Der Hochlauf der Elektromobilität beschert Renault in Frankreich wachsende Stückzahlen. Im Jahr 2025 fertigte der Konzern 500.000 Autos im eigenen Land, für 2026 rechnet Vorstandschef François Provost mit einem Plus von mindestens 25 Prozent. Um diese Entwicklung abzusichern, will der Automobilhersteller in den kommenden fünf Jahren mehr als zehn Milliarden Euro in seinem Heimatmarkt investieren. Das Geld soll in Elektroautos sowie in erschwinglichere Modelle fließen, wie der 58-Jährige am Samstag im Gespräch mit dem Radiosender France Inter erklärte.
„Die Realität ist, dass wir heute in Frankreich, in den französischen Werken, mehr Fahrzeuge produzieren als zuvor“, sagte Provost. Den Grund dafür sieht er im wachsenden Absatz elektrischer Modelle. Damit hebt sich die Lage beim westlichen Nachbarn spürbar von der in Deutschland ab, wo die Autoindustrie derzeit in einer schweren Krise steckt.
Ein Blick auf die Zulassungszahlen erklärt den Rückenwind. Im September entfielen 42 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Frankreich auf Elektroautos, ein Anteil, der zuvor noch nie erreicht worden war. Befeuert wird die Nachfrage durch die deutlich gestiegenen Kraftstoffpreise seit Beginn des Iran-Krieges. Diese Verschiebung schlägt sich unmittelbar in den Produktionsplänen des Konzerns nieder.
Die geplanten Investitionen knüpfen an eine bereits laufende Transformation an. In den vergangenen fünf Jahren hat Renault nach Angaben von Provost 13 Milliarden Euro in Frankreich investiert, um seine industrielle Basis vollständig auf Elektromobilität auszurichten. Mit der nächsten Tranche soll dieser Kurs fortgesetzt werden, während zugleich der Preis neuer Autos stärker in den Fokus rückt. „Wir haben wirklich auf Frankreich gesetzt, und wir werden weiterhin auf Frankreich setzen“, betonte der Manager.
Politische Unsicherheit wirft Schatten auf die Pläne
Die Zusage ist allerdings an eine Bedingung geknüpft. Investiert werde nur, sofern das soziale und politische Umfeld dies zulasse, schränkte Provost ein. Hintergrund ist ein zunehmend unberechenbares politisches Klima, denn in sieben Monaten wählt Frankreich einen neuen Präsidenten, womit die zehnjährige Amtszeit von Emmanuel Macron endet. Jüngste Umfragen deuten darauf hin, dass die Wahl im April auf eine Stichwahl zwischen der als Favoritin geltenden Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen und dem Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon hinauslaufen könnte.
Für Renault hat diese Konstellation erhebliches Gewicht. Frankreich steht für 20 Prozent des Geschäfts und für 40 Prozent der Belegschaft des Konzerns. Entsprechend bezeichnete Provost die aktuellen Entwicklungen als besorgniserregend. „Jedes Szenario der Instabilität in Frankreich hätte große Auswirkungen auf Renault, auf unsere Beschäftigten und auf unsere Zulieferer, also ja, ich bin besorgt“, sagte er.
Zugleich verdeutlicht die Ankündigung, wie eng die Planung des Unternehmens mit der Lage am Heimatmarkt verknüpft ist. Die steigende Produktion an den heimischen Standorten stützt sich auf die hohe Nachfrage nach E-Autos, die angekündigten Milliarden wiederum auf verlässliche Rahmenbedingungen. Gerät eines dieser Elemente ins Wanken, betrifft das nach Darstellung des Konzernchefs nicht allein den Hersteller selbst, sondern ebenso Mitarbeitende und Zulieferbetriebe.
Quelle: Manager-Magazin – Renault will in Frankreich mehr als zehn Milliarden Euro investieren / Automotive News Europe – Renault to invest $11 billion in France in EVs, affordable cars, CEO says









Wird geladen...