So fährt sich Amazons Elektro-Robotaxi Zoox in Las Vegas

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Zoox

Stefan Grundhoff
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Wie rückständig sich Deutschland und Europa in Sachen urbaner Mobilität zeigen, ist kaum besser zu sehen als bei den autonomen Taxis, die in Asien und den USA längst Einzug in den Alltag gehalten haben. Das zeigt nun auch eine Testfahrt durch Las Vegas mit Zoox, dem neuen Ride Hailing Dienst von Amazon.

In immer mehr amerikanischen Großstädten sind Anbieter wie Waymo oder Tesla mit autonomen Taxis unterwegs. Im nächsten Jahr will Tesla seine fahrerlosen Dienste ausweiten und Waymo, betrieben von Alphabet und Google, stellt in Städten wie San Francisco, Phoenix, Austin oder Los Angeles seine Fahrzeuge von den betagten Jaguar i-Pace auf neue Hyundai Ioniq 5 um. Während es sich bei dem Elektroauto von Hyundai um ein umgebautes Serienfahrzeug handelt, setzt Amazon mit seinem neuen Ride Share Dienst Zoox auf einen abgerundeten Ziegelstein im modernen Techlook. Im Praxistest zeigt der autonome People Mover ohne Sicherheitsfahrer deutliche Vorteile gegenüber anderen Diensten.

Zoox gegen Waymo: Amazons Taxi ohne Führerstand

Amazon bringt mit seinem Dienst Zoox jenes fahrerlose Taxi, das viele Anbieter seit Jahren ankündigen. Im Gegensatz zu anderen Anbietern sind die Zoox Taxis nicht mit einem Führerstand, Lenkrad oder Pedalerie ausgestattet, sondern rollen rein elektrisch wie von Geisterhand um den Las Vegas Strip. Noch im Testbetrieb und daher kostenlos, doch in den kommenden Monaten soll Zoox offiziell in Dienst gestellt und dann auf andere Städte ausgerollt werden.

Wer speziell in den Abendstunden aus einem der großen Casinos oder der Themenhotels noch ein paar Schritte entlang der Touristenmeile Las Vegas Strip macht, dem fallen im fließenden Verkehr eine Reihe von autonomen Fahrzeugen ins Auge. Der Anbieter Vay bietet seit längerem führerlose Mietwagen an, die man über eine App pro Minute mieten kann. Ein fast normales Taxi ohne Fahrer in Echtzeit bestellt – in Form eines elektrischen Kia Niro. Die weißen Crossover zuckeln führerlos tagsüber wie abends durch das Spielerparadies von Nevada und bringen die Fahrgäste quer durch Las Vegas. Start- und Zielpunkt der Fahrt legt dabei allein der Nutzer fest. Eine kurze Fahrt von 10 Minuten kostet einige Dollar, und selbst bei längeren Fahrten sind die Modelle zumeist günstiger die Fahrdienste von Uber oder Lyft – und weitaus preiswerter als normale Taxis.

Zoox

Bei Großveranstaltungen wie der Consumer Electronic Show CES jeweils im Januar rollen deutlich mehr führerlose Shuttles durch Las Vegas. Unabhängig von Veranstaltungen will in der Millionenmetropole zukünftig auch Waymo seinen Fahrdienst anbieten, der bereits seit längerem in Städten wie San Francisco, Los Angeles, Phoenix, Austin oder Atlanta verfügbar ist – viele weitere Städte werden gerade erprobt oder sollen zeitnah starten.

Amazon plant: Zoox rollt bald auch in Miami und Austin

Darauf können sich auch die Besucher von San Francisco, Miami, Austin, Dallas oder eben Las Vegas bei Zoox freuen, denn die Fahrt in einem der rollenden Hightech-Kisten ist allemal ein Erlebnis. Per App oder an einem der Counter wie an der Resort World oder Area 15 geordert, dauert es aktuell zumeist 10 bis 20 Minuten, ehe der führerlose People Mover mit seinen an den Ecken des Fahrzeugs positionierten Rädern und dem flachen Einstieg links wie rechts geräuschlos anrollt und nach einem kurzen Hinweis auf dem Smartphone nebst persönlicher Begrüßung seine Doppeltüren öffnet.

Im Innern der modernen Kabine bietet das Zoox-Mobil vier gegenüber positionierte Sitzplätze mit USB-Ports, induktiven Ladeschalen und Touchdisplays. Über diese können nicht allein die Türen bedient, sondern auch die Klimatisierung eingestellt sowie Lautstärke und Titelwahl der Musik eingestellt werden. Wer allein oder zu zweit unterwegs ist, kann selbst große Koffer problemlos im Inneren des Elektromobils unterbringen. Die niedrige Einstiegskante hilft.

Zoox

Nach einem kurzen Hinweis fährt das Zoox-Taxi am Hotel Resort World flott an und biegt nach einigen Abzweigungen auf dem Gelände sicher auf den Las Vegas Strip. Trotz einer Außentemperatur von 43 Grad Celsius im Schatten ist es im Innern angenehm kühl und die Musik leise genug, um sich auf der 30-Minuten-Fahrt entlang des Strips entspannen zu können, während das Smartphone unsichtbar auflädt. Auf den tief in den Seitentafeln platzierten Displays wird zudem nicht allein die Geschwindigkeit angezeigt, sondern etwas überflüssig auch darauf hingewiesen, wann das Taxi mit seinen vier lenkfähigen Rädern abbiegt. Hotels wie MGM Grand, Aria, Paris oder das Bellagio ziehen nur so vorbei, während das Elektromobil immer wieder an Ampeln bremsen und wieder anfahren muss.

30 Minuten Las Vegas Strip – ganz ohne Fahrer

All das macht der Zoox jedoch flott und ohne jedes Zögern – kein Unterschied zu einem menschlichen Fahrer, wobei er an großen Kreuzungen und dank aktiver Dämpfung vor den allgegenwärtigen Temposchwellen an den großen Hotels und Fußgängerüberwegen eher kommoder fährt, als man dies von vielen echten Fahrer kennt. Dass die Fahrt ohne jedes Zutun eines Piloten sicher und ohne Zwischenfälle ablaufen kann, dafür sorgen zahlreiche Kameras und Sensoren rundum, mit denen die rollende Kabine ausgestattet ist. Anfahren, Abbremsen, Abbiegen und auch auf plötzlich hereinziehende Autos reagieren – all das erledigt der Zoox souveräner als die frühen Ride-Hailing-Versuche in San Francisco oder China.

Einen nennenswerten Unterschied zu einem Anbieter wie Waymo oder Way macht dabei das Fahrzeug, denn der Passagier hat das Gefühl, in der Mobilität der Zukunft Platz genommen zu haben, während bei vielen anderen Fahrzeugen eben nur der Fahrersitz leer bleibt und der Zoox-Slogan „meet the future of ride hailing“ so eine optische Unterstützung bekommt. Die Digitalanzeige auf dem Display zählt mit jeder gefahrenen Meile herunter und kündigt vor dem Hotel Fontainebleau schließlich die Ankunft an. Die beiden Türen gehen auf und mit zwei Schritten geht es heraus auf den Bürgersteig. Die nächsten Fahrgäste warten bereits und steigen ein, ehe der Zoox vollautomatisch seine Blinker betätigt und wieder ins Nachtleben von Las Vegas eintaucht.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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