Fahrbericht: So fährt der Lamborghini Urus SE Performante

Fahrbericht: So fährt der Lamborghini Urus SE Performante
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Wolfgang Gomoll
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  —  Lesedauer 5 min

Kaum ein SUV steht mehr für Sportlichkeit als der Lamborghini Urus. Die neue Generation des Urus SE Performante legt nochmals nach und kombiniert imposante Fahrleistungen mit einem Auftritt, den kaum jemand vergisst. Ein paar Kilogramm hat der Norditaliener zudem abgespeckt.

Understatement ist nicht die Sache des Lamborghini Urus. Das fängt beim Klang des Motors an und hört bei der Formensprache auf. Er hat mehr Kanten und eine Keilform als glatte Flächen und geschwungene Linien. Der neue Lamborghini Urus SE Performante legt da noch eine Schippe drauf. Das zeigt schon der riesige Grill, der andere Autos geradezu aufzufressen scheint. Ein Vehikel aus Sant’Agata Bolognese darf das. Sportlichkeit steht im Lastenheft ganz oben – sowohl optisch als auch bei der Leistung. Mit 597 kW / 812 PS hat man auch die nötige Substanz für den dynamischen Auftritt.

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Dazu passt auch Mitja Borkerts, Direktor des Lamborghini Centro Stile, Attitüde: „Wir wollen nicht die Bildschirm-Weltmeister sein, aber eine gute Sitzposition bieten.“ Damit die Dynamik keine Show ist, setzt man auf Carbon und zeigt das auch: Motorhaube, Dach, Radläufe, Seitenschweller und der große Heckdiffusor bestehen aus Kohlefaserverbundstoff. Damit man beim Einsteigen auch weiß, worauf man sich einlässt, sind die Türgriffe schwarz – ein Performante-Erkennungsmerkmal. „Für mich ist das der schönste Urus, den wir erschaffen haben“, strahlt Borkert. Der breiteste ist er auf jeden Fall.

Jedes Kilogramm zählt beim Abspecken

Die Carbon-Orgie ist keine bloße Mimikry für die Flaniermeile. Die Techniker haben an einigen Stellen Gewicht aus dem Auto genommen. Die Titan-Abgasanlage von Akrapovič spart mehr als zehn Kilogramm, die integrierte Bremsregelung bringt weitere vier Kilogramm, das NVH-Paket (Noise, Vibration, Harshness / deutsch: Geräusch, Vibration, Rauhigkeit) wurde um 3,3 Kilogramm erleichtert, und mit dem serienmäßigen schwarzen Corsa-Tex-Innenraum haben die Ingenieure weitere 2,7 Kilogramm weggehobelt. Bei einem Plug-in-Hybrid lässt sich eine Batterie mit einer Kapazität von 25,9 Kilowattstunden jedoch nicht wegdiskutieren. Daher wiegt der Urus SE Performante 2473 Kilogramm, das sind 32 Kilogramm weniger als der Urus SE.

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Der Lamborghini Urus teilt sich die MLB-Evo-Architektur mit dem Porsche Cayenne und dem Audi Q8. Das hat Auswirkungen auf den Allradantrieb: Anstelle eines Torsen-Mitteldifferenzials kommt jetzt eine Hang-on-Kupplung zum Einsatz. Dieses Prinzip kennt man vor allem von Porsche. Laut Lamborghini ist die Kraftverteilung vollvariabel, also von null bis 100 Prozent. Sobald möglich, wird die Vorderachse abgekoppelt. Im Zusammenspiel mit dem elektronischen Hinterachsdifferenzial inklusive Torque Vectoring verwandelt sich der mächtige Stier in einen veritablen Hecktriebler, der sich aber entspannt kontrollieren lässt, wie wir mit dem neuen Rally-Modus auf einer Offroad-Strecke erfahren konnten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das ist auch aufgrund des Zweikammer-Luftfederfahrwerks möglich, da sich das SUV streckt und die Karosserie nach oben fährt. Also Feuer frei auf Feldwegen. Die Dämpfer sind in der Zug- und Druckstufe getrennt regelbar. Dieses Zusammenspiel verleiht dem Urus eine Bandbreite von komfortabel bis sportlich straff, aber nicht prügelhart. Dass das Fahrwerk das Rollen reduziert und 25 Prozent weniger Vibrationen erzeugt, sind angenehme Nebeneffekte.

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Um den Lamborghini nach Belieben scharf zu stellen, hat man mehrere Stellhebel: die Fahrprogramme Strada, Sport, Corsa und Rally. Kombiniert man Rally mit dem Performance-Modus, wird der Offroad-Spaß serviert. Außerdem stehen noch EV, Hybrid und Recharge (Batterie wird geladen) zur Auswahl. Aber der Urus soll vor allem auf dem Asphalt Spaß machen.

Der 4,0-Liter-Biturbo-V8-Motor arbeitet mit einem permanenterregten Elektromotor zusammen, der vor dem Achtgang-Automatikgetriebe sitzt. Also hat man 597 kW / 812 PS sowie ein brachiales Drehmoment von 1000 Newtonmetern unter der Haube. Durch die Elektropower hat der Urus SE Performante 107 kW / 146 PS und 150 Nm mehr als der bisherige Performante. Rein elektrisch kommt das potente SUV rund 60 Kilometer weit. Der Lamborghini soll kein Pseudo-Stromer sein, Agilität steht an erster Stelle. Und eine größere Batterie bedeutet mehr Gewicht.

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Die Fahrwerte sind dementsprechend: Der Sprint von null auf 100 km/h bleibt mit 3,3 Sekunden auf dem Niveau des aktuellen Performante, bis 200 km/h wird der Unterschied deutlicher: 10,8 Sekunden statt 11,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit steigt von 306 auf 312 km/h. Bei den ersten Launch-Control-Versuchen mit kalten Reifen resultiert diese unbändige Kraft in einer Stempelei der Hinterreifen. Kaum sind die Pneus warm, setzt der Vortrieb sauber ein. Auch Driften ist mit dem Urus problemlos möglich. Unweigerlich denkt man dabei an den Elefanten auf Rollschuhen. Es ist auf jeden Fall beeindruckend, wie locker man das Schwergewicht kreiseln lassen kann.

Im Corsa-Modus zeigt der Urus seine Krallen

Wir schalten in den Hybridmodus und aktivieren den Corsa-Modus – also das Rennstreckenprogramm. Dann holt die Technik alles aus dem Auto heraus, und der elektrifizierte Achtender spricht noch gieriger auf die Beschleunigungsabsichten des Piloten an. Die kernige Sounduntermalung mit den kurzen Klangspitzen passt zu diesem Fahrmodus. Doch das hat nichts Angestrengtes. Der Urus lenkt ordentlich ein, und das Heck dreht willig mit. Kurz: Das Auto wirkt ausbalanciert und macht es dem Fahrer einfach, irrsinnig schnell zu sein.

Hier hilft ein Technikkniff: Der 6D-Sensor misst Längs-, Quer- und Vertikalbeschleunigung sowie Nick-, Wank- und Gierbewegungen. Zusammen mit virtuellen Sensoren und der Integrated Power Brake reagiert das System nicht nur auf Fahrzustände, sondern berechnet sie voraus. Die Lenkung agiert sportlich-direkt, aber nicht zu nervös aus der Mittellage heraus. Ganz aushebeln lässt sich die Physik aber nicht. Sobald man ambitioniert in eine Ecke sticht, schiebt der Lamborghini Urus SE Performante nach außen in Richtung des Fahrbahnrands. Aber nichts, was einen aus der Ruhe bringt. Auch weil die Bremse noch kräftiger zupackt – laut Lamborghini nimmt die Verzögerung um neun Prozent zu. Das beruhigt, wenn es einmal eng wird. Aber das dürfte mit diesem Urus aber nur selten der Fall sein.

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Wolfgang Gomoll

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Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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