Daimler Trucks startet weltweite Initiative für Elektro-Lkw-Ladeinfrastruktur

Daimler Trucks startet weltweite Initiative für Elektro-Lkw-Ladeinfrastruktur
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Daimler Trucks ist Pionier der Elektromobilität: zum einen mit E-Lkw im weltweiten Kundeneinsatz, zum anderen mit einem ganzheitlichen Ökosystem samt Beratung und Infrastruktur-Angeboten für Elektro-Lkw-Kunden. Nun startet die E-Mobility Group von Daimler Trucks & Buses als zusätzlichen Schritt eine weltweite Initiative für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw. Der Fokus liegt zunächst auf Ladestationen, die auf den Betriebshöfen von Lkw-Kunden installiert werden.

Die E-Mobility Group bringt im Rahmen der Initiative die Hauptakteure – E-Lkw-Kunden, Stromnetzbetreiber, Energieversorger sowie Lade-Hardwarehersteller und Lade-Softwareanbieter – zusammen und treibt damit gemeinsame Infrastruktur-Lösungen für E-Lkw-Kunden innerhalb des Netzwerks voran. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt aktuell noch auf den USA und Europa. Japan folgt als nächster Markt. Erste Workshops finden seit einiger Zeit statt. Auch erste gemeinsame Pilotprojekte zur Errichtung von Ladeinfrastruktur in Lkw-Depots sind bereits umgesetzt oder in Vorbereitung.

Die Initiative trägt den Namen „eTruck Charging Initiative“ und ist Teil der ganzheitlichen Herangehensweise der E-Mobility Group, um Lkw-Kunden den optimalen Einstieg in die E-Mobilität zu ermöglichen. Der enge Austausch der Hauptakteure soll auch bislang langwierige und komplexe Planungs- und Beantragungsprozesse in Sachen Netzanbindung beschleunigen. Darüber hinaus befassen sich die Beteiligten auch mit Aspekten wie einem optimierten Lastmanagement des Stromnetzes sowie der nachhaltigen Versorgung mit Elektrizität.

„Wir übernehmen eine aktive Rolle, um den Wandel hin zum batterieelektrischen Straßengüterverkehr weiter voranzutreiben – auch über unsere E-Lkw und Beratungsangebote hinaus. Dazu stellen wir jetzt gemeinsam mit allen Beteiligten die Weichen für den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur.“ — Gesa Reimelt, Leiterin E-Mobility Group Daimler Trucks & Buses

„Durch unseren intensiven Dialog mit Kunden bauen wir eine umfassende Expertise rund um die Strombedarfe und Infrastruktur-Anforderungen von Flotten auf. Im ersten Schritt bringen wir dabei in Erfahrung, welche Stromversorgung im Depot eines Kunden vorhanden ist und welche Betriebsabläufe Einfluss auf das elektrische Laden haben. Mit unserer neu gestarteten ‚eTruck Charging Initiative‘ übersetzen wir diese Erkenntnisse nun gemeinsam in passende Angebote. Dazu gehören beispielsweise die Unterstützung von Lkw-Kunden bei der Auswahl des Energieversorgers und des Ladesäulen-Anbieters sowie die Zurverfügungstellung der passenden Ladesoftware“, so Reimelt weiter.

Schnellere Prozesse für niedrigere Kosten

Je früher und konkreter die Energieversorger und Netzbetreiber wissen, welche Anforderungen Kunden an die Infrastruktur stellen, desto schneller und effizienter können sie diese aufbauen. Zu den Maßnahmen der Initiative zählt daher die Entwicklung von Standard-Konzepten, die gängige Ladeprofile abdecken. Unterschiedliche Energieversorger können sich dieser Konzepte bedienen, was deren Planungszeit deutlich reduziert. Bislang werden Infrastrukturprojekte meist als Einzelfälle behandelt.

Zusätzlich beschleunigen vereinheitlichte und optimierte Formulare der Netzbetreiber die Genehmigungsverfahren. Schnelle Prozesse bedeuten für alle Beteiligten reduzierte Kosten. Weitere Ansätze wie die bestmögliche Ausgestaltung der Schnittstellen zwischen Ladeinfrastruktur, Fahrzeug und Netz sowie die Steuerungsmöglichkeiten der Netzlast und damit die Sicherstellung der – möglichst nachhaltigen – Stromversorgung werden ebenfalls innerhalb der Initiative thematisiert. Auch in ländlichen Regionen und bei hohem Strombedarf gilt es, Ladesicherheit zu gewährleisten, was ein weiteres Themenfeld der Initiative ist.

Depot-Laden bietet Kostenvorteile für Logistiker

„Das Depot-Laden auf den Betriebshöfen der Lkw-Kunden stellt aus unserer Sicht den ersten und wichtigsten Schritt für den Einstieg in die E-Mobilität dar“, so Reimelt weiter. „Damit können die derzeitigen Anwendungsfelder für Elektro-Lkw rund um den urbanen Verteilerverkehr bereits abgedeckt werden und die Infrastruktur kann ideal auf die Abläufe des Logistikers angepasst werden, was die geringsten Ladekosten ermöglicht.“ Je nach Nutzung der Lkw biete sich zusätzlich das Gelegenheitsladen zum Vergrößern der Reichweite an, beispielsweise bei der Ab- oder Beladestelle, an der der Elektro-Lkw ohnehin einen Halt einlegt. „In Zukunft wird auch das Laden an öffentlich zugänglichen Stationen entlang zentraler Verkehrsachsen eine wichtige Säule darstellen – eine flächendeckende Ladeinfrastruktur maximiert den Aktionsradius batterieelektrischer Lkw.“

Beim Depot-Laden ist die Infrastruktur individuell auf die Bedarfe und Abläufe des jeweiligen Logistikers zugeschnitten. Die Nutzung eigener Infrastruktur bietet in der Regel Vorteile hinsichtlich der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO), da kein zusätzlicher Betreiber involviert ist. Auch eine aufwändige Abrechnung und Authentifizierung von berechtigten Fahrzeugen ist nicht notwendig und eine Möglichkeit zu laden kann stets sichergestellt werden. Die Lade-Abläufe unterliegen den Vorgaben des Unternehmens, die Energiekosten sind im Voraus kalkulierbar.

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Das Depot-Laden eignet sich unter anderem für Anwendungsfälle mit Elektro-Lkw im urbanen Raum, die auf planbaren Routen unterwegs sind und die über Nacht oder während regelmäßiger Standzeiten geladen werden können. Der Betriebsablauf wird somit in den meisten Fällen kaum oder gar nicht verändert. Batterieelektrische Antriebe weisen den höchsten Wirkungsgrad unter den alternativen Antrieben auf, was sich gerade in diesem Einsatz-Szenario aufgrund niedrigster Energiekosten anbietet. Der Aufbau weiterer Lademöglichkeiten durch das Gelegenheitsladen sowie öffentlich zugängliche Ladestationen erschließen Logistikern sukzessive weitere Anwendungsfälle mit größeren Aktionsradien.

Beratungsansatz der E-Mobility Group

Das im vergangenen Jahr von der E-Mobility Group lancierte Ökosystem für den einfachen Einstieg in die E-Mobilität besteht aus drei Bereichen: Gemeinsam mit dem Kunden wird zunächst die zentrale Frage geklärt, für welche Einsatzprofile und Routen E-Lkw schon heute geeignet sind. Hierfür rollt die E-Mobility Group die kostenlose „eTruck Ready“-App aus, die anhand bestehender Fahrstrecken ein realistisches und aussagekräftiges Nutzungsprofil von elektrischen Lkw für Kunden ermittelt.

Die Ladevorgänge bei elektrischen Flottenfahrzeugen sind ein weiterer zentraler Faktor, der in den Betriebsablauf integriert werden muss. Daher liegt ein weiterer Schwerpunkt der Beratung auf der Analyse der Betriebshöfe und der entsprechenden Konzeption der geeigneten Infrastruktur samt intelligenter Ladelösungen. Der dritte Bereich befasst sich mit der Optimierung der Gesamtbetriebskosten (TCO). Dabei erörtern die Experten der E-Mobility Group unter anderem die Möglichkeiten einer öffentlichen Förderung der Infrastruktur.

Quelle: Daimler — Pressemitteilung vom 18.02.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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