Die Transformationsphase der deutschen Premiumhersteller offenbart sich in Quartalsberichten oft deutlicher als in Strategiepapieren. Bei Mercedes-Benz fällt der Blick auf das erste Quartal des Jahres zwiespältig aus: Die operative Leistung bewegt sich im Rahmen der eigenen Prognose, doch der Konzern muss zugleich rückläufige Gewinne, Margendruck und ein schwächelndes China-Geschäft verkraften. Die Elektromobilität entwickelt sich in diesem Spannungsfeld zu einem der wenigen klaren Wachstumstreiber – mit allerdings begrenztem globalen Beitrag.
Konzernchef Ola Källenius und Finanzvorstand Harald Wilhelm verweisen in entsprechender Mitteilung der Marke auf die laufende Modelloffensive: Mehr als 40 neue Modelle sollen zwischen 2025 und 2027 auf den Markt kommen. 2026 wurden unter anderem die neue S-Klasse, der EQS, der GLS sowie die Mercedes-Maybach S-Klasse eingeführt. Im Core-Segment kamen die neue elektrische C-Klasse, der GLE und das GLE Coupé hinzu, im Entry-Bereich der CLA und der GLB – jeweils als elektrifizierte Verbrenner und als vollelektrische Varianten. Für die Van-Sparte markiert der vollelektrische VLE den Auftakt einer neuen Architektur.
Wilhelm formuliert den Anspruch nüchtern: „Die Ergebnisse des ersten Quartals bestätigen, dass wir auf Kurs sind, unsere Jahresprognose zu erreichen.“ Die starke Nachfrage nach den neuen Produkten und gut gefüllte Auftragsbücher bildeten eine solide Grundlage für mehr Dynamik im zweiten Halbjahr. Der Fokus liege unverändert auf disziplinierter Umsetzung und strikter Kostendisziplin, um die Profitabilität zu sichern.
Elektrische Modelle als Wachstumstreiber in Europa
Beim Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge zeigt Mercedes-Benz Cars im ersten Quartal die deutlichste positive Bewegung. In Europa stieg der Elektroauto-Absatz um 34 Prozent, in Deutschland sogar um 36 Prozent. Der Auftragseingang für vollelektrische Modelle in Europa hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt – ein Plus von 107 Prozent. Getragen wird die Entwicklung nach Konzernangaben vor allem von der Nachfrage nach dem neuen vollelektrischen CLA, GLC und GLB.
Die Einordnung dieser Zahlen verlangt allerdings einen Blick auf die absolute Basis. Weltweit setzte Mercedes-Benz Cars im ersten Quartal 419.430 Fahrzeuge ab, davon 44.258 vollelektrische – ein Elektro-Anteil von rund 10,6 Prozent. Elektrifizierte Fahrzeuge insgesamt, also inklusive Plug-in-Hybride, kamen weltweit auf 19 Prozent, in Europa auf 41 Prozent. Mittelfristig strebt das Unternehmen einen xEV-Anteil von 40 Prozent an. Der Weg dorthin bleibt vor allem außerhalb Europas weit.
China bleibt der schwierigste Markt
In China belastet weiterhin ein intensiver Wettbewerb durch lokale Hersteller die Bilanz. Das Top-End-Geschäft entwickelte sich mit einem Rückgang um drei Prozent zwar besser als der Gesamtmarkt, der Druck auf das gesamte Pkw-Geschäft bleibt jedoch sichtbar: Ohne China stieg der weltweite Absatz um fünf Prozent – mit China sank er um sechs Prozent. Auf der Auto China 2026 stellte Mercedes-Benz mit dem vollelektrischen GLC L ein speziell auf den chinesischen Markt zugeschnittenes Modell vor. Es kombiniert KI-Funktionen auf Basis von MB.OS mit langem Radstand und steht für die angekündigte Lokalisierungsstrategie entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Auf Konzernebene zeigt sich die Marktverschiebung in den Kennzahlen deutlich. Der Umsatz sank im ersten Quartal um 4,9 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro, das EBIT um 16,8 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Bei Mercedes-Benz Cars fiel das bereinigte EBIT um 47,2 Prozent auf 933 Millionen Euro, die bereinigte Umsatzrendite halbierte sich nahezu von 7,3 auf 4,1 Prozent. Damit liegt sie zwar innerhalb der Prognosespanne von drei bis fünf Prozent, jedoch am unteren Rand jener Margenziele, die der Konzern in den vergangenen Jahren als Premiumanspruch formuliert hatte.
Vans und Finanzdienstleistungen stabilisieren das Bild
Mercedes-Benz Vans erreichte im ersten Quartal eine bereinigte Umsatzrendite von 10,1 Prozent und damit erneut einen zweistelligen Wert. Der Absatz ging leicht auf 80.256 Einheiten zurück, der eVan-Absatz legte hingegen um 29,1 Prozent zu. Mercedes-Benz Financial Services steigerte das bereinigte EBIT um 43,9 Prozent auf 413 Millionen Euro und übertraf mit einer bereinigten Eigenkapitalrendite von 13,3 Prozent die eigene Jahresprognose.
Der Free Cash Flow des Industriegeschäfts lag bei 1,86 Milliarden Euro und damit rund 21 Prozent unter dem Vorjahreswert. Trotz eines Mittelabflusses von 469 Millionen Euro für das laufende Aktienrückkaufprogramm erhöhte sich die Netto-Liquidität des Industriegeschäfts auf Konzernebene leicht auf 33,8 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr bestätigt Mercedes-Benz seine Prognose: Der Konzernumsatz soll auf Vorjahresniveau liegen, das EBIT deutlich darüber – allerdings vor allem, weil im Vorjahr Restrukturierungsaufwendungen das Ergebnis belastet hatten.
Quelle: Mercedes-Benz – Pressemitteilung









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