Fahrbericht Leapmotor C10 mit Range-Extender: Heiße Ware aus Fernost

Fahrbericht Leapmotor C10 mit Range-Extender: Heiße Ware aus Fernost
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Leapmotor

Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 4 min

Wenn aktuell eine heiße Marke im Stellantis-Konzern existiert, dann ist das Leapmotor. Nie gehört? Gerade einmal zehn Jahre alt, bietet der chinesische Autohersteller jede Menge Auto für überschaubares Geld. Bestes Beispiel ist der Mittelklasse-SUV Leapmotor C10, der elektrisch angetrieben mittlerweile auch mit Allradantrieb und Range-Extender verfügbar ist.

Die Range-Extender-Technik ist an sich ein Relikt aus der Anfangszeit der Elektromobilität. Als die Reichweiten vor rund einem Jahrzehnt kurz und die Ladesäulen rar waren, sollten die Reichweitenverlängerer für Entspannung bei den nicht ganz so mutigen Elektro-Erstkunden sorgen. Doch das Experiment mit dem doppelten Verbrennerboden und der Kraft der zwei Antriebsherzen floppte: die Modelle mit Range-Extender wurde schneller als erwartet von immer größeren Batteriepaketen und einem nennenswerten Zuwachs an Ladesäulen gefressen.

Trotzdem kommt die Hilfstechnik nun zurück, weil diese auf dem Massenmarkt China ein deutlich größeres Kundeninteresse hat. Davon profitieren auch europäische Kunden, die sich für ein Modell wie den 4,74 Meter langen Leapmotor C10 interessieren. Den gefälligen Elektro-Crossover gibt es mit Hinterrad-, Allradantrieb oder eben auch mit Range-Extender. Wer in den Elektro-SUV einsteigt, merkt schnell, was das bedeutet: die beiden Reichweitenanzeiger im Digitaldisplay loben gemeinsam eine Gesamtstrecke von mehr als 960 Kilometern aus, ehe der Leapmotor wieder an die Ladesäule muss – das ist mehr als Dieselniveau.

„Das Fahrzeug ist die optimale Lösung für Vielfahrer, die gleichzeitig auch elektrisch unterwegs sein möchten“, erläutert Leapmotor-CEO Tianshu Xin, „das gilt auch und gerade für die aktuelle Phase, in der die Weiterentwicklung der E-Mobilität nicht in jedem Land gleichermaßen linear verläuft. Der C10 REEV (Range Extended EV) wird uns deutliche Absatzimpulse verleihen – wir gehen davon aus, dass jeder zweite in Europa verkaufte C10 einer mit Reichweitenverlängerer sein wird.“ Bei einem Einstandspreis von 37.600 Euro dürfte er damit wohl Recht behalten, denn es gibt neben dem guten Platzangebot und einer mehr als ordentlichen Serienausstattung viel Elektro-Crossover fürs Geld und den Rettungsanker, dass lange Fahrten in den Urlaub oder zum Wochenendtrip nicht zum Ladeärgernis werden, denn die Ladegeschwindigkeit der Modelle von Leapmotor ist aktuell noch ein echtes Manko.

Keine Angst vor Langstrecken

Technisch gesehen ist der Leapmotor C10 REEV eine Art Plug-in-Hybrid mit besonders großer elektrischer Reichweite. Neben dem 28,4 kWh großen Batteriepaket im Unterboden, der den 158 kW / 215 PS starken Elektromotor mit Energie versorgt, bietet ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Benziner eine Addition von Elektro- und Verbrennerreichweite. Rein elektrisch schafft der C10 bei vollem Akkupaket bis zu 145 Kilometer. Im Normalbetrieb ist der Leapmotor C10 REEV elektrisch unterwegs, wobei ausschließlich der Elektromotor die Hinterräder antreibt. Der Crossover ist flott genug unterwegs, auch auf längeren Strecken kommen mit 170 km/h Spitzentempo kaum Wünsche nach Mehrleistung auf.

Leapmotor

Wer auf den Putz hauen möchte, steigt in den Leapmotor C10 mit elektrischem Allradantrieb – der protzt mit imposanten 440 kW / 598 PS und 800-Volt-Bordnetz. Wer sich das überschaubare Leistungsspektrum der anderen Stellantis-SUV mit Elektroantrieben bei Peugeot, Opel, DS oder Citroën anschaut, bekommt in der Topversion kaum mehr als 320 PS. Da ist der C10 AWD eine echte Speerspitze. In Europa gehört das Joint Venture Leapmotor International zu 51 Prozent Stellantis und zu 49 Prozent der Kernmarke Leapmotor. So wollte Leapmotor einen Zugang zu europäischen Märkten und insbesondere Händlern bekommen und Stellantis sich chinesische Technik und eine breitere Produktpalette mit Zugang zum China-Markt ins Hause holen.

Wenn die Batterieladung im C10 REEV zu niedrig wird, schaltet sich zur Stromerzeugung weitgehend geräuschlos der gut gekapselte Verbrenner ein und lädt so die Batterie wieder auf – das bringt letztlich eine stattliche Reichweite bis an die 1000-Kilometer-Marke. Der WLTP-Normverbrauch auf dem Papier ist mit 0,4 Liter Super auf 100 Kilometern minimal – der CO2-Ausstoß mit 10 g winzig. Auf Strecke allerdings liegt der Verbrauch um ein Vielfaches höher, je nach Fahrweise mit einer 5 bis 7 vor dem Komma. An der Ladesäule kann der C10 extern nur mit etwas schmalen 65 kW nachgeladen werden. Das ist nicht viel, Vielfahrer dürften daher kaum auf die Ladetechnik des Chinesen setzen, sondern den Verbrenner die Energie beisteuern lassen.

Leapmotor

Im Innern ist der Leapmotor C10 REEV von seinen Brüdern ohne Range-Extender nicht zu unterscheiden. Es gibt viel Raum, eine solide Verarbeitung und eine Bedienung der Neuzeit ohne haptische Taster. Nahezu alles wird über den zentralen 15-Zoll-Bildschirm bedient und das macht es nicht immer einfach, sich in den Untermenüs zurecht zu finden, um Warntöne auszustellen oder Einstellungen zu ändern. Ein paar Direkttaster fehlen und der Sitzkomfort der Kunstlederstühle könnte auf längeren Strecken besser sein. Wieso bei aller Hightech-Ausstattung ein Head-Up-Display ebenso fehlt wie abblendbare Spiegel, dürfte ein chinesisches Geheimnis bleiben.

Doch das Geräuschniveau ist gering, das Platzangebot vorne wie hinten gut und für knapp 40.000 Euro gibt es sonst deutlich schlechtere Crossover – mit oder ohne Elektroantrieb – ganz sicher aber ohne Range-Extender. Der Fahrwerksabstimmung fehlt etwas die Detailliebe, denn gerade bei langen Bodenwellen schwingt die Karosserie nach, während Bodenunebenheiten wie Straßenbahnschienen oder zerborstene Fahrbahnen sich im Innenraum stärker als gewünscht bemerkbar machen.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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