Als der Porsche Taycan 4S Cross Turismo Ende Dezember 2022 bereits einmal bei uns zu Gast war, stand ein intensiver Alltagstest im Mittelpunkt: Über sieben Tage hinweg kamen damals mehr als 1600 Kilometer zusammen – quer durch unterschiedliche Szenarien, von Stadt über Landstraße bis Autobahn. Nun, etwa drei Jahre später, schaute der Taycan erneut vorbei – in der Modellvariante 2026. Dieser zeitliche Abstand erlaubt eine differenzierte Einordnung: Wie wirkt das Konzept heute, nachdem sich Elektromobilität, Ladeinfrastruktur und Kundenerwartungen spürbar weiterentwickelt haben?
Grundsätzlich bleibt die Idee hinter dem Cross Turismo unverändert. Trotz erhöhter Bodenfreiheit und praktischerem Heck bleibt der Cross Turismo ein flach gebauter Sportkombi. Sitzposition, Schwerpunkt und Fahrverhalten unterscheiden ihn klar von einem klassischen SUV. Die gestreckte Dachlinie, die markanten Schultern und die sportliche Silhouette machen sofort deutlich, woher das Auto stammt.
Gleichzeitig bringt die Karosserieform praktische Vorteile mit sich. 446 Liter Kofferraumvolumen im Heck und ein zusätzlicher Stauraum unter der Fronthaube sorgen dafür, dass der Cross Turismo nicht nur als dynamischer Reisewagen, sondern auch als vollwertiger Alltagsbegleiter funktioniert. Im Vergleich zur Limousine entsteht spürbar mehr Variabilität, ohne dass die Proportionen ins Crossover-Format kippen.
Porsche Taycan 4S Cross Turismo Größe spürt man im Stadtverkehr
Im urbanen Umfeld zeigt sich jedoch, dass die äußeren Maße ernst genommen werden wollen. Mit knapp fünf Metern Länge und über zwei Metern Breite inklusive Spiegel wirkt der Taycan in Eisgraumetallic sehr präsent. Enge Parkhäuser oder schmale Straßen verlangen Aufmerksamkeit. Hier helfen Assistenzsysteme und die optionale Hinterachslenkung, die dem Auto bei niedrigen Geschwindigkeiten ein handlicheres Gefühl verleiht. Trotz seiner Größe lässt sich der Cross Turismo präzise rangieren, solange man die Dimensionen im Blick behält.





Im Stadtverkehr empfiehlt sich der normale Fahrmodus. Er ist ausgewogener als die sportlichen Einstellungen und lässt das Luftfahrwerk geschmeidig arbeiten. Unebenheiten werden sauber gefiltert, ohne dass das Auto seine direkte Ansprache verliert. Gerade im Vergleich zum Test aus dem Jahr 2022 bestätigt sich erneut: Der Taycan muss nicht permanent im Sport- oder Sport-Plus-Modus bewegt werden, um zu überzeugen. Im Alltag ist Zurückhaltung oft angenehmer – auch akustisch.

Sobald die Straßen freier werden, tritt die sportliche DNA deutlicher hervor. Der Taycan 4S Cross Turismo leistet bis zu 380 kW, im Overboost-Modus mit Launch Control stehen kurzzeitig bis zu 440 kW und ein maximales Drehmoment von 695 Nm bereit. Diese Leistungsreserven sorgen für eine unmittelbare Reaktion auf Strompedalbefehle. Beschleunigung erfolgt ohne Verzögerung, und Überholmanöver sind schnell abgeschlossen. Trotz eines Leergewichts von deutlich über zwei Tonnen fährt sich das Auto auf kurvigen Landstraßen neutral und kontrolliert. Der tiefe Schwerpunkt durch die im Fahrzeugboden integrierte Batterie trägt dazu bei, dass sich das hohe Gewicht in schnellen Richtungswechseln weniger bemerkbar macht, als man es erwarten würde.



Der Cross Turismo trägt bewusst eine leichte „Outdoor“-Note, ohne seine sportliche Grundausrichtung aufzugeben. Eine erhöhte Bodenfreiheit sowie spezielle Fahrwerksmodi erleichtern den Umgang mit schlechten Wegen, winterlichen Zufahrten oder Schotterparkplätzen. Gleichzeitig bleibt klar: Dieses Auto ist für Asphalt gemacht. Wer ernsthafte Geländetauglichkeit sucht, wird hier nicht fündig.
Hohe Geschwindigkeit mit bemerkenswerter Ruhe
Auf der Autobahn zeigt sich die andere Seite des Konzepts. Der Taycan erreicht 240 km/h und beschleunigt in unter vier Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wichtiger als die reinen Zahlen ist jedoch die Art, wie er hohe Geschwindigkeiten umsetzt. Auch jenseits der 200 km/h bleibt das Auto stabil, ruhig und präzise. Windgeräusche halten sich in Grenzen, das Fahrwerk vermittelt Sicherheit. Lange Etappen lassen sich mit einer Gelassenheit absolvieren, die man von einem Elektroauto dieser Leistungsklasse erwartet.



Allerdings wird hier auch die physikalische Realität sichtbar. Geschwindigkeit kostet Energie – und das deutlich. Während unseres aktuellen Tests über mehr als 1300 Kilometer lag der Durchschnittsverbrauch bei 25 bis 26 kWh pro 100 Kilometer. Ein relevanter Anteil entfiel dabei auf Autobahnetappen sowie winterliche Bedingungen. Niedrige Temperaturen erhöhen den Energiebedarf für Heizung und Batterietemperierung, zusätzlich steigt bei höherem Tempo der Luftwiderstand spürbar an.
Ein Teilabschnitt mit rund 320 Kilometern, geringem Autobahnanteil und höheren Außentemperaturen zeigte ein differenziertes Bild. Dort sank der Verbrauch auf 22,3 kWh pro 100 Kilometer. Diese Werte verdeutlichen, wie stark Fahrprofil und Wetter den Energiebedarf beeinflussen. Offizielle WLTP-Angaben liefern zwar einen Orientierungsrahmen, doch im Alltag entscheidet das individuelle Nutzungsprofil über die tatsächliche Reichweite.



Gerade deshalb spielt die Ladeleistung eine zentrale Rolle im Gesamtkonzept. Die 2026er-Variante verfügt über eine Nettobatteriekapazität von rund 97 kWh und nutzt weiterhin die 800-Volt-Architektur. Unter idealen Bedingungen sind sehr hohe DC-Ladeleistungen möglich, was kurze Ladepausen auf Langstrecken unterstützt. Bereits im früheren Test zeigte sich, dass selbst bei realistischen Rahmenbedingungen hohe Durchschnittsladeleistungen erreichbar sind. Das relativiert die Diskussion um absolute Reichweite, weil sich der Taycan stärker über Ladegeschwindigkeit als über Maximaldistanz definiert.




Charakteristisch bleibt auch die Rekuperationsstrategie. Porsche setzt nicht auf ein ausgeprägtes One-Pedal-Driving, sondern auf ein Fahrgefühl, das dem klassischen Rollen näherkommt. Verzögerung erfolgt kontrolliert und berechenbar, ohne starkes Bremsmoment beim Lupfen des Fahrpedals. Auf längeren Etappen ist das entspannend und fügt sich in die sportliche Grundauslegung ein.
Premium-Anspruch mit digitalen Schwächen
Im Innenraum kombiniert der Taycan hochwertige Materialien mit einer stark digital geprägten Bedienstruktur. Unser Testwagen war umfangreich ausgestattet, inklusive Lederinterieur, Panoramadach, hochwertigem Soundsystem und zahlreichen Assistenzsystemen. Materialqualität, Verarbeitung und Detailtiefe entsprechen klar dem Anspruch der Marke.

Im Alltag zeigt sich jedoch, dass die digitale Bedienlogik nicht durchgehend frei von Reibung ist. Das Touchdisplay in der Mittelkonsole reagierte im Test teilweise leicht verzögert auf Eingaben, was gerade bei der Klimasteuerung auffällt. Hinzu kam, dass die Fahrzeugsoftware während des Testzeitraums zweimal einen Neustart der Bildschirme ausführte – ohne erkennbaren Auslöser. Beide Male funktionierte das System anschließend wieder normal, dennoch bleibt ein solcher Vorgang im Gedächtnis, insbesondere in dieser Preisklasse. Ergänzend fällt auf, dass eine induktive Lademöglichkeit für das Smartphone nicht vorhanden war. Gerade in einem technisch so fortschrittlich positionierten Elektroauto ist das überraschend, da kabelloses Laden inzwischen in vielen Segmenten zum Standard gehört.
Hoher Anspruch hat seinen Preis
Preislich bewegt sich der Taycan 4S Cross Turismo deutlich im oberen Bereich. Die getestete Konfiguration lag bei rund 150.000 Euro brutto. Damit richtet sich das Auto an eine Zielgruppe, die Leistung, Technologie und Markenanspruch bewusst kombiniert sehen möchte. Die Konfiguration unseres Testwagens kann hier aufgerufen werden.

Rückblickend zeigt der erneute Kontakt nach dem Besuch 2022 vor allem Kontinuität. Das Grundkonzept ist auch 2026 stimmig: ein elektrisch angetriebener Sportkombi, der Dynamik, Komfort und Alltagstauglichkeit miteinander verbindet. Die Praxisverbräuche von 25 bis 26 kWh pro 100 Kilometer unter winterlichen Bedingungen sind realistisch, während 22,3 kWh pro 100 Kilometer bei moderater Fahrweise und wärmeren Temperaturen das Effizienzpotenzial unterstreichen.
Entscheidend ist dabei weniger die absolute Reichweitenzahl als die Gesamtcharakteristik. Der Taycan 4S Cross Turismo definiert sich nicht über maximale Sparsamkeit, sondern über ein ausgewogenes Verhältnis aus Leistungsfähigkeit, Fahrpräzision und Ladeperformance. Wer hohe Geschwindigkeiten regelmäßig nutzt, wird einen entsprechend höheren Energiebedarf in Kauf nehmen müssen. Gleichzeitig zeigt das Auto, dass sich bei angepasstem Tempo und passenden Rahmenbedingungen durchaus effiziente Werte erzielen lassen.

Vier Jahre nach dem ersten Test bestätigt sich somit der ursprüngliche Eindruck: Der Cross Turismo bleibt ein Angebot für Menschen, die Elektromobilität nicht als Verzicht, sondern als alternative Auslegung sportlicher Mobilität verstehen. Wer dieses Profil sucht und den finanziellen Rahmen akzeptiert, findet auch im Modelljahr 2026 ein technisch reifes und charakterstarkes Gesamtpaket.
Disclaimer: Der Porsche Taycan 4S Cross Turismo wurde uns für diesen Testbericht kostenfrei für den Zeitraum von einer Woche von Porsche zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.









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