Statt SUV: Renault zeigt den E-Space als Familien-Van

Statt SUV: Renault zeigt den E-Space als Familien-Van
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 6 min

Renault stellt auf dem Pariser Autosalon 2026 mit dem E-Space Concept einen vollelektrischen Großraumvan vor, der sich bewusst als Alternative zu SUVs und Limousinen positioniert. Folgenlos für die Serie bleibt die Studie dabei nicht: Das neue Panorama-Display aus dem Cockpit soll unter dem Namen OpenR Panorama in künftige Renault-Modelle der höheren Klassen einziehen, beginnend mit der nächsten Generation von Rafale und Scenic. Damit liefert das Konzept einen konkreten Ausblick darauf, wie Fahrer:innen dieser Baureihen künftig mit ihrem Auto interagieren werden.

Inhaltlich knüpft die Studie an den ersten Espace von 1984 an, mit dem Renault damals das Segment der Großraumvans begründete. Statt der heute verbreiteten SUV-Optik setzt der E-Space auf viel Platz, natürliches Licht und einen modularen Innenraum, der auf gemeinsame Zeit mit der Familie ausgelegt ist. Renault fasst diese Idee unter dem Begriff „voitures à vivre“ zusammen, also Autos zum Leben. Hinter dem Begriff stehen vier Grundprinzipien: Die Autos sollen sich am Menschen orientieren, Emotionen wecken, nützliche Technologien bieten und auf Elektrifizierung basieren.

Fabrice Cambolive, CEO der Marke Renault und Chief Growth Officer der Renault Group, sieht in der Studie eine Brücke zwischen Erbe und Zukunft. Als Renault 1984 den Espace entwickelte, habe das Unternehmen „eine neue Art, Autos zu gestalten“ erfunden, „indem es den Menschen und sein Leben in den Mittelpunkt stellte“. An diesen Pioniergeist knüpfe man nun für das Elektrozeitalter an. Die Designstudie hebe die Philosophie der „voitures à vivre“ auf ein neues Niveau, als „vielseitiges, großzügiges und vollelektrisches Fahrzeug„.

Konkrete Angaben zu Batteriekapazität, Leistung oder Reichweite macht Renault zur Studie nicht. Der Fokus liegt auf Raumkonzept, Design und Bedienung. Auf eine Länge von 4,70 Metern kommen eine Breite von 2,02 Metern und eine Höhe von 1,67 Metern. Höhe sowie das Verhältnis von Länge zu Breite orientieren sich am ersten Espace, kurze Überhänge und 23-Zoll-Räder, die in die vier Ecken gerückt sind, geben den Proportionen eine moderne Note.

Sechs Drehsitze verwandeln den Innenraum in eine Lounge

Den Zugang zum Innenraum öffnen hinten angeschlagene Türen ohne Mittelsäule. Auf dem vollkommen ebenen Boden stehen sechs Einzelsitze, die in Größe und Design identisch sind und sich um ihre eigene Achse drehen lassen. Gestalterisch erinnern sie mit ihren lackierten Schalen eher an Möbel im Stil von Pierre Paulin als an klassische Autositze. Im oberen Bereich besonders schlank, greifen sie zugleich die Sitzform des Originals auf.

Je nach Reihe unterscheiden sich die Funktionen. Die beiden Plätze der zweiten Reihe lassen sich um 180 Grad drehen und bilden mit der dritten Reihe eine Vierergruppe, die Renault als „TGV-Sitzplatz-Vierer“ bezeichnet. Wer dort in Fahrtrichtung sitzt, hat Zugriff auf Klapptische mit 12,3-Zoll-Bildschirmen an den Rückenlehnen der Vordersitze. Klappt man die mittleren Sitze vollständig um, entsteht ein großer Tisch für die Passagier:innen der hintersten Reihe, die dann ebenfalls auf die Bildschirme blicken können.

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Ergänzend lässt sich der Tisch mit einer ferngesteuerten Konsole bestücken, die entlang der Mittelachse des Innenraums verschiebbar ist. Darin finden ein Luftreiniger, ein kleiner Kühlschrank, Controller für Videospiele und ein „Vier gewinnt“-Spiel Platz. Armlehnen in den Türen entfallen, weil die Gürtellinie so niedrig ausfällt, dass die Ellbogen direkt auf der Fensterkante liegen. Die Türgriffe sind schlicht gehalten und mit gestepptem Stoff bezogen.

Stéphane Maiore, bei Renault für das Interieur-Design verantwortlich, beschreibt die Sitze als „eher von Einrichtungsgegenständen als von Autos inspiriert“. Sie ließen sich drehen, „um den Einstieg zu erleichtern oder eine gemütliche Sitzecke zu schaffen“. Angestrebt sei ein Ambiente, „das sowohl futuristisch als auch einladend ist und einen Hauch von Nostalgie versprüht“.

Das Panorama-Display schafft den Sprung in die Serie

Im Cockpit spannt sich ein gebogener Bildschirm im Format 1130 x 110 Millimeter über die gesamte Breite des Innenraums. Das OpenR Panorama genannte Display ersetzt praktisch die herkömmliche Armaturentafel, ist aber bewusst nicht als Touchscreen ausgelegt. Positioniert ist es möglichst nah an der Fahrbahn, was laut Renault Ergonomie und Sicherheit verbessert. Auf der Beifahrerseite wirkt es, als schwebe es im Raum, und schafft so zusätzlichen Platz in der ersten Reihe.

Bedient wird das System über zwei flexible Touch-Bildschirme, die sich um einen röhrenförmigen Sockel drehen, auf dem auch das Lenkrad sitzt. Die angezeigte Informationsmenge lässt sich je nach Bedarf maximieren oder minimieren. Unterhalb der Armaturentafel ist die Stirnwand als geschwungene Ablageeinheit quer durch den Innenraum gestaltet, die verschiebbare Mittelkonsole und Pedale integriert, deren Mechanik vollständig verborgen bleibt.

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Das kompakte Lenkrad nutzt Steer-by-Wire-Technik und kommt ohne mechanische Verbindung aus, sodass Fahrer:innen den Lenkradwinkel individuell anpassen können. „Mithilfe der Steer-by-Wire-Technologie ist es uns gelungen, ein Lenkrad zu entwickeln, das frei von allen physikalischen Einschränkungen ist, die üblicherweise mit dem Lenken verbunden sind“, erklärt Maiore. Zudem trägt das Lenkrad mit fester Nabe berührungsempfindliche Bedienelemente für den Multimedia-Bildschirm, die zylindrische Querstange greift die Form der Armaturentafel auf.

Optisch setzt der Innenraum zugleich auf Farbe und greift die Pop-Interieurs auf, für die Renault in den 1970er-Jahren bekannt war. Armaturenbrett und Stoffverkleidungen zeigen Rottöne von Scharlachrot über Violett bis Granatrot, der drei Zentimeter dicke Teppich wird von einem korallenfarbenen Zentrum nach außen hin dunkler. Bedienelemente bestehen überwiegend aus Metall, ihre Oberflächen sollen eher an Schmuck als an Technik erinnern. Eine Lichtlinie entlang der Unterseite des Innenraums, Nachtlichter in den Lautsprechern und Leseleuchten an einer Schiene im Glasdach ergänzen die Ambientebeleuchtung.

Viel Glas, viel Licht und ein Hauch Bauhaus

Auch beim Exterieur stand der Mensch am Anfang: Das Designteam gestaltete zunächst den Innenraum als Lebensraum und umhüllte ihn erst danach. Ausgangspunkt war eine vollständig verglaste Fahrgastzelle, inspiriert von der Bauhaus-Architektur und insbesondere vom Farnsworth House, das Ludwig Mies van der Rohe 1951 in Plano, Illinois, realisierte. Glasdach und Seitenfenster reichen bis unter die niedrige Gürtellinie, die Karosserieteile sitzen ohne klare Grenze zwischen Glas und Metall an dieser Kabine. Selbst die C-Säule scheint zu schweben.

Romain Gauvin, Leiter Advanced Design und Concept Cars der Marke, verweist auf den praktischen Effekt: „Die Gürtellinie ist so niedrig, dass man ganz einfach in den Innenraum hineinsehen kann, wenn man neben dem Auto steht.“ Die Windschutzscheibe verlängert die Motorhaube und zitiert damit das sogenannte TGV-Profil des ersten Espace. Ein absenkbarer Splitter im Stoßfänger soll die Aerodynamik bei hohen Geschwindigkeiten optimieren, während der obere Heckspoiler an Espace 2 und 3 erinnert. Ein schwarzes „Skateboard“ im unteren Bereich deutet Batterie und aerodynamische Elemente an, ähnlich den Seitenkästen eines Formel-1-Wagens, und lässt die Seitenansicht weniger massig wirken.

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Designchef Alexandre Malval beschreibt die Formensprache als „von allem befreit, was das Auge ablenken könnte“. Neu ist eine Lichtsignatur, bei der eine breite U-förmige Leiste den gesamten Frontgrill umschließt, während in der Mitte ein beleuchtetes Logo wie in Pixeln aufgehängt wirkt. Im SUV-dominierten Umfeld zeige der E-Space, so Malval, „dass die Marke alles hat, um sich mit Intelligenz und Anziehungskraft zu profilieren“.

Weniger sichtbar, aber ebenso Teil des Konzepts ist die Materialwahl. Die Studie geht über Renaults Ziel hinaus, in der gesamten Modellpalette 30 Prozent recycelte Rohstoffe einzusetzen, und versteht sich als Versuchsfeld für biobasierte Werkstoffe. Statt Leder und Holz kommen gefärbtes Stroh für Verkleidungen und Tischeinlagen sowie ein hochfloriger Tufting-Teppich aus 100 Prozent Wolle zum Einsatz, der Innenraumlack enthält 18 Prozent biobasiertes Harz. Bezogen ist das Lenkrad teils mit Kunststoff, teils mit einem Material aus 26 Prozent Rizinusöl und 25 Prozent Bio-Baumwolle, das bereits in den meisten Renault-Modellen verwendet wird. Die Michelin-Reifen enthalten im Schnitt 19 Prozent Naturkautschuk aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen.

Quelle: Renault – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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