Škoda Epiq: „Nicht der Günstigste“ – und das ist Absicht

Škoda Epiq: „Nicht der Günstigste“ – und das ist Absicht
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Elektroauto-News

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 9 min

Škoda hat in der Umwelt Arena Spreitenbach bei Zürich den Škoda Epiq der Öffentlichkeit vorgestellt – das günstigste vollelektrische Modell, das die Marke bislang anbietet. Mit einem Einstiegspreis ab 25.900 Euro soll das kompakte SUV-Crossover Elektromobilität in ein Preissegment tragen, das bisher von Verbrennern dominiert wurde. Für Škoda ist das kein marginaler Schritt: Der Epiq soll neue Kundengruppen erschließen und die Marke im wachstumsstarken Segment der kleinen, urbanen Elektro-SUVs etablieren.

Zusammen mit dem Peaq, der noch in der zweiten Jahreshälfte folgen soll, verdoppelt der Epiq das vollelektrische Portfolio der Marke. Zwei neue Modelle in einem Jahr: das ist auch konzernintern ein Signal, wie ernst Škoda den Wandel nimmt.

Dass die Weltpremiere ausgerechnet in der Schweiz stattfand, hat einen konkreten Hintergrund. Škoda ist seit 1993 offizieller Hauptsponsor der IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft, eine der längsten Sponsoringpartnerschaften im internationalen Sport. Eishockey ist in Tschechien Sportart Nummer eins, die WM damit kein beliebiger Rahmen, sondern eine Bühne mit emotionaler Bedeutung für die Marke. In diesem Jahr findet das Turnier vom 15. bis zum 31. Mai in Zürich und Freiburg statt. Die Umwelt Arena Spreitenbach, ein CO2-neutral betriebenes Nachhaltigkeits- und Kompetenzzentrum nahe Zürich, bot dafür den passenden Rahmen. Das Ambiente der Veranstaltung spiegelte dabei den Charakter des Fahrzeugs wider: bunt, verspielt und farbenfroh, ganz im Stil der bisherigen Epiq-Kampagne.

Modern Solid: Neues Design, das künftig alle SUVs prägt

Auf der Bühne eröffnete Klaus Zellmer, CEO von Škoda Auto, die Vorstellung. Er beschrieb den Epiq als kompakt, clever und selbstbewusst, und hob hervor, was das Modell von bisherigen Škoda-Elektroautos unterscheidet: Es ist das erste Serienmodell der Marke, das die neue Designsprache „Modern Solid“ vollständig umsetzt. Damit gibt der Epiq die Richtung vor, in die sich Škodas Design künftig entwickeln wird. Zellmer formulierte den Anspruch klar: Der Epiq bringe „Technologien aus höheren Fahrzeugsegmenten in ein erschwingliches Paket“ und setze klare Maßstäbe dafür, wie ein Elektro-Einstiegsmodell sein sollte – mit klarem Design, intuitiver Bedienung und echtem Alltagsnutzen.

Sichtbar wird die neue Designsprache vor allem an der Front. T-förmige LED-Scheinwerfer rahmen ein glänzend schwarzes Tech-Deck-Face ein – ein Element, das künftig schrittweise auch bei weiteren SUV-Modellen von Škoda zum Einsatz kommen soll. Die Seitenansicht ist durch eine hochgezogene Schulterlinie und einen breiten Unterbau geprägt, das Heck schließt mit ebenso schlanken T-förmigen Rückleuchten ab. Ein optionales Panoramadach mit elektrischer Sonnenblende verstärkt das luftige Raumgefühl im Inneren zusätzlich.

Aerodynamik spielt dabei keine untergeordnete Rolle. Aktive Kühlklappen, Air Curtains, aerodynamische Radkappen und ein optimierter Fahrzeugunterboden tragen gemeinsam zu einem Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,275 bei – ein Wert, der für ein kompaktes SUV-Crossover beachtlich ist und direkt in eine höhere Reichweite übersetzt wird. Die Karosserie misst 4171 Millimeter in der Länge, 1798 Millimeter in der Breite und steht auf einem Radstand von 2601 Millimetern. Für die Lackierung stehen sechs Farben zur Wahl, darunter das bereits vom Elroq bekannte Timiano Green, die Räder reichen von 17 bis 19 Zoll.

Sebastian Henßler, Herausgeber von Elektroauto-News, war vor Ort und konnte das Fahrzeug in Augenschein nehmen. Optisch hinterlässt der Epiq einen selbstbewussten Eindruck, das Design wirkt trotz der kompakten Abmessungen nicht kleinwagenhaft, sondern eigenständig und klar gezeichnet. Auch haptisch überzeugte das Fahrzeug in den ersten Eindrücken: Die Verarbeitungsqualität entspricht dem, was man von Škoda auf diesem Preisniveau erwarten darf, und setzt die Messlatte im Segment spürbar höher.

Innen ruhig, clever – und tierfrei

Dr. Johannes Neft, Vorstand für Technische Entwicklung bei Škoda, beschrieb die Entwurfsphilosophie für das Interieur prägnant: „Alles hat seinen Platz. Der Innenraum ist offen und ruhig. Die Bedienelemente sind intuitiv – digital, wo es hilft, nicht ablenkt.“ Dieser Grundsatz zieht sich durch das gesamte Innenraumkonzept: keine überladene Oberfläche, keine Knöpfe um der Knöpfe willen.

Trotz kompakter Außenmaße bietet der Epiq 475 Liter Kofferraumvolumen, einen der größten Werte in seiner Klasse. Hinzu kommt ein sogenannter „Frunk“ unter der Motorhaube mit 25 Litern zusätzlichem Stauraum. Weitere Ablagefächer in Türen, Mittelarmlehne und Handschuhfach summieren sich auf über 28 Liter. Flaschenhalter in den Türen fassen bis zu 1,5 Liter vorne, Kleiderhaken an den B-Säulen und ein Easy-Open-Getränkehalter im Mitteltunnel runden das Stauraumkonzept ab.

Beim Materialkonzept setzt Škoda vollständig auf tierfreie Alternativen: Alle Sitzbezüge bestehen aus recyceltem Polyester, als Lederersatz kommt Techtona zum Einsatz, ein Material, das laut Hersteller auf Langlebigkeit ausgelegt ist. Insgesamt enthält der Epiq mehr als 34 Kilogramm recycelter Materialien.

Zellmer sprach in diesem Zusammenhang von „Simply Clever 2.0“: Das klassische Škoda-Versprechen von Alltagsintelligenz werde beim Epiq konsequent weitergedacht. Bewährte Details wie der Regenschirm in der Fahrertür und der Eiskratzer in der Heckklappe sind an Bord – doch Zellmer machte deutlich, dass das nicht der Endpunkt ist: „Wir sind dabei, Simply Clever Features auch digital zu integrieren. Das sehen Sie jetzt noch nicht, aber das wird zügig folgen.“

Frontantrieb, neue Plattform, drei Varianten

Als erstes Škoda Modell basiert der Epiq auf der MEB+-Plattform: einer für kompakte Elektroautos mit Frontantrieb optimierten Architektur. Škoda setzt damit erstmals auf Frontantrieb bei einem vollelektrischen Modell; bisherige E-Autos der Marke nutzen Heck- oder Allradantrieb. Dieselbe Plattform teilt der Epiq mit dem VW ID. Polo, dem VW ID. Cross und dem Cupra Raval, die ebenfalls 2026 auf den Markt kommen – eine Konstellation, die Skaleneffekte in der Produktion ermöglicht und damit die Preisgestaltung des gesamten Segments beeinflusst.

Gefertigt wird der Epiq nicht in Tschechien, sondern in Spanien. Zellmer erläuterte die Entscheidung im Gespräch mit Elektroauto-News ohne Umschweife: „Das muss man rational betrachten, denn wir brauchen die Skaleneffekte für so ein Fahrzeug.“ Eine gemeinsame Produktionsanlage für alle vier Plattformmodelle sei in Spanien bereits vorhanden gewesen – durch diese Bündelung würden die Kosten optimiert. Hinzu komme, dass die tschechischen Werke vollständig ausgelastet seien: Im vergangenen Jahr habe Škoda erstmals seit vielen Jahren wieder die Marke von einer Million Fahrzeuge überschritten. „Der Epiq mit der Produktionskapazität, die wir jetzt in Spanien haben, verschafft uns weitere Wachstumsmöglichkeiten. Und mehr Wachstum bedeutet mehr Chancen, mehr Umsatz“, so Zellmer.

Angeboten wird der Epiq in drei Leistungsvarianten. Der Epiq 35 und der Epiq 40 nutzen eine Batterie mit 38,5 kWh Bruttokapazität auf LFP-Basis – ein Zellchemieformat, das für seine Langlebigkeit und Eignung für häufiges Laden bekannt ist. Der Epiq 35 leistet 85 kW, der Epiq 40 kommt auf 99 kW; beide entwickeln 267 Nm Drehmoment und sind auf 150 km/h begrenzt. Die Reichweite gibt Škoda für beide Varianten mit bis zu 310 Kilometern an.

Das Topmodell Epiq 55 ist mit einem 55 kWh (brutto) großen NMC-Akku ausgestattet, der eine höhere Energiedichte bietet und damit mehr Reichweite ermöglicht. Es leistet 155 kW bei 290 Nm, ist auf 160 km/h begrenzt und soll nach Herstellerangaben bis zu 440 Kilometer weit kommen. DC-Schnellladen von zehn auf 80 Prozent gelingt beim Epiq 55 in rund 24 Minuten, AC-seitig lädt der Epiq serienmäßig mit 11 kW. Alle Reichweiten- und Ladezeitangaben sind vorläufige Herstellerangaben.

Bidirektional laden – und mit einem Pedal fahren

Serienmäßig unterstützt der Epiq bidirektionales Laden in den Varianten V2L, V2H und V2G. Die im Akku gespeicherte Energie kann damit externe Geräte versorgen, einen Haushalt speisen oder ins Stromnetz zurückgespeist werden – sofern eine kompatible Wallbox vorhanden ist. Das ist eine Funktion, die in diesem Preissegment bislang kaum zu finden ist.

Ebenfalls neu für Škoda in dieser Fahrzeugklasse ist das vollwertige One Pedal Driving im B-Modus mit einstellbarer Rekuperationsintensität. Hinzu kommen eine Segelfunktion und ein Eco-Assistent zur Effizienzoptimierung – Features, die zusammen ein Fahrzeug ergeben, das spürbar über die Einstiegserwartungen hinausgeht.

Assistenzsysteme, die man sonst woanders sucht

Bei den Fahrerassistenzsystemen positioniert Škoda den Epiq gezielt oberhalb dessen, was im Einstiegssegment üblich ist. Serienmäßig an Bord sind Front Assist mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, Side Assist inklusive Rear Traffic Alert und Ausstiegswarner, Lane Assist sowie eine Aufmerksamkeits- und Müdigkeitserkennung via Innenkamera. Serienmäßig ausgestattet ist der Epiq zudem mit sieben Airbags, darunter einem zentralen Airbag.

Optional ist der Travel Assist 3.0 erhältlich – das derzeit fortschrittlichste Fahrerassistenzsystem in Škoda Fahrzeugen, das auf Ampeln reagieren und das Fahrzeug vollständig zum Stillstand bringen kann. Wer das Premium-Paket wählt, bekommt zusätzlich einen intelligenten Parkassistenten mit trainiertem und fernbedientem Parken.

Das Infotainmentsystem basiert auf einem 13-Zoll-Android-Display mit App-Store-Anbindung. Drittanbieter-Apps wie Spotify, YouTube und Google Maps sind direkt verfügbar, die MyŠkoda App ermöglicht Fernzugriff auf Ladevorgänge, Klimasteuerung und Fahrzeuginformationen. Der digitale Fahrzeugschlüssel für kompatible iPhones und Android-Geräte soll noch im Laufe des Jahres 2026 nachgereicht werden.

Škoda Epiq: Nicht der Billigste – aber das bessere Angebot

Im Segment unter 30.000 Euro trifft der Epiq auf einige Wettbewerber aus Europa und zunehmend aus China. Škoda setzt dem nicht den niedrigsten Preis entgegen, sondern das Versprechen eines überzeugenden Gesamtpakets. Zellmer brachte die Positionierung im Gespräch mit Elektroauto-News auf den Punkt: „Es geht nicht immer um den Günstigsten, sondern es geht wirklich darum, dass wir Value for Money bringen. Und das ist bei Škoda ganz tief in der DNA verwurzelt.“

Als zweites Argument nennt er ein etabliertes Händlernetz mit gewachsenen Kundenbeziehungen – einen „Human Touch“, der bei Kaufentscheidungen als Differenzierungsmerkmal gegenüber neuen Anbietern wirken soll. Die Grundlage für dieses Selbstbewusstsein ist konkret: Der Elroq war 2025 das zweitmeistverkaufte Elektroauto in Europa hinter dem Tesla Model Y. „Das zeigt schon: Wir können es, wir können es gut, wir können es zu einem Preis, der ganz offensichtlich von unseren Kunden akzeptiert wird – und wir können uns gegen Wettbewerb, der im Moment stark spürbar ist in Europa, durchsetzen“, so Zellmer.

Die eigentliche Herausforderung liege nun nicht im Erreichen, sondern im Verteidigen: „Hungrig bleiben, weiterhin nach Effizienzen suchen, Innovationen in die Fahrzeuge bringen – diese Liebe zum Detail, die Liebe zur perfekten Qualität, das sind unsere Herausforderungen. Wenn wir das alles mit der gleichen Schlagkraft tun wie in den letzten Jahren, dann haben wir einen guten Stand – auch gegen chinesische Wettbewerber.“

Der Einstiegspreis von 25.900 Euro gilt für die Variante Epiq Essence 35, die zum Marktstart Ende September in Deutschland bestellbar sein soll. Eine limitierte First Edition, basierend auf der Ausstattungsvariante Selection mit dem leistungsstärksten Antrieb und spezifischen Designelementen, folgt kurz nach der regulären Markteinführung.

Disclaimer: Škoda hat zum Kennenlernen des Škoda Epiq nach Zürich, Schweiz eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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