Kombe:

Oohje, in Kenia bessere politik als Deutschland?? Guten morgen ! Und übrigens, ich bin voll davon überzeugt wenn es wirklich so wäre, dann darf Mann sagen ,Kenia are reacher als Deutschland 100%.

S. Eckardt:

… einfach nur elektrisch fahren, weil es sinnvoll ist!
Vermutlich ohne viel Schnickschnack wie Assistenzsystemen, Flachbildschirmen, over the air-Updates usw.
Und in 10 Jahren gibt es die Ersatzteile für diese Fahrzeuge immer noch.
Herrlich.
Schön, dass es jemand erfolgreich zeigt, dass es so möglich ist.

Gensch:

Bahn
Wohnen
Gleichberechtigung
Schule
Korruption ~~
Straße

Rolando:

Ist doch egal wer was bezahlt. Afrika geht voran und wir hängen an den alten Zöpfen und geraten immer mehr ins Hintertreffen!

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