Test: Mercedes VLE ab 82.000 Euro – lohnt sich der Preis?

Test: Mercedes VLE ab 82.000 Euro – lohnt sich der Preis?
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Mercedes-Benz

Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 5 min

Mercedes löst seine V-Klasse ab und stellt damit die gesamte Van-Konkurrenz ins schattenspendende Abseits, denn der elektrische VLE definiert die Maßstäbe im Segment der Großraumlimousinen neu. Dabei ist er erst den Anfang – VLS, VLS Maybach und Transporterversionen folgen – auch als Verbrenner.

Der elektrische CLA war für Mercedes ein großer Schritt und die Schwaben feiern noch immer ihren neuen AMG GT – beide mit Elektroantrieb – als technischen Neustart der Sternenmarke. Doch kein Mercedes hat in den vergangenen 15 Jahren einen derart großen Sprung nach vorn gemacht wie der neue Mercedes VLE, der mit VLS und VLS Maybach sogar noch zwei edlere Brüder bekommt.

Richtig die Entscheidung, dem Nachfolger des V-Klasse deshalb auch eine neue Nomenklatur umzuhängen – Mercedes VLE. Zunächst rein elektrisch, mit zwei Radständen zu und aufgrund anhaltender Nachfrage wohl ab der zweiten Jahreshälfte 2027 auch mit einem Verbrenner zu bekommen.

Drei Tonnen, die sich leichter anfühlen als erwartet

Doch zunächst einmal geht es mit zwei Elektroversionen los – dem Mercedes VLE 300 als 203 kW / 276 PS starker Fronttriebler und durch den obligatorischen Allradantrieb deutlich besser geeignet, der VLE 400 4matic, der seine 310 kW / 422 PS eben auf zwei Achsen aufteilt. Das Leergewicht ist mit knapp über drei Tonnen gewaltig, doch der tiefe Schwerpunkt des 115 kWh großen Batteriepakets und die fein abgestimmten Elektromotoren schieben den 5,31 Meter langen Familienvan heftig an – trotz Allradantrieb jedoch mit spürbaren Antriebskräften im Steuer.

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Die Lenkung ist überraschend leichtgängig und die Abstimmung durch die Kombination aus Luftfeder und Hinterachslenkung ebenso komfortabel wie agil. Querfugen und grobe Unebenheiten schnupft das Fahrwerk einfach weg – und lässt einen im Sportprogramm sogar dynamisch reisen.

Dabei geht es aus dem Stand in 6,5 Sekunden auf Tempo 100 und abgeregelt wird – gerade noch vertretbar bei 180 km/h. Dabei ist das Geräuschniveau beeindruckend gering und die mitlenkende Hinterachse mit einem ungewöhnlich großen Einschlagwinkel von sieben Grad sorgt dafür, dass sich der Elektrokoloss trotz seines mächtigen Radstandes von 3,34 Meter in der Innenstadt bewegen lässt wie ein Kompaktklassemodell.

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Das gigantische Gewicht ist spürbar, auch wenn Allradlenkung und Luftfeder gerade auf kurvenreicher Straße in Sekundenrhythmus kleine Wunder vollbringen, um die Insassen so entspannt reisen zu lassen.

710 Kilometer Reichweite, und das ohne Kompromisse

Leichter denn je lässt er sich so auf einen Ladeparkplatz jonglieren, wo der gefällig gestylte Koloss am Schnelllader auf Wunsch mit mehr als 300 kW erstarkt und das mit 115 kWh stattliche Batteriepaket (Nickel-Mangan-Kobalt-Akku) im Unterboden mit der nötigen Antriebsenergie füllt. Die Reichweite bis zum nächsten Ladestopp: Dank des Normverbrauchs von 21,1 kW / 100 km mehr als 630 Kilometer. Der Fronttriebler mit dem 276-PS-Antrieb schafft gar mehr als 710 Kilometer.

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Doch es ist nicht allein der deutliche Gewinn an Fahrdynamik, den der neue Mercedes VLE vermittelt, der Umstieg auf den Elektroantrieb oder die imposanten Leistungsreserven. Der Nachfolger der Mercedes V-Klasse pulverisiert auch Dank variabler Luftfederung im Fahrbetrieb die Konkurrenz wie VW T7, VW ID Buzz, Ford Transit oder Kia PV5, sondern er greift in den hohen Ausstattungsvarianten selbst einen Mercedes GLS sowie die übermächtige S-Klasse an. Denn, wer auf langen Strecken entspannt reisen und ein geradezu opulentes Platzangebot genießen will, der dürfte bereits beim VLE ins Zögern kommen – bei den luxuriösen Brüdern VLS und VLS Maybach dürfte es noch schwerer sein, bei Limousine oder SUV zu bleiben. Auch weil sich für den Fall der Fälle das Ladevolumen von knapp 800 auf mehr als 4000 Liter erweitern lässt.

Ab Anfang 2027 kommt die XL-Version ins Programm, die den Mercedes VLE auf 5,48 Meter verlängert. Bitter: bei der Basisversion sind nur die beiden Schiebetüren serienmäßig elektrisch. Die zweiteilig sich öffnende Hecktür ist hier ebenso mechanisch wie die Sitzverstellung – in dieser Preisklasse kaum zu erklären. Praktisch: mit wenigen Handgriffen lassen sich die Fondsitze ausbauen und auf Rollen in die Garage schieben.

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Imposanter denn je reist es sich im edlen Fond es Mercedes VLE, der auf Wunsch elektrische Komfortsitze wie in der interkontinentalen Flug-Business-Class bietet. Massage, Heizung, Lüftung – dazu Kühlbox, zahllose USB-Ports, Ablagen und ein gigantischer 31-Zoll-Großbildschirm, der sich filigran aus dem Dach ausfährt, während sich zeitgleich die Scheiben herum zum Kinoerlebnis verschatten – das bietet aktuell zumindest in Europa kein anderer. Selbst die zahlreichen Luxusvans aus China dürften bei der neuen V-Familie aus Stuttgart – produziert im nordspanischen Vittoria – mehr als einmal genau hinschauen.

Wahlweise ist die Grand Limousine, wie sie Mercedes im prallvollen Produktportfolio positionieren will, mit fünf, sechs, sieben oder gar acht Sitzplätzen zu bekommen. Ehe die besonders edle Maybach-Variante im großzügigen Fond das maximal mögliche in Sachen Komfort und Luxusanspruch zeigt und damit sogar eine Maybach S-Klasse in den Schatten stellt, ist der sechssitzige VLE mit zwei Einzelsitzen im Fond und zwei weiteren Plätzen in der dritten Reihe die beste Wahl.

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Die Preise des neuen Mercedes VLE sind zugegeben happig. Bereits der Basisversion des Mercedes VLE 300 mit Frontantrieb und mäßiger Serienausstattung kostet mehr als 82.000 Euro. Ein gut ausgestatteter VLE 400 4matc dürfte rund 120.000 Euro kosten – also auch hier S-Klasse-Niveau.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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