Tesla wird voraussichtlich schon im nächsten Monat die behördliche Genehmigung für den Einsatz seines vollautonomen Fahrsystems FSD („Full Self-Driving“) in Europa und China erhalten. Das kündigte Tesla-Chef Elon Musk am Donnerstag während seines Auftritts auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos an.
Angesichts rückläufiger Verkaufszahlen arbeitet der Elektroautobauer derzeit verstärkt daran, seine Software-Einnahmen zu steigern. Zwar deuten regulatorische Fortschritte bei FSD und die ersten Robotaxi-Einsätze in den USA laut einem Reuters-Bericht auf eine zunehmende Dynamik in Teslas KI-Ambitionen hin, allerdings befindet sich die Technologie noch in den Kinderschuhen.
„Wir hoffen, die Zulassung für überwachtes Full Self-Driving in Europa zu erhalten, hoffentlich im nächsten Monat, und dann vielleicht zu einem ähnlichen Zeitpunkt auch in China”, so Musk. Tesla hat die Zulassung für das System in Europa bereits beantragt. Strengere Sicherheitsvorschriften und ein fragmentiertes regulatorisches Umfeld haben die Einführung im Vergleich zu den USA jedoch stark verlangsamt.
Die niederländische Fahrzeugbehörde RDW erklärte im November, dass sie voraussichtlich im Februar über eine FSD-Zulassung entscheiden werde. Tesla hatte vor diesem Hintergrund verlauten lassen, dass nach Erhalt der Zulassung in den Niederlanden auch andere EU-Länder die Ausnahmeregelung anerkennen und eine Einführung noch vor der formellen EU-Zulassung genehmigen könnten.
In China bleiben FSD-ähnliche, autonome Funktionen bislang auf wenige Fahrzeuge beschränkt, nachdem Tesla im März vergangenen Jahres die Auslieferung von Software-Updates unter Verweis auf die Notwendigkeit zusätzlicher behördlicher Genehmigungen einstellen musste. Im Februar hatte Tesla ein lang erwartetes Update für seine Autonom-Software in China veröffentlicht. Einige Besitzer äußerten jedoch ihre Enttäuschung darüber, dass das System, für das sie umgerechnet knapp 8000 Euro bezahlt hatten, mit Betriebsbeschränkungen verbunden war.
Tesla hat weiterhin mit technischen und rechtlichen Herausforderungen zu kämpfen
Streng genommen wird FSD nicht als vollautonomes Fahrsystem eingestuft, sondern fortschrittliches Fahrerassistenzsystem, das vom Fahrer weiterhin überwacht werden muss. Tesla-Fahrer mit aktiviertem FSD müssen jederzeit in der Lage sein, in bestimmten Situationen wieder die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Aufsichtsbehörden verschiedener Länder haben die Technologie aufgrund von Sicherheits- und Datenschutzbedenken genau unter die Lupe genommen. Auch in den USA sieht Tesla sich mit Ermittlungen der Verkehrssicherheitsbehörde konfrontiert, nachdem es zu mehreren Unfällen gekommen war, an denen Fahrzeuge mit aktiviertem FSD oder Autopilot beteiligt waren.
Musk erklärte in Davor indes, dass Tesla in der texanischen Stadt Austin bereits mit Robotaxi-Fahrten ohne Sicherheitsüberwachung begonnen habe. Der Dienst war im vergangenen Juni in Austin gestartet, bislang fuhren die Robotaxis jedoch mit einem Tesla-Mitarbeitenden auf dem Beifahrersitz, der das Verhalten des Autos überwachte. Nach Musks Ankündigung zu den fahrerlosen Robotaxis kletterten die Tesla-Aktien am Donnerstag um 4,2 Prozent. Auch in Kalifornien betreibt Tesla einen Robotaxi-Dienst, für den Test und den Einsatz seiner Robotaxis in Texas, Arizona und Nevada hat der E-Autobauer bereits entsprechende Genehmigungen erhalten.
Zwar konnte Tesla inzwischen offenbar Fortschritte bei der FSD-Entwicklung erzielen, da Sicherheitsfahrer nun nicht mehr zwingend erforderlich scheinen. Dennoch hinkt das Unternehmen im Bereich Robotaxis weit hinter Musks gesteckten Zielen zurück: Geht es nach dem Tesla-Chef, sollten die Robotaxis bereits in mehreren großen US-Städten eigenständig unterwegs sein. Die Verspätung unterstreicht die regulatorischen und sicherheitstechnischen Hürden, mit denen Tesla konfrontiert ist. Sie könnte aber auch darauf hindeuten, dass Musks Entscheidung, die Autonom-Funktionen ausschließlich über kamerabasierte Umgebungserkennung umzusetzen – statt unter Zuhilfenahme von Lidar –, ein Fehler war.
Teslas Zulassungen gingen im vergangenen Jahr in Kalifornien um 11,4 Prozent zurück. Laut einem Bericht der California New Car Dealers Association sank der Marktanteil des Herstellers an den Neuwagen auf unter 10 Prozent. In vielen europäischen Ländern gingen Teslas Verkäufe im vergangenen Jahr noch stärker zurück, in Deutschland etwa um rund 48 Prozent. Insgesamt ging der Absatz in der EU insgesamt um knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Somit war 2025 das zweite Jahr in Folge, in dem Tesla insgesamt einen Rückgang der Fahrzeugauslieferungen verbuchen musste. Zudem musste das Unternehmen seinen Titel als größter E-Autobauer der Welt an den chinesischen Hersteller BYD abgeben.
Musk: Roboter werden Menschen zahlenmäßig übertreffen
Musk hatte in der Vergangenheit wiederholt erklärt, dass ein Großteil der für autonome Fahrzeuge entwickelten KI auch die Grundlage für Teslas geplanten humanoiden Roboter Optimus bilden wird. Musk erklärte bei seiner Rede in Davos, dass er davon ausgeht, dass Roboter die Menschen zahlenmäßig übertreffen werden. Musk zufolge geht Tesla aktuell davon aus, seine Optimus-Roboter bis Ende kommenden Jahres auf den Markt zu bringen – deutlich später als zuvor angekündigt. Teilfunktionale Optimus-Prototypen waren 2022 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden. Mitte 2024 erklärte der Tesla-Chef, dass Optimus 2025 in limitierter Stückzahl in Produktion gehen würde, wobei über 1000 Einheiten in Tesla-Werken zum Einsatz kommen sollten. Für 2026 kündigte Musk den Produktionsstart für den Einsatz in anderen Unternehmen an.
Branchenexperten zufolge ist es technisch überaus komplex, die Produktion und den Einsatz humanoider Roboter in der realen Welt zu skalieren, unter anderem aufgrund fehlender Daten, die benötigt werden, um die KI-Modelle zu trainieren, die letztlich das Verhalten der Roboter steuern. „Was [der Markt] für Optimus braucht, sind glaubwürdige Belege für eine skalierbare Fertigung, einen regulatorischen Fahrplan und wenn möglich die Wirtschaftlichkeit der Einheiten“, so Ken Mahoney, CEO des Tesla-Aktionärs Mahoney Asset Management.
Quelle: Reuters – Musk expects Europe, China to approve Tesla’s Full Self-Driving system soon







Wird geladen...