Hyundai Ioniq 5N – warum Emotion elektrisch sein kann

Hyundai Ioniq 5N – warum Emotion elektrisch sein kann
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Hyundai | Hyundai Ioniq 5N – Eindrücke beim Fahren des Performance-Stromers

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Elektromobilität wird in der öffentlichen Debatte meist über Zahlen definiert. Reichweite, Ladeleistung, Verbrauch. Dabei steht Vernunft oft im Vordergrund. Bei einer Hyundai-Fahrveranstaltung nahe Frankfurt rückte mit dem Ioniq 5N jedoch ein anderer Aspekt in den Mittelpunkt: die Frage, ob ein Elektroauto so richtig Emotionen vermitteln kann – und zwar nicht nur durch Beschleunigungswerte alleine, sondern durch ein bewusst gestaltetes Fahrerlebnis.

Schon beim Einsteigen wird deutlich, dass hier mehr als nur ein leistungsstarkes Derivat eines bekannten Modells steht. Tiefer positionierte Sportschalensitze, ein Lenkrad mit speziellen N-Tasten und Schaltwippen sowie eine eigenständig abgestimmte Benutzeroberfläche setzen den Ton. Das Interieur verbindet digitale Klarheit mit sportlicher Inszenierung. Zwei 12,3-Zoll-Displays und ein Head-up-Display liefern alle relevanten Informationen, ohne überladen zu sein. Gleichzeitig entsteht eine Atmosphäre, die eher an einen Performance-Kompakten erinnert als an ein nüchternes Elektroauto.

Technisch betrachtet liefert der Ioniq 5N Werte, die ihn in ein anspruchsvolles Umfeld werfen: Zwei Elektromotoren treiben Vorder- und Hinterachse an. Die Systemleistung beträgt 448 kW, mit aktiviertem N Grin Boost stehen kurzfristig 478 kW und bis zu 770 Nm Drehmoment bereit. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 3,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 260 km/h. Diese Zahlen sind eindrucksvoll, doch sie erklären nur einen Teil des Konzepts.

Zwischen Simulation und Inszenierung entsteht echtes Fahrgefühl

Hyundai hat bewusst versucht, die typischen Merkmale eines leistungsstarken Verbrenners in die elektrische Welt zu übertragen. Das System N e-Shift simuliert ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, inklusive spürbarer Zugkraftunterbrechung beim Gangwechsel. Über die Paddles am Lenkrad lässt sich je nach gewähltem Fahrmodus unterschiedlich eingreifen: Im normalen Betrieb regulieren sie die Rekuperationsstufen, bei aktiviertem N e-Shift übernehmen sie die Rolle virtueller Schaltwippen. Ein digitaler Drehzahlmesser signalisiert den idealen Schaltzeitpunkt und simuliert das Verhalten eines Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes. Ergänzend erzeugt N Active Sound+ unterschiedliche Klangcharaktere, die je nach Modus variieren. Dabei geht es weniger um Lautstärke als um Rückmeldung. Der Fahrer erhält akustische und haptische Signale, die das Geschehen besser einordnen lassen.

Hyundai Ioniq 5N bei voller Fahrt
Hyundai | Hyundai Ioniq 5N bei voller Fahrt

Auf der Strecke zeigt sich, dass diese Maßnahmen nicht bloß ein reiner Marketing-Gag sind. Trotz eines Leergewichts von über zwei Tonnen bewegt sich das Auto stabil und präzise. Die speziell entwickelte Aufhängung, die 21-Zoll-Schmiedefelgen mit 275er-Bereifung und die große Bremsanlage mit 400 Millimetern Scheibendurchmesser vorne sorgen für ein direktes Fahrgefühl. Das elektronische Sperrdifferenzial an der Hinterachse, die variable Drehmomentverteilung und der weiterentwickelte Drift Optimizer ermöglichen eine gezielte Beeinflussung des Fahrverhaltens. Wer möchte, kann das System sehr fein abstimmen und das Auto aktiv bewegen.

Blick auf die Einstellmöglichkeiten des Hyundai Ioniq 5N
Hyundai | Blick auf die Einstellmöglichkeiten des Hyundai Ioniq 5N

Gleichzeitig bleibt die Alltagstauglichkeit erhalten. Fünf Sitzplätze, ein Kofferraumvolumen von 480 Litern und eine umfangreiche Serienausstattung mit Assistenzsystemen machen den Ioniq 5N zu einem vollwertigen Begleiter im täglichen Einsatz. Im Eco-Modus fährt er sich ruhig und komfortabel, die adaptiven Dämpfer filtern Unebenheiten sauber heraus. Die intelligente Verkehrszeichenerkennung wurde zum aktuellen Modelljahr verfeinert, Matrix-LED-Scheinwerfer gehören inzwischen zur Serienausstattung. Auch Funktionen wie ferngesteuertes Einparken oder eine 360-Grad-Kamera unterstreichen den Anspruch, nicht nur auf Performance reduziert zu werden.

 Heck des Ioniq 5N
Hyundai | Heck des Ioniq 5N

Der WLTP-Verbrauch liegt bei 21,2 kWh pro 100 Kilometer. In der Praxis hängt der Wert stark vom Fahrstil ab. Wer die Leistung regelmäßig abruft, wird deutlich höhere Verbräuche feststellen. Wer moderat unterwegs ist, kann die Effizienz steigern – allerdings widerspricht das etwas der Charakteristik des Autos. Dank der 800-Volt-Architektur lässt sich die Batterie an geeigneten Schnellladesäulen in rund 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. Damit bleibt auch bei dynamischer Nutzung eine gewisse Planbarkeit erhalten.

Ein Elektroauto, das man nicht braucht – aber trotzdem will

Preislich beginnt der Ioniq 5N bei 75.900 Euro. Optional stehen im Wesentlichen ein Panorama-Glasdach und ein Sitzpaket mit Alcantara-Leder-Kombination zur Wahl. Die Ausstattung ist ansonsten nahezu vollständig. Am Ende steht eine Einordnung, die über das einzelne Modell hinausgeht. Der Ioniq 5N ist kein Elektroauto, das man aus rationalen Gründen benötigt. Er ist vielmehr ein Angebot an jene, die Elektromobilität nicht ausschließlich als effiziente Fortbewegung verstehen möchten. Beschleunigung, Klang, Schaltgefühl und Fahrdynamik werden hier nicht als Relikt einer vergangenen Technik betrachtet, sondern als Teil eines neuen Ansatzes.

Damit öffnet Hyundai eine Tür für Menschen, die bisher vor allem mit leistungsstarken Verbrennern sozialisiert wurden. Der Ioniq 5N zeigt, dass elektrischer Antrieb nicht zwangsläufig mit emotionaler Distanz verbunden sein muss. Er steht für die These, dass Begeisterung auch ohne fossile Energie möglich ist – und dass ein Elektroauto durchaus mehr sein kann als eine vernünftige Entscheidung.

Disclaimer: Hyundai hat zum Kennenlernen des Ioniq 5N im aktuellen Modelljahr nach Frankfurt eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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