Mit der Präsentation der Markenstrategie „Ready Set Ford“ hat Ford Anfang der Woche am Bilster Berg in Bad Driburg den Rahmen für seine Neuausrichtung in Europa gesetzt. Die Wahl des Ortes war dabei kein Zufall: Die Rennstrecke im Teutoburger Wald steht sinnbildlich für den Anspruch, den Ford mit dieser Strategie formuliert – die eigene Rennsport-DNA aus der Vergangenheit zurück in die Gegenwart zu holen. Gleichzeitig hat der Automobilhersteller konkrete Produkte nachgeliefert: aktualisierte Versionen des Capri und des Explorer als limitierte Collection-Modelle sowie einen ersten Ausblick auf fünf völlig neue Modelle, die bis Ende 2029 auf den europäischen Markt kommen sollen.
Die Strategie gliedert sich in drei Säulen, die sich an drei klar definierten Kundengruppen orientieren. „Build“ adressiert gewerbliche Kunden und Nutzer von Ford Pro-Fahrzeugen – die sogenannten Macher, die täglich auf zuverlässige Nutzfahrzeuge angewiesen sind. „Thrill“ richtet sich an Fahrende, die ein dynamisches Erlebnis suchen und für die Rennsport-Referenzen ein echtes Kaufargument darstellen. „Adventure“ zielt auf jene, die Alltagsflucht und Offroad-Kompetenz höher gewichten als Stadtpragmatismus.
Ford Pro bleibt dabei das strategische und wirtschaftliche Rückgrat des Europa-Geschäfts. Die Nutzfahrzeugsparte, seit elf Jahren in Folge Marktführer in Europa, entwickelt sich laut Ford zunehmend von einem reinen Fahrzeuglieferanten zu einem Produktivitätspartner. Konkret bedeutet das: vernetzte Dienste, die Fahrzeugdaten in messbare Verfügbarkeit umwandeln. Mehr als 1,2 Millionen europäische Kunden sind bereits vernetzt und erzeugen täglich knapp sechs Millionen Statussignale. Im vergangenen Jahr wurden dadurch laut Unternehmensangaben fast eine Million zusätzliche Einsatztage für Flottenfahrzeuge ermöglicht.

Neu hinzu kommt das Dealer-Uptime-Konzept, das Händler zu aktiven Fahrzeugmanagern machen soll: Reparaturbedarfe werden erkannt, bevor das Fahrzeug überhaupt in der Werkstatt eintrifft. In ersten Piloten reduzierten sich Reparaturzeiten damit um bis zu 50 Prozent. Zwei neue Fahrzeuge ergänzen das Ford-Pro-Portfolio: der Ranger Super Duty für Extremeinsätze mit bis zu acht Tonnen Gesamtzuggewicht sowie der Transit City, ein rein elektrischer Stadtvan mit einer angestrebten Reichweite von bis zu 254 Kilometern, der noch in diesem Jahr zu den Händlern kommen soll.
Ford Capri und Explorer Collection-Modelle: Optik voran, Technik nachgezogen
Im Fokus des Bilster-Berg-Tages standen jedoch die beiden überarbeiteten Elektromodelle. Der Ford Capri Collection und der Ford Explorer Collection sind limitiert verfügbar, ohne dass Ford eine konkrete Stückzahl kommuniziert hat. Beide Modelle richten sich mit exklusiven Farbgebungen und Ausstattungsdetails an Kund:innen, die nach mehr Eigenständigkeit gegenüber den Basisvarianten suchen. Der Capri Collection trägt die Farbe Tribute Blue – eine Referenz an historische Capri-Rennfahrzeuge – und kommt mit tiefer gezogenen Schürzen, Seitenschwellern, Heckspoiler in Schwarz sowie 21-Zoll-Leichtmetallrädern im Satin-Schwarz-Finish. Der Explorer Collection präsentiert sich in Cactus Grey mit 20-Zoll-Felgen ebenfalls in Satin Black, schwarzem Dach und markanten Grafiken an Türen und Hecksäule – optisch inspiriert von modernem Sport-Equipment, mit Oranje-Akzenten im schwarz ausgeführten Innenraum.

Technisch ist die relevantere Neuerung allerdings eine, die für die gesamte Baureihe gilt: Beide Modelle erhalten in der Standard-Range-Ausführung eine neue Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP), die die bisher verwendeten NMC-Akkus ersetzt. Beim Capri Standard Range steigt die Reichweite damit um mehr als 17 Prozent auf bis zu 464 Kilometer, die Leistung beträgt nun 140 kW (190 PS) bei 350 Nm Drehmoment. Der Explorer Standard Range kommt nach WLTP auf bis zu 444 Kilometer, ebenfalls bei 140 kW (190 PS) und 350 Nm – ein Leistungszuwachs von 15 kW gegenüber der Vorgängerversion. Beide Modelle spurten laut Hersteller in 8,0 Sekunden von null auf 100 km/h.
Konnte man so vor Ort selbst erleben: Auf der Strecke am Bilster Berg war der Ford Capri Collection Collection trotz niedrigerer Papierleistung zügiger im Antritt als der dort ebenfalls präsente Ford Mustang Dark Horse – ein Ergebnis, das die elektrotypische Charakteristik der Momentenabgabe eindrücklich demonstrierte.

Hinzu kommt das One-Pedal-Driving bis zum Stillstand, das Ford zufolge für alle Capri- und Explorer-Modelle zur Serienausstattung wird – ein Feature, das in dieser Form bisher nicht verfügbar war und nicht per Over-the-Air-Update auf bereits ausgelieferte Fahrzeuge übertragen wird.
Neu an Bord beider Modelle ist zudem das Pro Power Onboard-System: Eine 230-Volt-Steckdose im Kofferraum ermöglicht die externe Stromversorgung mit bis zu 2,3 kW, ergänzt durch einen optionalen Adapter am Ladeanschluss. Die überarbeitete Ford SYNC Move-Software auf Android-Basis erlaubt künftig das Gruppieren von Apps in Dateikoffern, Navigation und Parkkameras profitieren von einer größeren Bildschirmdarstellung.
Die Collection-Versionen werden ausschließlich in der Extended-Range-Ausführung angeboten. Der Explorer Collection ist laut Konfigurator vom 18. Mai ab 53.900 Euro (Extended Range, 210 kW, Heckantrieb) beziehungsweise ab 57.900 Euro (250 kW, Allrad) bestellbar. Der Capri Collection startet bei 56.400 Euro (210 kW, Heckantrieb) und reicht bis 60.400 Euro (250 kW, Allrad). Bestellungen nehmen Ford-Händler ab sofort entgegen.
Fünf neue Modelle – und Fords Partnerschaftsstrategie
Den weiteren Horizont steckten am Bilster Berg fünf neue Modelle ab, die Ford bis Ende 2029 auf den europäischen Markt bringen will – entwickelt in Europa, für Europa. Die nächsten zwei Jahre seien allerdings keine neuen Modelle zu erwarten. Danach sollen zwei der fünf Modelle auf einer vollelektrischen Plattform basieren: ein Kleinwagen im B-Segment und ein kompaktes elektrisches SUV. Zwei weitere Crossover sind als Multi-Energy-Modelle geplant, die unterschiedliche Antriebstechnologien ermöglichen. Das fünfte Modell soll die Bronco-Familie um ein europäisch ausgerichtetes Kompakt-SUV erweitern, das ab 2028 im Ford-Werk in Valencia produziert wird und Offroad-Kompetenz mit europäischen Marktanforderungen verbinden soll.
Ob der angekündigte elektrische Kleinwagen auf dem von Volkswagen entwickelten MEB+-Baukastensystem basiert, hat Ford nicht bestätigt. Angesichts der bestehenden Partnerschaft zwischen den beiden Automobilherstellern liegt die Frage nahe: Der VW ID. Polo, der als direkter Segment-Konkurrent angetreten ist und ebenfalls auf MEB+ aufbaut, startet bereits ab rund 25.000 Euro. Sollte der Ford-Kleinwagen denselben technischen Unterbau nutzen, wären ähnliche Preisregionen denkbar – bestätigt ist das jedoch nicht. Vergleichbar verhält es sich mit dem kleinen elektrischen SUV: Der ebenfalls auf MEB+ basierende VW ID. Polo GTI mit 166 kW (226 PS) bietet eine Referenz, wie sportlich aufgestellte Kompaktmodelle auf dieser Plattform positioniert werden können. Alternativ könnte man sich auch Renaults Plattform bedienen.
Die technologische Basis für neue Fahrzeuge soll durch Partnerschaften gesichert werden. Ford arbeitet in Europa mit Volkswagen, Renault, Koç und JMCG zusammen, um Skaleneffekte zu erzielen und Entwicklungszeiten zu verkürzen. Gleichzeitig betont Ford, dass alle entstehenden Modelle unabhängig von der geteilten Plattformtechnologie als eigenständige Ford-Produkte positioniert werden.
Begleitend zur Produktoffensive hat Ford seine regulatorische Position bekräftigt: Die geltenden CO2-Zielpfade seien von der tatsächlichen Verbrauchernachfrage entkoppelt. Ford fordert einen flexibleren Übergang, der Plug-in-Hybride und Range-Extender-Modelle als Zwischentechnologien einschließt, sowie eine Ladeinfrastruktur, die mit den gesetzlichen Zielen Schritt hält. Besonders für Nutzfahrzeuge – wo der Anteil elektrischer Neuzulassungen laut Ford derzeit bei rund zehn Prozent liegt – sieht der Automobilhersteller aggressive Zielvorgaben als faktische Belastung für kleine und mittlere Betriebe.
Disclaimer: Ford hat zum Kennenlernen der neuen Ausrichtung und künftiger Modelle auf den Bilster Berg eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.









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