Teslas FSD-System steht erneut unter Beobachtung

Teslas FSD-System steht erneut unter Beobachtung
Copyright:

DELBO ANDREA / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Teslas Vision vom autonomen Fahren steht erneut im Fokus der US-Verkehrsbehörde NHTSA. Die Aufsicht hat eine neue Untersuchung zum Full Self Driving-System, kurz FSD, eingeleitet. Dabei handelt es sich um eine erweiterte Version des bekannten Autopilot-Assistenzsystems. Ziel von Tesla ist es, seine E-Autos langfristig vollständig selbstständig fahren zu lassen. Doch noch ist menschliche Kontrolle vorgeschrieben – und einige Zwischenfälle zeigen, dass sie notwendig bleibt.

Die NHTSA prüft nun 58 Unfälle, die sich im Zusammenhang mit der Nutzung des FSD-Modus ereignet haben sollen. In 23 Fällen wurden Menschen verletzt, Todesopfer gab es bislang keine. Nach Angaben der NHTSA habe die Software in mehreren Situationen das Auto auf die Gegenfahrbahn gelenkt oder rote Ampeln ignoriert. Besonders im Bundesstaat Maryland kam es zu mehreren Kollisionen an derselben Kreuzung. Nun soll die Untersuchung klären, ob die Sicherheitsfunktionen der Software ausreichend sind und wie zuverlässig das System Verkehrszeichen sowie Fahrbahnmarkierungen erkennt.

Tesla hat sein FSD-Programm in den USA bereits vor einigen Jahren gestartet und erlaubt ausgewählten Fahrern, die Software auf öffentlichen Straßen zu testen. Anfangs veröffentlichten viele dieser Nutzer Videos, in denen zu sehen war, wie das System unerwartete oder gefährliche Manöver ausführte. Nur durch schnelles Eingreifen der Fahrer konnten Unfälle verhindert werden. Tesla-Chef Elon Musk erklärte mehrfach, dass die Software dank regelmäßiger Updates erhebliche Fortschritte gemacht habe. „Jede neue Version verbessert die Fähigkeit des Systems, komplexe Verkehrssituationen zu meistern“, sagte Musk im vergangenen Jahr.

Gleichzeitig betont der Hersteller, dass die Funktion trotz ihres Namens kein vollständig autonomes Fahren ermögliche. In den Nutzungsbedingungen weist Tesla ausdrücklich darauf hin, dass der Mensch hinter dem Steuer die volle Verantwortung trägt. Jedoch zeigen Aufnahmen aus sozialen Netzwerken, dass einige Fahrer den Begriff Full Self Driving offenbar missverstehen und die Hände vom Lenkrad nehmen.

Die Untersuchung der NHTSA reiht sich in eine Serie von Prüfungen zu Teslas Fahrassistenzsystemen ein. Schon seit Jahren befasst sich die Behörde mit Vorfällen rund um den herkömmlichen Autopilot – davon mehr als 50 mit tödlichem Ausgang –, der Spurhalte-, Abstands- und Tempofunktionen kombiniert. Bei der erweiterten FSD-Version geht es nun um die Frage, wie sicher die Software arbeitet, wenn sie komplexere Aufgaben wie Abbiegen, Spurwechsel oder das Befahren von Kreuzungen übernimmt.

Elon Musk sieht in der Technologie einen entscheidenden Schritt in Teslas Zukunftsstrategie. Während die Verkaufszahlen zuletzt stagnierten, will der Konzern mit autonomen Mobilitätsdiensten neue Geschäftsfelder erschließen. In Austin, Texas, setzt Tesla bereits einige E-Autos im Testbetrieb als Robotaxis ein. Zwar befördern sie Fahrgäste ohne Fahrer am Steuer, doch sitzt weiterhin ein Sicherheitsbeobachter auf dem Beifahrersitz. Auch diese Tests sind von der NHTSA registriert worden, nachdem Fahrzeuge beim Überfahren von roten Ampeln gefilmt wurden.

Die US-Behörde steht damit vor einer schwierigen Abwägung. Einerseits gilt Teslas Ansatz als zentral für die Weiterentwicklung automatisierter Mobilität, andererseits wirft die aktuelle Fallzahl Fragen zur Zuverlässigkeit und Regulierung solcher Systeme auf. Experten weisen darauf hin, dass die Software aus sicherheitstechnischer Sicht noch nicht die Reife für den uneingeschränkten Einsatz erreicht habe. „Die Systeme sind lernfähig, aber sie agieren nicht fehlerfrei“, erklärt ein Branchenanalyst. „Jeder Zwischenfall zeigt, dass Überwachung durch den Menschen weiterhin notwendig bleibt.“

Quelle: FAZ – Neue Ermittlungen zu Teslas Autopilot-Software

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Tesla eröffnet ersten öffentlichen Megacharger in den USA

Tesla eröffnet ersten öffentlichen Megacharger in den USA

Tobias Stahl  —  

Tesla hat in Kalifornien seine erste öffentliche Megacharger-Ladesäule für E-Lkw eröffnet. Der Ladepunkt erreicht allerdings noch nicht die anvisierte Leistung.

IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss

IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss

Sebastian Henßler  —  

Bei der Betriebsratswahl im Tesla-Werk Grünheide setzt sich Giga United durch. Die IG Metall verliert deutlich an Einfluss – und spricht von unfairen Methoden.

Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt

Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt

Sebastian Henßler  —  

149.000 oder über 200.000 E-Autos? In Grünheide entbrennt ein Streit um Produktionszahlen, Auslastung und die wirtschaftliche Lage des Tesla-Werks.

Tesla-Werk Grünheide wegen Absatzrückgang unter Druck

Tesla-Werk Grünheide wegen Absatzrückgang unter Druck

Sebastian Henßler  —  

In Grünheide sinkt die Produktion deutlich. 149.000 Autos im Jahr 2025 bedeuten fast 30 Prozent weniger als zuvor. Die Auslastung fällt unter 40 Prozent.

Tesla Model Y jetzt auch als Siebensitzer in Deutschland

Tesla Model Y jetzt auch als Siebensitzer in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Tesla bringt das Model Y als Siebensitzer nach Deutschland. Die neue Variante bietet bis zu 600 Kilometer Reichweite und bis zu 2094 Liter Ladevolumen.

NHTSA: Teslas Robotaxi fährt deutlich unsicherer als der Mensch

NHTSA: Teslas Robotaxi fährt deutlich unsicherer als der Mensch

Sebastian Henßler  —  

Viermal schlechter als ein menschlicher Fahrer: Teslas Robotaxi-Dienst in Texas rückt durch neue Crashmeldungen erneut in den Fokus der US-Aufsicht.

Nachfragetief: Teslas Cybertruck wird günstiger denn je

Nachfragetief: Teslas Cybertruck wird günstiger denn je

Maria Glaser  —  

Der US-amerikanische Hersteller hat in den USA den Preis seines elektrischen Pickups Cybertruck sowie des Topmodells Cyberbeast deutlich reduziert.