Anfang März war ich zu Gast im Stellantis Headquarter in Rüsselsheim. Dort habe ich mit Luigi Saia, Brand Director Jeep Germany, über ein Jahr gesprochen, das für die Marke vieles verändert hat: 2025 war kein gewöhnliches Jahr – es war ein Umbruchsjahr. Bevor wir ins Gespräch eingestiegen sind, bin ich selbst noch einmal den neuen Jeep Compass gefahren, um ein Gefühl für das Auto zu bekommen. Meine Eindrücke decken sich weitgehend mit denen aus den Stellantis-Adventsfahrten – daher verlinke ich an dieser Stelle einfach auf das entsprechende Review.
Im Gespräch wurde schnell klar: 2025 war für Jeep in Deutschland weniger ein reines Elektro-Jahr, sondern vor allem ein Übergangsjahr. Der bisherige Compass lief aus, die neue Generation kam mit Verzögerung. Dazwischen entstand eine Lücke über die Sommermonate. „Wir hatten ein großes Loch über die ganzen Sommermonate hinweg“, sagt Saia offen. Umso wichtiger war es, das Händlernetz zu stabilisieren. Und das ist gelungen: Die Händler steigerten ihr Volumen um 16 Prozent, bewusst verzichtete man auf zusätzliche Vermietergeschäfte. Ein bemerkenswerter Schritt in einem herausfordernden Umfeld.
Beim Blick auf die Elektromobilität zeigt sich ein differenziertes Bild. 71,7 Prozent der Jeep-Neuzulassungen 2025 hatten einen alternativen Antrieb, doch der reine Elektro-Anteil lag bei lediglich 3,8 Prozent – deutlich unter dem deutschen Durchschnitt. Der Grund? Ein bewusster Fokus. „Wir waren beim Avenger BEV nicht so aggressiv, wie es der Markt vielleicht erfordert hätte. Wir wollten das nicht um jeden Preis tun“, erklärt Saia.
Neuer Jeep Compass als zentraler Hebel für Elektro-Wachstum in 2026
Zentraler Hebel für 2026 ist der neue Jeep Compass auf STLA-Medium-Plattform. Für Jeep ist er Volumenmodell und strategisches Rückgrat im wichtigen C-SUV-Segment. Besonders spannend: Jeep hält sich beim Antriebsmix bewusst flexibel. Mildhybrid, Plug-in-Hybrid und reines Elektroauto – alles ist möglich, abhängig von der Nachfrage. Bis Mai will man erkennen, wohin die Reise geht. Produktion und Mix lassen sich noch anpassen. „Wir stellen den Kunden in den Mittelpunkt – wir können alles, der Kunde soll entscheiden.“
Das Ziel ist klar formuliert: Jeep Deutschland will wieder auf einen Elektro-Anteil von 15 bis 20 Prozent kommen. Im Februar lag der Auftragseingang bereits bei 25 Prozent rein elektrisch – noch ohne die kommende Elektro-4×4-Variante des Compass. Das zeigt, dass Bewegung im Markt ist.
Gleichzeitig wird das Portfolio in Europa neu sortiert. Wrangler und Grand Cherokee sind nicht mehr bestellbar – vor allem aufgrund regulatorischer Anforderungen in der EU. Wirtschaftlichkeit und Homologationsvorgaben setzen Grenzen. Doch Jeep bleibt seiner DNA treu. Mit dem rein elektrischen Wagoneer S und dem kommenden Recon – einer Art elektrischer Wrangler-Interpretation – will die Marke ihr Offroad-Image auch in der Elektrowelt schärfen. „Der Recon ist vielleicht der kleine Bruder des Wrangler – aber so klein ist er gar nicht“, sagt Saia mit einem Lächeln.
Spannend ist auch der Blick auf die Zielgruppen. Rund 60 Prozent der Kunden sind aktuell privat, 40 Prozent gewerblich. Mit dem neuen Compass könnte sich das wieder in Richtung 50/50 verschieben. Gerade im Flottenbereich sieht Jeep Potenzial – auch für Stromer. Entscheidend sind Leasingraten, Restwerte und Förderlogiken.
Die Produktion in Melfi spielt dabei eine Schlüsselrolle. Theoretisch kann das Werk vollständig auf Elektro umstellen. Praktisch entscheidet die Nachfrage – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Italien bleibt der wichtigste Markt für Jeep in Europa, Deutschland ist die Nummer zwei. Diese Position will man halten und ausbauen.
Für 2026 hat sich Jeep Deutschland konkrete Ziele gesetzt: Den Marktanteil wieder auf 0,5 Prozent steigern und den Elektro-Anteil nachhaltig im Bereich zwischen 15 und 25 Prozent etablieren. Mit Long-Range-Varianten und elektrischen Allradmodellen soll die Quote weiter wachsen. Unterm Strich nehme ich aus dem Gespräch mit: Jeep steht nicht für einen radikalen Elektro-Schwenk um jeden Preis, sondern für einen kontrollierten Transformationsprozess. Flexibel in der Produktion, markentreu im Design, offen beim Antrieb – aber mit klar definierten Zielmarken. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.
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