IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss

IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Die Betriebsratswahl im Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide hat das Kräfteverhältnis zwischen gewerkschaftlichen und unabhängigen Vertretergruppen neu geordnet. Nach vorläufigen Ergebnissen ging die Liste „Giga United“ um die bisherige Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz als stärkste Kraft aus der Abstimmung hervor. Sie erhielt rund 40,4 Prozent der Stimmen und verwies die Liste „IG Metall Tesla Workers GFBB“ mit 31,1 Prozent auf den zweiten Platz.

An der Wahl konnten 10.703 Beschäftigte teilnehmen, rund 1700 weniger als bei der vorherigen Abstimmung im Jahr 2024. Insgesamt traten elf Listen mit etwa 550 Kandidat:innen an, die um 37 Sitze im Betriebsrat konkurrierten. Die Beteiligung lag bei 87 Prozent und damit deutlich höher als vor zwei Jahren, als etwa 72 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten.

Für die IG Metall bedeutet das Ergebnis einen Rückschlag. Bei der vergangenen Wahl hatte die Gewerkschaft mit knapp 39,4 Prozent noch die stärkste Gruppe gestellt. Dieses Mal verfehlte sie ihr Ziel, eine Mehrheit im Betriebsrat zu erreichen. Stattdessen dominieren erneut Listen ohne direkte Gewerkschaftsbindung das Gremium. Nach den vorläufigen Zahlen entfallen 24 der 37 Sitze auf Vertreter:innen, die keiner Gewerkschaftsliste angehören.

Warnungen aus dem Management prägen den Wahlkampf

Die Wahl wurde im Umfeld eines angespannten Verhältnisses zwischen Gewerkschaft und Unternehmensführung geführt. Tesla-Werksleiter André Thierig hatte sich vor der Abstimmung kritisch zu einem stärkeren Einfluss der IG Metall geäußert. Auf Betriebsversammlungen warnte er davor, dass ein Sieg der Gewerkschaft Folgen für die künftige Entwicklung des Standorts haben könnte. Sollte die IG Metall eine Mehrheit erreichen, könne er sich kaum vorstellen, dass Konzernchef Elon Musk weitere Investitionen in Grünheide plane.

Auch Musk selbst wandte sich kurz vor der Abstimmung mit einer Videobotschaft an die Belegschaft: „Die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen“, sagte der Konzernchef. Das Werk werde zwar nicht geschlossen, eine Erweiterung erscheine unter solchen Bedingungen jedoch unwahrscheinlich.

IG Metall spricht von unfairen Methoden

Die IG Metall wies diese Darstellung zurück und kritisierte den Verlauf des Wahlkampfs. Der Bezirksleiter der Gewerkschaft für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Jan Otto, sprach von einem ungewöhnlich harten Vorgehen des Managements. Nach seiner Darstellung sei massiv Stimmung gegen die Gewerkschaft gemacht worden. Man prüfe deshalb rechtliche Schritte wegen möglichen „Union Busting“, also einer gezielten Behinderung gewerkschaftlicher Arbeit. Das Betriebsverfassungsgesetz sieht für entsprechende Verstöße Geldstrafen oder Freiheitsstrafen vor.

Neben den beiden großen Listen spielte auch eine dritte Gruppe eine Rolle im Wahlergebnis. Die sogenannte „Polnische Initiative“ erreichte 8,3 Prozent der Stimmen und belegte damit den dritten Platz. Hintergrund ist die große Zahl polnischer Beschäftigter im Werk. Rund 2000 Mitarbeiter:innen stammen aus Polen.

Die Liste richtete ihre Kampagne gezielt an diese Gruppe. Gefordert wurden unter anderem eine „polnische Botschaft“ im Werk als Anlaufstelle für Behördenfragen, Polnisch als zusätzliche Kommunikationssprache sowie polnische Gerichte in der Kantine. In ihren Materialien stellte die Initiative zugleich die Rolle der IG Metall infrage und fragte, warum eine deutsche Gewerkschaft über die Bedürfnisse polnischer Beschäftigter entscheiden solle.

Sitzverteilung bestätigt Machtverschiebung im Betriebsrat

Die Sitzverteilung im neuen Betriebsrat spiegelt dieses Ergebnis wider. „Giga United“ kommt voraussichtlich auf 16 Mandate und gewinnt damit einen Sitz hinzu. Die IG Metall verliert drei Sitze und stellt künftig 13 Vertreter:innen. Drei Mandate gehen an die „Polnische Initiative“, während mehrere kleinere Listen die verbleibenden Plätze besetzen. Michaela Schmitz dürfte damit nach der konstituierenden Sitzung des Gremiums erneut zur Vorsitzenden gewählt werden. Es wäre ihre dritte Amtszeit an der Spitze des Betriebsrats.

Laura Arndt, Spitzenkandidatin der IG-Metall-Liste, erklärte nach der Abstimmung, man werde die Interessen der Beschäftigten weiterhin vertreten. „Wir freuen uns, dass uns nach einem so unfairen Wahlkampf und trotz all der Drohungen so viele Kolleg:innen das Vertrauen geschenkt haben“, sagte sie. Für eine gewerkschaftliche Mehrheit habe es jedoch nicht gereicht.

Im Hintergrund bleibt damit ein zentraler Streitpunkt bestehen. Die IG Metall setzt sich seit Jahren für einen Tarifvertrag für die Beschäftigten des Werks ein, während die Unternehmensführung eine tarifliche Bindung ablehnt. Werksleiter Thierig verwies in diesem Zusammenhang auf Entwicklungen in anderen Teilen der Branche. Tarifverträge hätten dort nicht verhindert, dass Stellen abgebaut würden, sagte er auf einer Betriebsversammlung.

Quelle: Handelsblatt – IG Metall unterliegt bei Betriebsratswahlen in Grünheide / Andre Thierig – auf LInkedIn / Spiegel – IG Metall verfehlt Mehrheit bei Tesla-Betriebsratswahl in Grünheide

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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