So fährt die elektrische C-Klasse – erste Testfahrt

So fährt die elektrische C-Klasse – erste Testfahrt
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Mercedes / Dirk Weyenmeyer

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 4 min

Der elektrische Mercedes GLC ist noch nicht einmal auf dem Markt, da legen die Schwaben bereits das Schwestermodell in Limousinensilhouette nach. Auch die C-Klasse wird ab Sommer elektrisch und soll dabei nicht zuletzt dem neuen BMW i3 das Leben schwer machen.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, so heißt es in einem mit Spinnweben bestückten deutschen Sprichwort. Im vergangenen Jahr hatte BMW mit seinem neuen iX3 rund um die Münchner IAA den ganz großen Auftritt. Der im ungarischen Debrecen produzierte Elektro-SUV schlug prächtig ein und stahl dabei nicht zuletzt dem direkten Wettbewerber Mercedes GLC EQ die Schau, was die Mercedes-Verantwortlichen mehr als ärgerte.

Das dürfte beim Schwestermodell, der elektrischen Mercedes C-Klasse, nicht viel anders sein, denn auch hier ist der elektrische BMW i3 bei Publikumspremiere und Marktstart ein paar Wochen früher dran als der Wettbewerber mit Stern und dem selbstbewusst im Wind stehenden Plakettenkühlergrill. Der BMW i3 feiert in dieser Woche seine offizielle Weltpremiere, während sich die Mercedes-Fans noch ein paar Wochen gedulden müssen, ehe der C-Klasse EQ unter Applaus die Elektro-Showbühne betritt.

Unterwegs mit dem Entwicklungsteam der Elektro-C-Klasse

Wir waren mit dem Entwicklungsteam der neuen C-Klasse unterwegs und können die Vorfreude der Schwaben auf ihr neues Mittelklassemodell nachvollziehen. Bereits auf der Testrunde auf öffentlichen Straßen spielt die neue C-Klasse in einer völlig anderen Liga als der im vergangenen Jahr von Mercedes als elektrischer Hoffnungsträger gefeierte kleine Bruder CLA. Mehr Länge, mehr Radstand und Dämmstoffe allenthalben lassen einen so geräuschlos über die Landstraßen im Schwarzwald schweben, dass man meint, in einer luxuriösen E-Klasse oder gar Luxusmodell der S-Klasse zu sitzen. Die technische Plattform ist identisch mit dem elektrischen GLC, und so ist auch das neue C-Modell wahlweise mit Hinterrad- oder Allradantrieb unterwegs.

Mercedes / Dirk Weyenmeyer | Seitenansicht der neuen Mercedes C-Klasse EQ

Neben dem Basismodell des Mercedes C 300 EQ wird als zweite Motorvariante der C 400 EQ 4matic jene Kunden ansprechen, die mehr Leistung und insbesondere einen Allradantrieb wollen. Die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse dürften nach GLC-Vorbild gemeinsam 360 kW / 489 PS leisten und von einem 94 kWh großen Batteriepaket im Unterboden mit Energie versorgt werden. Damit sollten locker 700 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp drin sein. Derweil dürfte das 800-Volt-Bordnetz ein Tanktempo von bis 330 kW garantieren. Bleibt abzuwarten, ob der derart sportlich motorisierte Elektro-C-Klasse ebenfalls betont frühzeitig bei 210 km/h abgeriegelt wird.

Elektro C-Klasse von Mercedes überzeugt vor allem durch Komfort

Doch es ist beim Elektro-C-Modell nicht der Schub, der beeindruckt, sondern das Komfortniveau, für das nicht allein umfangreiche Dämmmaterialien sorgen, sondern auch die optionale Luftfederung, die sich je nach Tempo und angewähltem Fahrprogramm variabel Gegebenheiten und Fahrer anpasst. Als es beim scharfen Abbiegen auf der Landstraße beinahe im 120-Grad-Winkel Richtung Immendingen geht, wird deutlich, dass auch die C-Klasse auf Wunsch über eine Hinterachslenkung verfügt, die den Wendekreis um nahezu einen Meter verringern kann.

Da schauen die meisten Wettbewerber in die Röhre, denn so viele Komfortdetails bietet in der Mittelklasse kaum ein Auto. Im Innenraum ist die Limousine auf dem Niveau des GLC mit bekannten Großdisplays, bequemen Sitzen einem serienmäßigen Panoramadach, das sich nicht mit einer Jalousie verschatten lässt.

Mercedes / Dirk Weyenmeyer | Heckansicht Mercedes C-Klasse EQ

Noch größer werden die Unterschiede im Fahrverhalten, als es mit dem zweiten Prototypen auf den Handlingkurs geht. Auch beim ambitionierten Tempo und austesten des Grenzbereichs bewegt sich die E-C-Klasse spürbar ruhiger und souveräner als der kleine CLA-Bruder. Größere Räder, mehr Radstand und eine breitere Spur machen sich neben dem größeren Batteriepaket ebenso bemerkbar wie das aufwendigere Fahrwerk mit breiteren Sportreifen. Wie sportlich der elektrische C 400 4matic zu bewegen ist, das dürften wohl nur wenige der Kunden im Realbetrieb austesten. Doch eines dürfte ebenso wie beim Mercedes CLA feststehen: die elektrische C-Klasse ist erstmals auf Augenhöhe mit den bekannten Verbrennerversionen – oder besser.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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