Mercedes EQS mit 800-Volt-Technik und 926 km Reichweite

Mercedes EQS mit 800-Volt-Technik und 926 km Reichweite
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Mercedes-Benz

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Mercedes-Benz hat die zweite Generation des Mercedes EQS vorgestellt. Die vollelektrische Luxuslimousine erhält eine grundlegend neue Elektroarchitektur, ein überarbeitetes Betriebssystem und eine Reihe von Technologien, die bislang in keinem deutschen Serien-Pkw zu finden waren, wie der Stuttgarter Automobilhersteller mitteilt. Mehr als ein Viertel der Fahrzeugumfänge wurde neu entwickelt oder überarbeitet.

Das technische Herzstück des neuen EQS ist der Wechsel auf 800-Volt-Technologie. Damit erreicht das Fahrzeug eine Ladeleistung von bis zu 350 kW. In zehn Minuten lassen sich so bis zu 320 Kilometer Reichweite (WLTP) nachladen. An 400-Volt-Ladestationen teilt eine intelligente Steuerung die Batterie virtuell in zwei Hälften, die jeweils mit bis zu 175 kW geladen werden. Ergänzt wird die Ladeinfrastruktur durch Plug & Charge bei teilnehmenden Betreibern.

Die größten Reichweitenzuwächse erzielt das Topmodell EQS 450+: Bis zu 926 Kilometer sind nach WLTP möglich – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorgänger. Strecken wie München–Paris oder Zürich–Hamburg sind damit rechnerisch ohne Ladestopp erreichbar. Grundlage dafür sind neue, im Unternehmen entwickelte Antriebseinheiten, ein Zweigang-Getriebe an der Hinterachse sowie Batterien mit optimierter Zellchemie. Bei gleichen Abmessungen speichern die neuen Akkus 122 statt 118 kWh nutzbarer Energie. Möglich macht das ein höherer Siliziumoxid-Anteil in den Anoden, der die gravimetrische und volumetrische Energiedichte gegenüber herkömmlichen Graphit-Anoden steigert. Zugleich wurde der Kobaltanteil weiter reduziert.

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Neu ist auch ein Einstiegsmodell: Der EQS 400 leistet 270 kW und verfügt über eine Batterie mit 112 kWh nutzbarem Energieinhalt. Er soll den Zugang zur EQS-Welt erschwinglicher machen. Ebenfalls erweitert wurde die Anhängelast der Hecktriebler: Mit 1600 Kilogramm wurde sie mehr als verdoppelt und nähert sich damit dem Niveau der 4Matic-Modelle mit 1700 Kilogramm. Daneben kann der neue EQS Strom ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid) oder ins eigene Zuhause (Vehicle-to-Home) einspeisen.

Mercedes EQS: Kein mechanisches Lenkrad mehr nötig

Als erster deutscher Automobilhersteller bringt Mercedes-Benz Steer-by-Wire in einen Serien-Pkw. Die Technologie wird wenige Monate nach der Markteinführung des neuen EQS verfügbar sein. Bei Steer-by-Wire gibt es keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern mehr – stattdessen übertragen Sensoren und Steuergeräte die Lenkeingaben elektronisch. Das ermöglicht eine flexibel anpassbare Lenkübersetzung und reduziert den Kraftaufwand beim Manövrieren. Unerwünschte Vibrationen durch Fahrbahnunebenheiten lassen sich dabei gezielt herausfiltern, ohne das Lenkgefühl zu beeinträchtigen.

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Ein flacheres Lenkrad öffnet den Blick aufs Fahrerdisplay und erleichtert das Ein- und Aussteigen. Die Systemarchitektur ist redundant ausgelegt: Bei einem Ausfall stellen Hinterachslenkung und radindividuelle Bremseingriffe weiterhin die Querführung sicher. Wer die klassische elektromechanische Lenkung bevorzugt, kann diese alternativ wählen.

Gleichfalls überarbeitet wurde das Fahrwerk. Die neue cloudbasierte Dämpferregelung mit Airmatic reagiert auf Geschwindigkeitsschwellen, indem sie Echtzeit-Daten anderer Mercedes-Benz-Fahrzeuge über das Mobilfunknetz bezieht und die Dämpfung kurz vor der jeweiligen Erhebung elektronisch anpasst. Die Rekuperationsleistung stieg auf bis zu 385 kW – ein Zuwachs von einem Drittel gegenüber dem Vorgänger.

Neues Betriebssystem übernimmt das Kommando

Das neue Mercedes-Benz Operating System MB.OS integriert und steuert sämtliche Fahrzeugaspekte. Es ermöglicht Over-the-Air-Updates der gesamten Fahrzeugsoftware und bindet KI-gestützte Funktionen ein, darunter den MBUX Virtual Assistant auf Basis von Microsoft-Technologie. Dieser ist in der Lage, komplexe, mehrteilige Dialoge zu führen, und wird auf dem Zentraldisplay durch drei verschiedene Avatare repräsentiert – darunter ein menschenähnlicher Avatar und die Figur „LittleBenz“.

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Der serienmäßige MBUX Hyperscreen fasst unter einer 141 Zentimeter breiten Glasfläche drei Displays zusammen. Im Fond stehen zwei 33,3 Zentimeter große Bildschirme mit neu gestalteten MBUX-Fernbedienungen zur Verfügung, über die sich unter anderem Videokonferenzen via Microsoft Teams, Zoom oder Webex abhalten lassen. Das Burmester High-End 3D-Surround-Soundsystem leistet 710 Watt und unterstützt Dolby Atmos.

Zu den weiteren Neuerungen zählen serienmäßiges Digital Light mit Mikro-LED-Technologie, das ein rund 40 Prozent größeres Beleuchtungsfeld erzeugt und dabei bis zu 50 Prozent weniger Energie verbraucht als die Vorgängertechnik, sowie ein Ultra Range Fernlicht mit bis zu 600 Metern Reichweite. Der Hepa-Filter hält bis zu 99,65 Prozent der Partikel aus der Außenluft fern. Neu ist außerdem eine Gurtheizung in den Vordersitzen, die sich auf bis zu 44 Grad Celsius erwärmt.

Im Bereich Individualisierung bietet das Manufaktur Made-to-Measure-Programm nun rund 125 Lackierungen. Erstmals ist der EQS auch mit vollständig lederfreiem Innenraum erhältlich.

Quelle: Mercedes-Benz – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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