Großer Akku kann jeder: 17-Stunden-Rennen im E-Twingo

Großer Akku kann jeder: 17-Stunden-Rennen im E-Twingo
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Tasja Fröhnel / BNM e.V.

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Zweimal im Jahr findet auf dem Hockenheimring die ADAC e-competition statt. Im Februar versuchen die teilnehmenden Elektro-Serienautos 24 Stunden lang, möglichst viele Runden zu absolvieren, im Oktober sind es 17 Stunden. Die Begrenzung der Ladeleistung auf 19 kW am DC-Ladegerät, das zudem mit einem anderen Team geteilt werden muss, gibt die strategische Richtung vor: Es geht darum, mit möglichst wenig Energie möglichst gut voranzukommen.

Wer mit einem großen Akku an den Start geht, hat dabei zunächst den Vorteil, deutlich länger auf der Strecke bleiben zu können. Wenn das Fahrzeug dann auch noch sparsam ist, steht einer Top-Platzierung wenig im Wege. In schöner Regelmäßigkeit gewinnen daher schnittige E-Limousinen mit möglichst großem Akku – wie der Lucid Air oder das Tesla Model 3. Dass in diesem Umfeld aber auch ein E-Kleinstwagen mit vergleichsweise winzigem Akku sehr gut abschneiden kann, wollte in diesem Jahr das Team des Bundesverbands Neue Mobilität (BNM) im neuen elektrischen Renault Twingo beweisen.

Unser Autor, der den Verband bei der Pressearbeit unterstützt, durfte ebenfalls einen zweistündigen Stint fahren und aufgrund seiner Erfahrungen aus den Teilnahmen der vergangenen Jahre die anderen vier Personen am Steuer – die geschäftsführenden Vorstände Anja Quast und Wolfgang Huber sowie die BNM-Mitglieder Peter Schrey und Ralph Porschke – bei der strategischen Planung unterstützen.

Knapp 13 kWh Verbrauch auf 100 Kilometern

Was auf der Strecke auffiel: Der Twingo lässt sich durchaus sportlich bewegen, liegt auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten und auf leicht nasser Fahrbahn sehr gut und stabil und vermittelt selbst bei mutiger Fahrweise ein sicheres Gefühl. Neben der Strecke glänzte der kleine grüne Flitzer mit seinen optischen Reizen und sammelte viele Sympathiepunkte. Bestaunen konnten ihn Besucher und andere Teams dabei relativ häufig, denn mit seinem nur 27,5 kWh großen Akku musste das Elektroauto insgesamt fünfmal nachladen, während andere Teams mit einem einzigen Ladestopp auskamen.

Mit dem Gesamtsieg hatte der Twingo freilich nichts zu tun. Doch der offizielle Sieger – außer Konkurrenz erzielte die Effizienzstudie von VW auf Basis des ID. Polo die meisten Runden – schaffte mit 214 Runden gar nicht einmal so viel mehr Strecke als der kleine Franzose. Dieser absolvierte 183 Runden und legte somit in 17 Stunden mehr als 800 Kilometer auf dem Kurs zurück, obwohl er dabei etwa 5,5 Stunden lang nachlud. Möglich machte dies der sehr niedrige Verbrauch, der bei Höchstgeschwindigkeiten von kaum mehr als 90 km/h im Schnitt bei knapp 13 kWh/100 km lag. Je nach Tempo wurden Werte zwischen 11 und 15 kWh/100 km abgelesen.

David und Goliath arbeiten zusammen

Und es wären noch einige Runden mehr drin gewesen: Laut Planung wären unter optimalen Voraussetzungen sogar 200 Runden möglich gewesen, was diesmal für den fünften Platz gereicht hätte. Wobei andere Teams bei weniger Regen natürlich ebenfalls mehr Runden geschafft hätten. Einen Teil der möglichen Runden opferte das Team aber gerne, damit das Partnerteam UltraVOX in der gemeinsamen Ladeallianz mit nur einem Stopp auskam und möglichst weit vorne landen konnte. Am Ende wurde es Rang zwei hinter den Seriensiegern von Rote Jacken Racing im Tesla Model 3.

„David UND Goliath“ an einem Ladepunkt – so bezeichnete Christian Clerici vom Team UltraVOX diese herausfordernde Zusammenstellung treffend. Am Ende ging die Rechnung für beide Fahrzeuge ordentlich auf.

Bleibt die Erkenntnis, dass ein solches Effizienz-Langstreckenrennen auch mit kleinem Akku und in einem kleinen Elektroauto viel Spaß bereitet und spannende Herausforderungen mit sich bringt. So interessant ein BMW iX3 mit 108 kWh Akku für Vielfahrer sein mag: Für die allermeisten Menschen spielt sich die Mobilität in einem Rahmen ab, den ein Fahrzeug wie der Twingo wunderbar abdecken kann.

Es wäre schön, wenn bei kommenden Auflagen der e-competition wieder mehr solcher alltagsnahen Fahrzeuge teilnehmen würden. Ein tolles Teamevent ist die Veranstaltung aber unabhängig davon, ob man im Porsche, Transporter oder Kleinstwagen sitzt.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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