Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt

Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt
Copyright:

Aerovista Luchtfotografie / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Diskussion um die wirtschaftliche Entwicklung des Tesla-Standorts in Grünheide spitzt sich weiter zu. Nachdem das Handelsblatt unter Berufung auf den Datendienstleister Inovev von einer Produktion von rund 149.000 Autos im Jahr 2025 berichtet hatte und daraus eine deutlich gesunkene Auslastung ableitete, widerspricht Werksleiter André Thierig dieser Darstellung nun öffentlich.

Nach seinen Angaben wurden im vergangenen Jahr erneut mehr als 200.000 Model Y in Brandenburg gefertigt. Er verweist darauf, dass die Produktion im ersten Quartal 2025 temporär gestoppt worden sei, um die Umstellung auf das überarbeitete Model Y vorzubereiten. Anschließend habe man die Fertigung innerhalb mehrerer Wochen wieder auf 5000 Einheiten pro Woche hochgefahren. Trotz dieser Unterbrechung liege die Jahresproduktion deutlich oberhalb der im Bericht genannten Größenordnung.

Produktionszahlen im Zentrum der Auseinandersetzung

Thierig betont zudem, dass die Stückzahlen im Jahresverlauf 2025 quartalsweise gesteigert worden seien. Seit dem Produktionsstart im Jahr 2022 seien insgesamt mehr als 700.000 Fahrzeuge in Grünheide vom Band gelaufen. Für das erste Quartal 2026 plane man eine weitere Erhöhung gegenüber dem vierten Quartal 2025. Die vom Handelsblatt genannte Gewinnmarge von 0,74 Prozent weist Thierig ebenfalls als falsch zurück und bezeichnet sie als nicht nachvollziehbar, ohne jedoch eigene Margenkennziffern offenzulegen.

Auf diese Kritik reagierte öffentlich Sönke Iwersen, Leiter Investigative Recherche beim Handelsblatt. Er verwies auf den veröffentlichten Jahresabschluss des Standorts. Demnach sind die Umsatzerlöse 2024 von 7842 Millionen Euro auf 7675 Millionen Euro gesunken. Die sonstigen betrieblichen Erträge hätten sich um 154,7 Millionen Euro auf 3 Millionen Euro verringert, während die sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 153,3 Millionen Euro auf 23,7 Millionen Euro zurückgegangen seien. Das Betriebsergebnis habe sich um 10,7 Millionen Euro auf 156,8 Millionen Euro verringert. Das Ergebnis nach Steuern habe 2024 bei 55,6 Millionen Euro gelegen, nach 61,6 Millionen Euro im Vorjahr. Iwersen argumentiert, die Rendite lasse sich aus diesen öffentlich zugänglichen Zahlen ableiten.

Damit stehen sich weiterhin unterschiedliche Bewertungen gegenüber. Während das Management die vom Handelsblatt genannte Marge bestreitet, verweist die Redaktion auf testierte Finanzdaten. Belastbare, detaillierte Angaben zur konkreten Margenberechnung auf Werksebene bleiben bislang jedoch aus.

Grundsätzlich gilt in der Automobilindustrie, dass eine dauerhaft geringe Auslastung die Fixkostendegression beeinträchtigt und damit die Wirtschaftlichkeit eines Werks unter Druck setzt. Ob dies in Grünheide tatsächlich in dem vom Handelsblatt beschriebenen Umfang zutrifft, bleibt angesichts der widersprüchlichen Angaben offen.

Jobmotor Tesla: Mehr als 11.000 Mitarbeiter:innen in Grünheide beschäftigt

Parallel zur Zahlenfrage verweist das Management auf die strategische Bedeutung des Standorts. Tesla habe seit 2020 mehr als fünf Milliarden Euro in Grünheide investiert und rund 11.000 unbefristete, übertariflich bezahlte Arbeitsplätze geschaffen. Aktuell flössen zusätzlich knapp 100 Millionen Euro in den Ausbau der Batteriezellfertigung, wodurch mehrere Hundert weitere Stellen entstehen sollen. Nach Unternehmensangaben beliefert das Werk mehr als die Hälfte der globalen Märkte für das Model Y.

Die wirtschaftliche Debatte ist eng mit der Auseinandersetzung um die Rolle der IG Metall im Werk verknüpft. Bereits zuvor hatten Thierig und Konzernchef Elon Musk in einem internen Video vor möglichen Folgen einer stärkeren gewerkschaftlichen Organisation gewarnt. Musk erklärte darin, eine Schließung der Fabrik stehe nicht zur Diskussion, eine Erweiterung könne jedoch ausbleiben, sollte der Einfluss der Gewerkschaft weiter wachsen. In seiner jüngsten Stellungnahme wirft Thierig dem Handelsblatt vor, mit falschen Zahlen Stimmung gegen den Standort zu machen, und kündigt an, künftige Anfragen des Mediums unbeantwortet zu lassen. Zudem berichtet er von einem früheren Gespräch mit einem Vertreter der Chefredaktion, in dem ein Neustart der Zusammenarbeit vorgeschlagen, jedoch abgelehnt worden sei.

Quelle: Handelsblatt – Produktion in Grünheide bricht ein – Werk unter 40 Prozent ausgelastet / Andre Thierig – LinkedIn am 02.03.2026

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Sebastian Henßler  —  

Ab 2027 fertigt Tesla in Grünheide eigene 4680-Zellen mit bis zu 18 GWh pro Jahr. Damit entsteht von der Zelle bis zum Auto alles an einem Standort in Europa.

Tesla erhöht Löhne in Grünheide: Kontrast zu VW und Co.

Tesla erhöht Löhne in Grünheide: Kontrast zu VW und Co.

Daniel Krenzer  —  

Tesla erhöht in Grünheide erneut die Gehälter und sucht zusätzliches Personal. Für Beschäftigte bei VW und anderen Herstellern könnte das ein Fingerzeig sein.

Teslas FSD: EU-Abstimmung am 6. Oktober fällt offenbar aus

Teslas FSD: EU-Abstimmung am 6. Oktober fällt offenbar aus

Daniel Krenzer  —  

Teslas FSD Supervised dürfte in der EU – wenn überhaupt – später als erwartet freigegeben werden. Der Termin am 6. Oktober scheint zu platzen.

Neun Jahre Wartezeit: Tesla startet Semi-Auslieferung

Neun Jahre Wartezeit: Tesla startet Semi-Auslieferung

Sebastian Henßler  —  

Tesla liefert erste Elektro-Lkw Semi an Kundinnen und Kunden wie PepsiCo, DHL und US Foods aus – fast neun Jahre nach der ersten Ankündigung des Trucks.

Tesla: Tschechien erlaubt die Nutzung von FSD

Tesla: Tschechien erlaubt die Nutzung von FSD

Maria Glaser  —  

Tschechien erlaubt fortan die Nutzung des Tesla FSD Supervised und ist damit das siebte europäische Land, in dem das Fahrassistenzsystem genutzt werden darf.

Teslas Autopilot fährt in Tempo-30-Zonen systematisch zu schnell

Teslas Autopilot fährt in Tempo-30-Zonen systematisch zu schnell

Tobias Stahl  —  

Teslas FSD hat bei Tests systematisch Tempo 30 missachtet und Radfahrer trotz Verbot überholt. Für Tesla kommen die Ergebnisse zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Tesla Roadster: Enthüllung nach Jahren Verzögerung

Tesla Roadster: Enthüllung nach Jahren Verzögerung

Sebastian Henßler  —  

Tesla hat für den 1. Oktober die Enthüllung des neuen Roadster angekündigt, fast zehn Jahre nach der ersten Vorstellung des Sportwagens im Jahr 2017.