Wer künftig einen Ford, Mitsubishi oder Nissan aus Renault-Produktion kauft, soll darin deutlich weniger Renault wiederfinden als bisher. Konzernchef François Provost hat die Regeln für die Fertigung im Auftrag anderer Hersteller geändert. Künftige Partnermodelle sollen sich optisch klarer von den eigenen Autos abheben. Auf dem Pariser Autosalon erklärte er: „Wir haben nicht genug Differenzierung eingefordert.“ Damit rückt der Franzose von einem Modell ab, das noch sein Vorgänger Luca de Meo eingeführt hatte.
Hintergrund sind mehrere Kooperationen, bei denen Renault Autos unter fremdem Logo baut. Im Mittelpunkt steht die Plattform RGMP Small, auf der Renault 5, Renault 4 und Twingo basieren. Bereits heute läuft der vom Renault 5 abgeleitete Micra für Nissan vom Band. In Kürze soll der Nissan Pixo folgen, der technisch auf dem Twingo aufbaut. Zudem bestehen Vereinbarungen, kommende Modelle auch für Ford und Mitsubishi zu produzieren.
Gerade beim Micra fällt die Nähe zum Schwestermodell auf. Der Innenraum ist nahezu identisch. Außen unterscheiden sich die beiden Kleinwagen im Wesentlichen nur durch die Gestaltung der Front- und Heckleuchten. Hochrangige Quellen berichteten dem britischen Magazin Autocar, dass die wenigen Designanpassungen innerhalb des Konzerns für Unmut gesorgt hätten.
Hinzu kommt ein vertragliches Detail. Aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen erhalten Renault-Führungskräfte vorab keinen Einblick in jene Modelle, die das Unternehmen für Wettbewerber fertigt. Wie stark sich ein Partnermodell vom Original entfernt, zeigt sich für Renault also erst am fertigen Produkt. Angeboten wurden den Partnern bislang verschiedene Stufen der Differenzierung, bis hin zu eigens gestalteten Karosserieteilen. Je weiter solche Anpassungen gehen, desto höher fallen allerdings die Herstellungskosten aus.
Gleiche Plattform, aber bitte ein eigenes Gesicht
Als Beleg dafür, dass eine gemeinsame technische Basis nicht zwangsläufig zu verwechselbaren Autos führt, verweist Provost auf das eigene Portfolio. „Alles hängt an der Differenzierung. Schauen Sie sich den Dacia Spring an: Twingo und Spring sehen aus wie unterschiedliche Autos, aber die Plattform ist dieselbe.“ Zwei Marken aus dem eigenen Konzern, ein technisches Fundament und dennoch zwei eigenständige Erscheinungsbilder: Dieses Prinzip soll nun auch für Fremdmarken gelten.
Daraus leitet der Renault-Chef eine klare Linie ab. „Das ist eine Veränderung gegenüber meinem Vorgänger. Ich werde niemals Partnerschaften ohne ausreichende Differenzierung eingehen“, sagte Provost. Neben der optischen Abgrenzung verschiebt Renault zudem die Kriterien, nach denen künftige Partner ausgewählt werden. Kurzfristige Absprachen verlieren an Bedeutung, dauerhafte Bündnisse gewinnen an Gewicht. „Mir sind daher weniger Kooperationen mit Partnern lieber, die nur eine einmalige, taktische Zusammenarbeit suchen, und dafür mehr langfristige.“
Ford als erster Prüfstein der neuen Strategie
Beim US-Hersteller trifft Provost nach eigener Darstellung auf dieselbe Haltung. Ford-Chef Jim Farley habe deutlich gemacht, dass ein Auto aus einer Kooperation mit Renault ein Ford sein müsse. Wie das Ergebnis konkret aussieht, weiß allerdings auch Provost noch nicht. Die Vertraulichkeitsregeln greifen hier ebenso wie bei Nissan. „Wir werden das gemeinsam entdecken, denn ich darf das Design des Ford rechtlich nicht einsehen“, erklärte er in Paris.
Für die kommenden Projekte gibt der Konzernchef dennoch ein eindeutiges Versprechen ab. „Sie werden sehen, dass es künftig jedes Mal genug Differenzierung gibt“, kündigte Provost an. Neben Ford gehört auch Mitsubishi zu den Herstellern, mit denen Renault bereits Vereinbarungen über künftige Modelle getroffen hat.
Quelle: Autocar.co.uk – Renault CEO: Rival firms using our platform must make their cars look different








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