Die wirtschaftliche Entwicklung des Tesla-Werks im brandenburgischen Grünheide steht derzeit auf einem etwas wackligen Fundament. Aktuelle Produktionszahlen deuten darauf hin, dass der Standort deutlich unter seinen Möglichkeiten bleibt, wie das Handelsblatt berichtet. Gleichzeitig verschärft sich die Debatte über die Rolle der IG Metall, die im Betrieb an Einfluss gewinnt und vom Management kritisch gesehen wird.
Nach Angaben des Datendienstleisters Inovev, die dem Handelsblatt vorliegen, wurden 2025 nur rund 149.000 Autos in Grünheide gefertigt. Das entspricht einem Rückgang von knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das bereits als unterdurchschnittlich galt. Damals lag die Auslastung laut Jahresabschluss bei 56,3 Prozent, die Gewinnmarge bei 0,74 Prozent. Auf Basis der aktuellen Stückzahlen würde die rechnerische Auslastung auf etwa 39,7 Prozent sinken. Die Anlage ist für eine Kapazität von rund 375.000 Einheiten pro Jahr ausgelegt. Inovev weist darauf hin, dass es sich teilweise um Schätzwerte handelt, die nachträglich angepasst werden können. Tesla selbst äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Zahlen.
In der Automobilindustrie gelten dauerhaft niedrige Produktionsvolumina als betriebswirtschaftliche Belastung. Fixkosten verteilen sich auf weniger produzierte Autos, was die Rentabilität mindert. In vergleichbaren Fällen führen solche Kennzahlen regelmäßig zu strategischen Prüfungen von Standorten.
Gewerkschaftseinfluss wird zur strategischen Frage
Parallel dazu bemüht sich das Management um eine andere Schwerpunktsetzung der öffentlichen Debatte. André Thierig, Leiter des Werks in Grünheide, reiste in die USA, um gemeinsam mit Konzernchef Elon Musk ein Video aufzunehmen. Darin warnten beide vor möglichen Folgen einer stärkeren gewerkschaftlichen Organisation im Werk. Musk erklärte, man werde die Fabrik nicht schließen, sehe aber von einer Erweiterung ab, sollte der Einfluss der IG Metall zunehmen. Das Video wurde den Beschäftigten in Brandenburg gezeigt.
Thierig hatte in den vergangenen Monaten wiederholt betont, der Standort entwickle sich stabil. „Wir fahren die Produktion hoch, nicht runter“, sagte er. Rückgänge in Europa habe Tesla durch zusätzliche Märkte kompensiert, darunter die Türkei, Kanada und Staaten in Südostasien.
Ein Blick auf die Zulassungszahlen zeigt jedoch ein gemischtes Bild. In Ländern wie Südkorea, Thailand, den Philippinen, Norwegen und der Türkei stiegen die Neuzulassungen des Model Y zusammengerechnet um knapp 70.000 Einheiten. Dem gegenüber brachen die Verkäufe in den drei größten Märkten – USA, China und Europa – um mehr als 155.000 Autos ein. Die Zuwächse in neu erschlossenen Regionen konnten die Verluste in etablierten Absatzmärkten somit nicht ausgleichen.
Für die rückläufige Nachfrage in Europa werden mehrere Gründe diskutiert. Beobachter verweisen auf öffentliche Äußerungen von Elon Musk, darunter politische Stellungnahmen, die auf Kritik stießen. Gleichzeitig hat sich das Wettbewerbsumfeld verändert. Europäische Hersteller bringen Elektroautos auf neu entwickelten Plattformen auf den Markt, die bei Effizienz und Ladeleistung Fortschritte zeigen. Auch im Bereich Software und digitale Funktionen holen traditionelle Anbieter auf.
Ein Werk zwischen Kapazität und Marktdynamik
In Grünheide wird ausschließlich das Model Y produziert. Das Model 3 und das Model Y basieren seit 2016 auf derselben technischen Architektur, die im Laufe der Zeit überarbeitet wurde. Währenddessen investieren Marktbegleiter in neue Plattformgenerationen, um Reichweite, Energieverbrauch und Ladezeiten weiter zu verbessern.
Noch im September 2025 hatte Thierig hervorgehoben, Tesla müsse keine vergleichbaren Negativmeldungen wie andere deutsche Werke verkünden, in denen Stellen abgebaut würden. Ob diese Einschätzung Bestand hat, dürfte wesentlich von der weiteren Marktentwicklung abhängen. Der Jahresauftakt liefert jedenfalls zurückhaltende Signale: Im Januar setzte Tesla in Europa rund 5700 Autos ab, mehr als 40 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
Quelle: Handelsblatt – Produktion in Grünheide bricht ein – Werk unter 40 Prozent ausgelastet








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