Mercedes macht seine C-Klasse zu einer elektrisches Fließhecklimousine und führt damit den klassenhöheren EQE ad absurdum. Ebenso wie der eng verwandte GLC setzt die unter Strom gesetzte C-Klasse neue Maßstäbe – zumindest für Mercedes.
Ganz ähnlich wie bei den SUV-Brüdern gibt es zum Marktstart ein Duell zwischen BMW und Mercedes, denn ebenso wie der BMW iX3 mit dem elektrischen Mercedes GLC, streitet sich auch die Elektro-C-Klasse mit dem BMW i3. Das bringt nicht nur Nachteile, sondern sorgt in schweren Zeiten für Wettbewerb und Aufmerksamkeit zugleich. Zunächst einmal haben sich die Schwaben endlich mit dem wenig eingängigen Namensannex EQ verabschiedet. Das neue Modell heißt Mercedes C 400 4matic electric. Endlos lang – aber immerhin eingängiger als viel andere Nomenklaturen der vergangenen Jahre. Ob allen potenziellen Kunden im Unterschied zum bekannten C-Klasse-Verbrenner das vermeintliche Fließheck der Elektroversion gefällt? Daran dürften Zweifel bestehen.
Was die elektrische C-Klasse kostet und wie sie den EQE verdrängt
Auch wenn der Mercedes EQE – auf vielen Märkten ebenso wenig erfolgreich wie der klassenhöhere EQS – aktuell noch nicht aus dem Programm genommen wird, ist die neue C-Klasse faktisch das Ende des großen Bruders, denn die Elektro-C-Klasse macht zu einem Basispreis von 67.711 Euro nahezu alles besser als der EQE. Der Mercedes EQE 300 mit seinem gerade einmal 195 kW / 265 PS starken Hinterradantrieb bleibt mit einem nahezu deckungsgleichen Basispreis von mindestens 67.187 Euro bis auf weiteres durch die Positionierung als elektrische E-Klasse im Programm, um jene Kunden abholen, die leistungsschwächere Modelle wollen. Das dürfte jedoch nur über große Preisnachlässe funktionieren und eine Einstellung des EQE nur hinauszögern.

Neben dem deutlich selbstbewussteren Auftritt mit steil stehendem Grill und markigen Sternenleuchten vorne wie hinten bietet die elektrische C-Klasse nicht nur deutlich gefälligere Proportionen, sondern auch eine 800-Volt-Plattform und modernste Akku- und Antriebstechnik. Obwohl trotz 4,88 Metern Länge als C-Klasse in der Mittelklasse positioniert, gibt es durch den 2,96 Meter langen Radstand sehr gute Platzverhältnisse und einen Luxusanspruch, der sich fahren lassen kann. Im Gegensatz zu manchem Wettbewerber gibt es keine billig anmutenden Plastikoberflächen, sondern auf Wunsch Echtholz und weiches Leder – so stellt man sich einen Mercedes der Neuzeit vor. Wem die 470 Liter Laderaum hinter der elektrischen Klappe nicht reichen, klappt die Rückbank um oder packt Kleinteile in den mit 101 Litern stattlichen Frunk.

4 Sekunden auf Tempo 100: So sportlich ist der C 400
Der Antrieb ist seit dem Elektro-GLC kein Unbekannter, und so arbeiten auch an den beiden Achsen der allein als Limousine angebotenen C-Klasse zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 360 kW / 489 PS. So sehr einen klimatisierte Sitze, Geräuschniveau und Wohlfühlambiente auch entspannen – auf Pedaldruck und abseits der zahlreichen Fahrprogramme ist der Schub gewaltig, denn ohne Verzögerung schiebt der Allradschwabe an und presst einen in den wohl konturierten Fahrersitz. Von dem Zweigang-Getriebe nach Taycan-Vorbild ist nichts zu spüren – die Gangwechsel lässt der C 400 wie von Geisterhand ohne Zutun des Fahrers geschehen.

Die 0 auf Tempo 100 in 4,0 Sekunden sind da kaum mehr als ein grauer Wert, doch wer auf der Landstraße einmal durchtritt, erlebt für eine Familienlimousine für an sich keine sportlichen Ambitionen sein Sternenwunder. Leider nur bis Tempo 210, denn aus nur wenig nachvollziehbaren Gründen hinkt die Elektroversion hier den Verbrennern nach. Für 210 km/h Spitze braucht auch niemand nahezu 500 PS.

So schnell und leise der Schwabe auf der Landstraße vor sich hingleitet, entspannt einen die Reichweitenanzeige im leicht unübersichtlichen Fahrerdisplay. Die dort angezeigten 642 Kilometer sind keineswegs das Maximum – je nach Ausstattung und Bereifung fährt der Mercedes C 400 Electric bis zu 760 Kilometer weit, ehe an die Ladesäule geht, wo er zwar nicht so schnell wie sein bayerischer Wettbewerber oder manches China-Modell, aber den eigenen 94,5-kWh-Akku zumindest mit 330 kW nachladen kann. Spätere Versionen nur mit Hinterradantrieb sollen die 800-km-Marke knacken, doch auch so ist dem Schwaben in Sachen Reichweite nichts vorzuwerfen.

Das Komfortniveau ist für ein Auto der erwachsenen Mittelklasse mit nunmehr 4,88 Metern Länge imposant. Wüsste man es nicht besser, hätte keiner der Insassen Zweifel daran, in einem klassenhöheren Produkt zu sitzen. Störend ist jedoch das fehlende Rollo unter dem großen Panoramadach, dass sich nur über milchige Elemente verschatten lässt. Bei Regen oder kalten Wintertemperaturen ein spürbares Komfortmanko für die Insassen. Die stattdessen 162 illuminierten Sterne sind eine Spielerei, die nicht zu einem Mercedes passt – ein paar Sternenlogos weniger würden der C-Klasse ohnehin guttun.
2460 Kilogramm: Elektro-C-Klasse schwerer als die G-Klasse
Massagestühle, 4D-Klang, unterschäumte Oberflächen und eine exzellente Verarbeitung – das kostet bisweilen teure Aufpreise, sorgt aber im Vergleich zu den anderen Elektromodellen der Schwaben zu einem echten Mercedes-Gefühl. Das gilt bei der Fahrwerksabstimmung ebenso, denn der Elektro-Allradler ist Dank variabler Luftfeder nicht nur ein lässiger Gleiter, sondern er kann eben auch engagierter.

Die Kombination mit der Hinterachslenkung (Maximalwinkel: 4,5 Grad) bringt einen Hauch mehr Dynamik – wichtiger ist diese jedoch in der Innenstadt beim Ein- und Ausparken, denn statt 12,1 Metern verringert sich beispielsweise der Wendekreis auf 11,20 Meter. Die Rückmeldung der Lenkung überzeugt gerade bei geringen und mittleren Tempi. Doch 800 Nm Schub und die 360 kW / 489 PS starken Elektromotoren können das Übergewicht nicht überspielen – zumindest nicht, wenn es auf einer Landstraße dynamischer wird oder an die Bremse geht. Denn mit 2460 Kilogramm wiegt die elektrische C-Klasse mehr als eine G-Klasse oder eine Luxus-S-Klasse mit V12-Power.








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