So fährt sich der Kia EV5 GT-Line: Komfort vor Dynamik

So fährt sich der Kia EV5 GT-Line: Komfort vor Dynamik
Copyright ©

Elektroauto-News.net

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 9 min

Die erste Testfahrt des neuen Jahres markierte zugleich den Auftakt zu einer ganzen Reihe an Fahrterminen, die 2026 noch folgen werden. Der Kontrast hätte dabei kaum größer sein können. Während der Start in Deutschland von eisigen Temperaturen, feuchten Straßen und klassischem Wintergrau geprägt war, empfing Barcelona Mitte Januar mit fast frühlingshaften Bedingungen. Milde Temperaturen, trockener Asphalt und viel Sonnenschein bestimmten die Kulisse.

Diese Rahmenbedingungen wirken sich nicht nur auf das subjektive Fahrgefühl aus, sondern auch auf Verbrauch, Reichweite und das generelle Auftreten eines Elektroautos – ein Aspekt, der bei der Einordnung der Eindrücke nicht ausgeblendet werden darf. Unterwegs war ich mit Kia. Um nicht nur den Kia EV5 GT-Line zu fahren, sondern am Nachmittag auch den Kia PV5.

Kia PV5 Passenger, PV5 Cargo und EV5 in Reih und Glied stehend

Natürlich war ich nicht alleine vor Ort, was zur Folge hatte, dass nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung stand, um einen ersten Eindruck vom Elektro-SUV im C-Segment zu gewinnen. Dennoch ist es gelungen, zumindest kurze Abschnitte wie Stadtverkehr, ein kurzer Autobahnabschnitt sowie Fahrten über Land mit hohem Kurven- und Berganteil zurückzulegen. Tiefgehende Analysen waren unter diesen Voraussetzungen nicht möglich, wohl aber eine erste Einordnung, wie sich der EV5 GT positioniert und welche Schwerpunkte Kia bei diesem Modell setzt.

Positioniert wird der EV5 zu Marktbegleitern wie dem Smart #5, dem VW ID.4 / ID.5 sowie Škoda Enyaq, um nur einige gängige Modelle am Markt zu nennen. Es verwundert daher nicht, dass man von deren Marktanteil etwas abgreifen möchte. Dass das funktionieren kann, so viel sei bereits verraten, erscheint durchaus möglich.

Klare Kanten statt gefälliger Beliebigkeit im Design

Optisch ordnet sich der Kia EV5 klar in die aktuelle Designsprache der Marke ein. Die Nähe zu EV9 und EV3 ist gewollt und sofort erkennbar, ohne dass der EV5 wie der mittlere Bruder der beiden Modelle erscheint. Die Front wirkt kantig und selbstbewusst, geprägt von der flächigen Gestaltung, der klaren Linienführung und der markentypischen Lichtsignatur. Gerade in der GT-Line-Ausführung unterstreichen dunkle Akzente, spezifische Felgen und Details in Hochglanzschwarz den etwas sportlicheren Anspruch, ohne ins Überzeichnete abzurutschen.

In der Seitenansicht fällt auf, wie ausgewogen die Proportionen sind. Trotz seiner Länge wirkt der EV5 nicht wuchtig, was an der klaren Flächenaufteilung und der betont horizontalen Linienführung liegt. Die hohe Schulterlinie und die markante D-Säule sorgen für Präsenz, ohne die Übersicht nach außen unnötig einzuschränken. Gerade im Stadtverkehr bestätigt sich dieser Eindruck: Man sitzt erhöht, fühlt sich sofort orientiert und bekommt die Fahrzeugabmessungen gut eingeschätzt.

Am Heck setzt Kia auf eine eigenständige Interpretation der bekannten Lichtgrafik. Die horizontal gezogenen Rückleuchten lassen den EV5 breiter wirken, während der klar strukturierte Stoßfänger und der zurückhaltend integrierte Dachspoiler das Design abrunden.

Design zwischen Vernunft und emotionaler Zurückhaltung

Im direkten Umfeld von Wettbewerbern wie dem Smart #5, dem VW ID.4 beziehungsweise ID.5 oder dem Skoda Enyaq positioniert sich der EV5 designseitig bewusst zwischen Sachlichkeit und emotionaler Kante. Er ist weniger verspielt als der Smart, weniger technisch-nüchtern als der Volkswagen und insgesamt etwas kantiger als der Skoda. Genau diese Mischung könnte für viele Käufer:innen attraktiv sein, die ein modernes Elektro-SUV suchen, ohne sich optisch festlegen oder erklären zu müssen.

Relevanter als das Erscheinungsbild dürfte im Alltag das Fahrerlebnis sein. Aus dem 81,4 kWh fassenden Akku lassen sich laut WLTP-Messung bis zu 505 km kitzeln, der Motor leistet 160 kW (218 PS). Schon im Stadtverkehr fällt auf, wie ausgeglichen der Kia EV5 abgestimmt ist. Trotz seiner Außenmaße von 4610 mm Länge, 1875 mm Breite und rund 1680 mm Höhe wirkt das E-SUV nicht sperrig. Im Gegenteil: Die Abmessungen lassen sich gut einschätzen, was gerade im urbanen Umfeld Vertrauen schafft. Die Übersicht überzeugt dabei weniger durch kompakte Maße als durch die klare Gestaltung, die hohe Sitzposition und die gute Rundumsicht. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den langen Radstand von 2750 mm, der für ein stabiles, ruhiges Fahrverhalten sorgt.

Gerade im dichten Verkehr zahlt sich diese Kombination aus. Beim Abbiegen werden Kamerabilder direkt im Display hinter dem Lenkrad eingeblendet, was den Blick auf querende Radfahrer oder Fußgänger deutlich erleichtert. Die Darstellung ist klar, gut integriert und hilft, die Fahrzeugbreite sicher zu führen. So entsteht trotz der Größe ein Gefühl von Kontrolle und Übersicht, das man in diesem Segment nicht bei jedem Modell in dieser Konsequenz findet.

Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist die Rekuperation. Sie lässt sich über die Pedals am Lenkrad in vier Stufen einstellen, ergänzt um einen automatischen Modus sowie i-Pedal-Drive. Während der Fahrt können Anpassungen intuitiv und ohne Umwege vorgenommen werden, etwa beim Wechsel von flüssigem Verkehr zu Stop-and-go. Genau hier setzt sich der EV5 spürbar von vielen Wettbewerbern im C-SUV-Segment ab. Im Vergleich zu Modellen wie ID.4, ID.5, Enyaq oder Smart #5 wirkt die Bedienlogik direkter und weniger menülastig. Statt Einstellungen über Touchscreens oder Untermenüs vornehmen zu müssen, reicht ein kurzer Impuls am Lenkrad, um das Fahrverhalten situativ anzupassen.

Die Übergänge zwischen Segeln, Rekuperieren und Bremsen sind dabei harmonisch abgestimmt. Das System reagiert nachvollziehbar, verzichtet auf abrupte Verzögerungen und bleibt jederzeit gut kontrollierbar. Gerade im urbanen Umfeld erhöht das den Fahrkomfort deutlich und trägt dazu bei, dass sich der EV5 trotz seiner Größe leicht und entspannt bewegen lässt. In dieser Konsequenz gehört die Rekuperationsabstimmung zu den klaren Stärken des Modells und hebt es im direkten Wettbewerbsvergleich positiv hervor.

Ebenfalls überzeugend zeigte sich die Verkehrszeichenerkennung. Tempolimits wurden zuverlässig erkannt und korrekt angezeigt, ohne die Fehlinterpretationen, die man aus manch anderen Systemen kennt. In Kombination mit den Assistenzfunktionen entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das den Fahrer unterstützt, ohne ihn zu bevormunden. Im bisherigen Vergleich innerhalb des Segments gehört diese Umsetzung zu den besseren Lösungen.

Kia EV5 setzt Komfort klar vor fahrdynamische Ambitionen

Auf der Landstraße setzt sich dieser Eindruck konsequent fort. Der EV5 GT-Line ist klar auf Komfort und Stabilität ausgelegt, nicht auf fahrdynamische Reize. Das Fahrwerk filtert Unebenheiten souverän weg, ohne dabei nachzuwippen oder schwammig zu wirken. Gerade auf wechselndem Asphalt bleibt das Auto ruhig und gut kontrollierbar. Die Lenkung ist leichtgängig und eher synthetisch, liefert ausreichend Präzision für den Alltag, verzichtet aber bewusst auf sportliche Rückmeldung.

Dynamik steht spürbar nicht im Vordergrund. Stattdessen vermittelt der E-SUV ein hohes Maß an Sicherheit und Gelassenheit, auch bei zügiger Fahrt auf kurvigen Landstraßen. Unter den guten Bedingungen in Barcelona wirkt das Gesamtpaket sehr ausgewogen und stressfrei. Gleichzeitig sollte man im Hinterkopf behalten, dass sich diese Charakteristik bei winterlichen Temperaturen und auf weniger griffigem Untergrund etwas nüchterner anfühlen dürfte – ohne den grundsätzlichen Komfortanspruch infrage zu stellen.

Auf der Autobahn zeigt sich der EV5 stabil bis zu typischen Reisetempi. Wind- und Abrollgeräusche bleiben im Rahmen, nehmen bei höheren Geschwindigkeiten jedoch spürbar zu. Die Assistenzsysteme arbeiten unauffällig und präzise. Auch hier bleibt der Eindruck eines Autos, das nicht durch Sportlichkeit, sondern durch Ruhe und Berechenbarkeit überzeugen will.

Innenraum als Rückzugsort für lange Strecken

Der Innenraum der GT-Line unterstreicht diese komfortorientierte Ausrichtung konsequent. Das Lounge-artige Ambiente entsteht durch die klare horizontale Architektur, hochwertige Oberflächen und eine zurückhaltende, aber wirkungsvolle Materialauswahl. Die Sitze bieten guten Langstreckenkomfort, ohne sportlich straff zu wirken, und fügen sich stimmig in das insgesamt ruhige Raumgefühl ein. Die breite Displaylandschaft ist logisch in das Armaturenbrett integriert und dominiert den Innenraum nicht, sondern wirkt wie ein funktionaler Bestandteil der Gestaltung. Alles erscheint aufgeräumt und modern, ohne kühl oder technisch überladen zu wirken.

Gleichzeitig zeigt sich, dass der EV5 GT-Line eine gewisse Eingewöhnung verlangt. Die Vielzahl an Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten ist hoch, folgt jedoch einer nachvollziehbaren Struktur. Nach kurzer Zeit lassen sich zentrale Bedienvorgänge intuitiv ausführen, ohne ständig den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Gerade auf längeren Strecken dürfte der EV5 hier seine Stärken ausspielen, da Sitzkomfort, Raumgefühl und Bedienlogik auf entspanntes Reisen ausgelegt sind und weniger auf kurzfristige Effekte oder sportliche Inszenierung.

Kia EV5 – Kurzfazit: Verbrauchswerte, die zum Streckenprofil passen

Nach rund 65 Kilometern hatte ich das Ziel der Reise erreicht. Der Bordcomputer zeigte einen Verbrauch von etwa 24,2 kWh pro 100 Kilometer. Angesichts der milden Temperaturen in Barcelona ist das kein Spitzenwert, ordnet sich jedoch im Rahmen dessen ein, was bei Größe, Gewicht, GT-Line-Ausstattung und 19-Zoll-Bereifung zu erwarten ist. Ein Blick in den Langzeitspeicher zu Beginn der Fahrt relativiert diesen Eindruck zusätzlich. Dort war hinterlegt, dass andere Fahrer:innen zuvor über mehr als 500 Kilometer einen Durchschnittsverbrauch von 25,1 kWh pro 100 Kilometer erzielt hatten.

Elektroauto-News.net

Beide Werte erscheinen für nahezu frühlingshafte Bedingungen – im Vergleich zu Deutschland – zunächst hoch. Sie lassen sich jedoch gut durch das Streckenprofil erklären, das eine breite Mischung aus Stadtverkehr, Landstraße, Autobahnabschnitten sowie eine zum Ziel hin deutlich ansteigende, kurvige Passage beinhaltete. Gerade diese letzten Kilometer forderten dem Antrieb spürbar Tribut ab. Was sicherlich auch eher an der sportlichen Fahrweise lag. Unter winterlichen Bedingungen, wie sie zeitgleich in Deutschland herrschten, dürfte sich der Verbrauch entsprechend weiter nach oben verschieben. Doch das sehen wir spätestens, wenn der EV5 von Kia für einen längeren Test bei uns vorbeischaut.


Disclaimer: Kia hat zum Kennenlernen des EV5 nach Barcelona eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Erfahrungsberichte

Erster Kontakt mit Kia PV5 Passenger in Barcelona

Erster Kontakt mit Kia PV5 Passenger in Barcelona

Sebastian Henßler  —  

Der Kia PV5 Passenger zeigt im ersten Test, was ein Elektro-Kleinbus leisten kann. Viel Raum, hoher Komfort und klare Grenzen bei Dynamik und Geräuschkomfort.

Was der Cupra Born VZ besser kann als der normale Born

Was der Cupra Born VZ besser kann als der normale Born

Sebastian Henßler  —  

Kälte, Nässe und kurze Tage: Der Cupra Born VZ wurde unter winterlichen Bedingungen gefahren. Wie sportlich, effizient und alltagstauglich er sich dabei zeigt.

Plug-in-Hybrid aus Italien: Was kann der Alfa Romeo Tonale?

Plug-in-Hybrid aus Italien: Was kann der Alfa Romeo Tonale?

Henning Krogh  —  

Plug-in statt rein elektrisch: Warum Stellantis bei Alfa Romeo auf Hybrid setzt und was der Tonale im echten Fahralltag leisten kann, zeigt unser Test.

BYD Atto 2 PHEV: Kompakt-SUV mit klarer Hybrid-Strategie

BYD Atto 2 PHEV: Kompakt-SUV mit klarer Hybrid-Strategie

Wolfgang Gomoll  —  

BYD bringt den Atto 2 als Plug-in-Hybrid nach Europa. Bis zu 1000 km Reichweite sollen ihn für Diesel-Fahrer interessant machen. Wir sind ihn gefahren.

Diese 7 E-Autos haben uns 2025 besonders gut gefallen

Diese 7 E-Autos haben uns 2025 besonders gut gefallen

Daniel Krenzer  —  

Kurz vor Jahresende haben wir in der Redaktion wieder die Köpfe zusammengesteckt und entschieden: Das sind unsere Test-Lieblinge aus dem Jahr 2025.

Xpeng G6 Performance: Das kann das neue Lade-Monster

Xpeng G6 Performance: Das kann das neue Lade-Monster

Daniel Krenzer  —  

Wer bei einer Ladepause mit dem Xpeng G6 keine Ladestation mit vollem Akku blockieren möchte, muss sich mitunter sehr beeilen.