DS Automobiles steht vor einer der wichtigsten Produktentscheidungen der noch jungen Markengeschichte. Der DS 7, seit 2018 auf dem Markt und zuletzt für rund 72 Prozent aller DS-Verkäufe in Deutschland verantwortlich, bekommt einen vollständigen Nachfolger. Kein Facelift, keine Evolution: Der DS N°7, gesprochen „DS Nummer Sieben“, ist das erste Modell, das die Pariser Premiummarke nach acht Jahren Markengeschichte komplett neu entwickelt hat, auf einer neuen Plattform, mit neuer Technik und einem neuen Namen. Zur Medienpremiere in Flörsheim am Main präsentierte DS Automobiles das neue Kompakt-SUV der deutschen Presse und machte dabei deutlich, warum an diesem Modell für die Marke so viel hängt.
Das C-SUV-Segment, in dem der N°7 antritt, ist kein Zufall. Laut DS macht das Premiumsegment zwar nur 25 Prozent aller Fahrzeugverkäufe in Europa aus, generiert aber 38 Prozent des gesamten Branchengewinns. Innerhalb dieses Premiummarkts ist das C-Segment mit einem Anteil von 41 Prozent das größte, und zwei Drittel davon entfallen auf SUVs. Wer in diesem Teilmarkt stark aufgestellt ist, hat strukturelle Vorteile gegenüber Wettbewerbern, die auf andere Segmente setzen.

Die Bedeutung des Vorgängers lässt sich in konkreten Zahlen fassen. Dorothea Knell, Leiterin Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei DS Automobiles Deutschland, verwies auf dem Event darauf, dass der DS 7 in seinem letzten vollen Verkaufsjahr 2025 rund 70 Prozent aller deutschen DS-Verkäufe auf sich vereinte, weltweit lag der Anteil bei rund 50 Prozent. Damit war der DS 7 nicht nur Bestseller, sondern faktisch das Fundament der gesamten Marke. Hinzu kommt die Zusammensetzung der Kundschaft: 85 Prozent der deutschen Käufer:innen waren Geschäftskunden, keine Großkonzerne, sondern vorrangig kleinere Unternehmen und Freiberufler wie Arztpraxen, Architekturbüros oder Designstudios. Diese Gruppe, im Fachjargon als „User Chooser“ bezeichnet, wählt das Auto selbst und profitiert dabei von steuerlichen Vorteilen als Dienstwagen.
Entsprechend hoch ist der Anspruch an Ausstattung: 60 Prozent der deutschen Käufer:innen entschieden sich für die gehobene Étoile-Variante mit Nappaleder, ein Wert, der den globalen Schnitt von 24 Prozent weit hinter sich lässt. Der DS N°7 muss genau diese Klientel halten und im besten Fall ausbauen. Der Druck, den richtigen Nachfolger zu liefern, ist entsprechend groß.
DS N°7: Gleiche Strategie und Positionierung mit neuer Plattform
Die Positionierung bleibt bewusst dieselbe wie beim Vorgänger: DS siedelt den N°7 am oberen Ende des C-SUV-Segments an, mit Abmessungen, die an die Grenze zum D-Segment reichen, zu Preisen, die im C-Segment bleiben. Emmanuel Schaeffer, Head of DS Serial Life and Project Pricing, erläuterte in Flörsheim, dass diese Zwischenpositionierung eine bewusste Kontinuität zur Erfolgsformel des DS 7 darstelle: mehr Platz und Größe für den Preis eines kleineren Segments. Mit 4,66 Metern Länge, 1,90 Metern Breite und einem Radstand von 2,79 Metern ist der Neue gegenüber dem DS 7 um sieben Zentimeter in der Länge und fünf Zentimeter im Radstand gewachsen, während Höhe und Breite unverändert blieben.

Dieses gezielte Wachstum kommt vor allem dem Innenraum zugute. Die hinteren Türen wurden verlängert, was die Seitenfensterflächen um 30 Prozent vergrößert. Das optionale Panoramadach wuchs um 40 Prozent und besteht aus Verbundglas mit mehreren Schichten, die Infrarotstrahlung abschirmen und durch eine Low-E-Beschichtung im Sommer Wärme draußen und im Winter drinnen halten. Trotz der ausgeprägten Dachlinie bleibt die Kopffreiheit im Fond erhalten; das optionale Panoramadach bietet sogar bis zu 50 Millimeter mehr Kopffreiheit als das Standarddach. Mehr Licht, mehr Raumgefühl, ohne dass das Auto von außen breiter oder klobiger wirkt.

Das Kofferraumvolumen beträgt je nach Antriebsvariante und gewähltem Audiosystem zwischen 500 und 560 Litern. Laut DS ist das der höchste Wert im C-SUV-Segment, noch vor dem Mercedes GLB EQ mit 540 Litern und dem Audi Q4 e-tron mit 520 Litern. Die in Segmenten 40/20/40 geteilte Rückbank lässt sich umklappen und schafft eine ebene Ladefläche; ein variabler Kofferraumboden ist serienmäßig in zwei Positionen fixierbar. Technologische Grundlage ist die STLA-Medium-Plattform von Stellantis, auf der auch der DS N°8 aufbaut. Sie ermöglicht drei vollelektrische Antriebsvarianten sowie einen Mildhybrid.
Reichweite als zentrales Argument des E-SUV
Das Herzstück des elektrischen Angebots ist der DS N°7 E-Tense FWD Long Range. Mit einer 97,2-kWh-Batterie und Vorderradantrieb leistet er 180 kW (245 PS); im kurzzeitig abrufbaren Boost-Modus, der oberhalb von 90 Prozent Batterieladung zur Verfügung steht, steigt die Leistung auf 206 kW (280 PS). Das maximale Drehmoment beträgt 343 Nm. Die nach vorläufigen Herstellerangaben erreichbare WLTP-Reichweite von bis zu 740 Kilometern ist der bislang höchste Wert im C-SUV-Segment.
Schaeffer betonte in Flörsheim, dass ein wesentlicher Schlüssel zu diesem Wert die Aerodynamik sei: Der cw-Wert von 0,26 und eine aerodynamische Widerstandsfläche von 0,69 m² seien das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit und machten einen messbaren Unterschied, sobald das Auto auf der Autobahn unterwegs ist. Bei konstant 120 km/h sollen noch rund 480 Kilometer möglich sein, was laut DS für Strecken wie Hamburg nach Frankfurt ohne Zwischenstopp ausreicht. Der Durchschnittsverbrauch liegt nach vorläufigen Angaben bei 16,2 kWh pro 100 Kilometer.

Die Allradversion DS N°7 E-Tense AWD Long Range kombiniert zwei Elektromotoren auf eine Systemleistung von 257 kW (350 PS), im Boost-Modus kurzzeitig 276 kW (375 PS), bei einem Drehmoment von 509 Nm. Die WLTP-Reichweite liegt bei bis zu 679 Kilometern, der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert laut Hersteller 5,4 Sekunden. Die Einstiegsvariante E-Tense FWD mit 73,7 kWh leistet 169 kW (230 PS), im Boost-Modus 191 kW (260 PS), und erreicht nach vorläufigen Herstellerangaben bis zu 543 Kilometer WLTP-Reichweite bei einem Verbrauch von 16 kWh pro 100 Kilometer. Alle drei Varianten teilen sich die gleiche Höchstgeschwindigkeit: elektronisch begrenzt auf 190 km/h.
Gleichmäßige Ladekurve bei zurückhaltendem Peak der Ladeleistung
Nicht minder relevant als die Reichweite ist das Ladeverhalten, denn hohe WLTP-Werte allein entscheiden nicht darüber, wie praxistauglich ein E-Auto auf der Langstrecke wirklich ist. Die große 97,2-kWh-Batterie lädt mit maximal 160 kW Gleichstrom und kommt von 20 auf 80 Prozent in 27 Minuten. Entscheidender als die Spitzenleistung ist dabei laut Schaeffer die Form der Ladekurve: Sie bleibt zwischen 20 und 55 Prozent Ladestand annähernd konstant bei 160 kW und fällt danach vergleichsweise moderat ab. In zehn Minuten lassen sich so bis zu 200 Kilometer Reichweite nachladen, ein Wert, der auf langen Reisen den Unterschied zwischen einer kurzen Kaffeepause und einem ausgedehnten Ladestopp ausmachen kann.

Die Batterie lässt sich sowohl automatisch als auch manuell thermisch vorkonditionieren. Bei längeren Fahrten startet die Vorkonditionierung rechtzeitig vor Ankunft an einer Ladestation, damit die Zellen unabhängig von der Außentemperatur im optimalen Zustand für den Ladevorgang sind. Plug&Charge-Funktionalität ist ebenfalls an Bord: Das Auto identifiziert sich nach dem Anstecken an einer kompatiblen DC-Schnellladestation automatisch und rechnet über bestehende Abonnements oder Prepaid-Pakete ab. Über die Plattform Free2Move Charge haben Fahrer:innen Zugang zu mehr als 800.000 Ladepunkten in Europa, darunter 135.000 Schnellladestationen.
DS untermauerte die Praxistauglichkeit mit einem segmentinternen Vergleich, der in Flörsheim präsentiert wurde: Auf einer standardisierten 760-Kilometer-Autobahnfahrt bei 120 km/h und 20 Grad Celsius soll der N°7 E-Tense FWD Long Range als einziges C-SUV-Modell im Testfeld mit nur einem Ladestopp auskommen, während Konkurrenten wie der Volvo EX40 oder der BMW iX1 laut Herstellerangaben zwei bis drei Stopps benötigen.
Komfort als Markenkern von DS Automobiles
Neben Reichweite und Ladetechnik steht Fahrkomfort im Mittelpunkt des Fahrzeugs, und hier investiert DS erkennbar mehr als der Segment-Durchschnitt. Das aktive Fahrwerk DS Active Scan Suspension nutzt eine Kamera an der Windschutzscheibe sowie Lage- und Beschleunigungssensoren, um Fahrbahnunebenheiten zu antizipieren und die Dämpfung an jedem einzelnen Rad individuell anzupassen, bevor der Impuls tatsächlich am Rad ankommt. Elektrisch aktivierte Magnetventile steuern dabei den Ölfluss innerhalb der Stoßdämpfer. Das System reagiert laut Hersteller innerhalb von Millisekunden, das Fahrwerk „sieht“ die Straße gewissermaßen voraus.

Für akustische Ruhe sorgen optional dämpfendes Verbundglas an allen Seitenscheiben sowie eine serienmäßige Akustikwindschutzscheibe, ergänzt durch umfangreiche Dämpfungsmaterialien im Fahrgastraum. Wer das optionale Hi-Fi-System Electra 3D wählt, eine Gemeinschaftsentwicklung mit der französischen Audiomarke Focal, bekommt 14 Lautsprecher mit 690 Watt Gesamtleistung, darunter zwei Dachlautsprecher für räumlichen Klang.

Die Vordersitze verfügen über integrierte Kopfstützen, hochdichte Schaumstoffe und verstellbare Seitenwangen; je nach Ausstattung kommen Heiz-, Kühl- und Massagefunktionen dazu. Ergänzt werden sie durch den DS Neck Warmer, der sanfte Warmluft um den Nacken strömen lässt, eine Funktion, die laut DS körpernahe Beheizung ermöglicht und damit den Energieverbrauch im Alltag senkt, was direkt der Reichweite zugutekommen soll. Auch die Fondpassagiere profitieren von einer eigenen Sitzheizung und separater Klimaregelung.
Das Cockpit ist mit einem zehn Zoll großen digitalen Kombiinstrument und einem 16-Zoll-Touchscreen ausgestattet, die nahtlos in die Armaturentafel integriert sind. Das Multimediasystem DS Iris 2.0 lässt sich per Sprachsteuerung oder Touchscreen bedienen und integriert ChatGPT für eine natürlich wirkende Sprachkonversation. Vier USB-C-Anschlüsse, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie ein optionales Head-up-Display gehören ebenfalls zum Ausstattungsumfang.

Im Interieur setzt DS auf handwerkliche Details, die die Marke seit ihrer Gründung als Differenzierungsmerkmal pflegt: Sitzbezüge im Uhrenarmband-Muster, Guillochierungen im Hufnagelmuster, ein Verfahren, das aus der Luxusuhrenindustrie entlehnt ist, Perlenstich-Nähte und vollnarbiges Nappaleder aus Bayern. Fünf Interieurvarianten stehen zur Wahl, von Stoff über Alcantara bis hin zu Nappaleder in verschiedenen Farben. Zur Markteinführung steht die zeitlich auf etwa sechs Monate begrenzte Sonderserie La Première bereit. Ihr Interieur in Byzantin-Schwarz, ein Nappaleder, das je nach Lichteinfall einen dunklen Aubergine-Ton annimmt, ist exklusiv dieser Einführungsedition vorbehalten und danach nicht mehr bestellbar.
Made in Europe for Europe und die Preise des DS N°7
Ein weiteres Argument, das DS in Flörsheim wiederholt in den Vordergrund stellte: 89 Prozent aller Fahrzeugkomponenten stammen aus europäischer Produktion. Das Design kommt aus Paris, die 97,2-kWh-Batterie aus der ACC-Gigafactory im nordfranzösischen Billy-Berclau, einem Joint Venture, an dem Stellantis als Gründungsmitglied und Hauptaktionär beteiligt ist, der Elektromotor aus dem Werk NPE im nordostfranzösischen Trémery, das Nappaleder aus Bayern, das Alcantara aus Italien. Die Endmontage findet im Stellantis-Werk Melfi in Süditalien statt. In Zeiten wachsender Debatten über Lieferketten und Herkunftsnachweise ist das ein Verkaufsargument, das DS gezielt ausspielt, und das im Kontext des deutschen Geschäftskundenmarkts durchaus Gewicht hat.
Für den deutschen Markt sind zwei reguläre Ausstattungsvarianten vorgesehen: Pallas und Étoile. Die international erhältliche Basisvariante Aura entfällt hierzulande. Knell verwies darauf, dass die Nachfrage nach höheren Ausstattungen in Deutschland die Entscheidung klar vorgebe, eine Einschätzung, die die Verkaufsdaten des Vorgängers stützen. Außenfarben stehen sechs zur Wahl: Topas-Blau, Palladium-Grau, Perla-Nera-Schwarz, Alabaster-Weiß, Kristall-Grau sowie das neu eingeführte Seiden-Grün. Optional ist eine Zweifarbenlackierung mit schwarz abgesetztem Dach erhältlich; eine erweiterte Variante betont zusätzlich Motorhaube und Kühlergrill durch ein partiell schwarzes Finish, das über das sogenannte Paintjet-Verfahren aufgetragen wird.
Die Preise beginnen laut Herstellerangaben bei 56.300 Euro für den E-Tense FWD in der Einstiegsausstattung Pallas. Die Long-Range-Variante mit Vorderradantrieb startet in Pallas bei 61.700 Euro, die Allradversion bei 66.600 Euro. In der Étoile-Ausstattung liegt der Einstieg für den E-Tense FWD bei 62.650 Euro, die Long-Range-Version bei 68.950 Euro, der Allradler bei 72.950 Euro. Die zeitlich begrenzte La-Première-Edition ist ausschließlich in höchster Ausstattung erhältlich, mit Preisen zwischen 68.150 Euro für den E-Tense FWD und 78.450 Euro für den Allradler.
Disclaimer: DS Automobiles hat zum Kennenlernen des DS N°7 nach Flörsheim, nahe Frankfurt eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.








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