Scheuer: „Brauchen schnell klimafreundliche Lkw“

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Wolfgang Plank
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Akku-Autos gewinnen in Deutschland seit Monaten an Fahrt. Im Bereich elektrischer Nutzfahrzeuge ist ein ähnlicher Schwung aber nicht auszumachen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat daher mehr Tempo beim Umstieg der Spediteure auf alternative Antriebe bei Lastwagen angemahnt. „Wir brauchen deutlich mehr Dynamik hin zum klimafreundlichen Warentransport„, sagte er in einem Gespräch mit der Zeitung „Welt“. Die aktuellen Neuzulassungen zeigten, dass immer noch viele Unternehmen zögerten.

Von den knapp 3,5 Millionen Lastwagen und leichten Nutzfahrzeugen, die in Deutschland derzeit zugelassen sind, werden laut Scheuers Ministerium weniger als 34.300 rein elektrisch angetrieben. Das entspricht nur knapp einem Prozent. Hinzu kommen rund 1350 Hybrid-Lkw. Mehr als 3,2 Millionen Lastwagen fahren dagegen noch immer mit Dieselmotoren. Den Angaben zufolge kamen 2019 knapp 7200 rein elektrische Nutzfahrzeuge hinzu, 2020 stieg dieser Wert zwar immerhin auf 9269. Von einer Vervielfachung wie im Pkw-Bereich ist dieser Anstieg jedoch weit entfernt.

„Wir fördern den Umstieg auf klimafreundliche Transporte, indem wir den Erwerb klimafreundlicher Nutzfahrzeuge und der nötigen Tank- und Ladeinfrastruktur massiv unterstützen“, sagte Scheuer. Diese Chance sollte jetzt genutzt werden, so der Minister. „Denn klar ist: Der Verkehrssektor muss beim Klimaschutz deutlich mehr liefern, und zwar schnell.“

Allerdings wird im Logistik-Sektor noch penibler gerechnet als bei privaten Fahrzeugen. Neben dem reinen Anschaffungspreis spielen für die Eigentümer vor allem Betriebs- und Wartungskosten eine Rolle. Am Ende wird in der Regel das Fahrzeug mit den niedrigsten Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer angeschafft. In diese Überlegungen fließen natürlich auch die durch langes Stromladen bedingten Standzeiten ein, in denen Elektro-Lkw nicht für den Transport genutzt werden können.

Im Gegensatz zu Pkw geben Experten bei Nutzfahrzeugen auch der Brennstoffzelle oder künstlichen Kraftstoffen eine Chance. Allerdings sind Wasserstoff-Modelle bislang nicht in größerer Stückzahl verfügbar. In den nächsten Monaten und Jahren bleibt daher fast nur der Elektroantrieb, um die CO2-Emissionen bei Lastwagen zu senken.

Für kürzere Transportstrecken gibt es bereits elektrische Nutzfahrzeuge. Hersteller wie MAN und Daimler haben bereits serienreife E-Lkw entwickelt. Nach Berechnungen des Verkehrsministeriums waren mehr als 264 Millionen der insgesamt gut 411 Millionen Fahrten, die von Lastwagen im vergangenen Jahr in Deutschland absolviert wurden, nicht länger als 50 Kilometer.

Dennoch sieht Verkehrsminister Scheuer die Autobauer bei alternativen Antrieben in der Pflicht. „Entwickeln Sie mehr alltags- und praxistaugliche Fahrzeuge, die in Qualität und Preis überzeugen“, sagte er. „Nur dann werden Lkw Made in Germany auch weiterhin auf dem Weltmarkt erfolgreich sein.“

Quelle: welt.de – „Nur dann werden Lkw Made in Germany auf dem Weltmarkt erfolgreich sein“

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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