Neue Prämie steigert das Interesse an Elektroautos deutlich

Neue Prämie steigert das Interesse an Elektroautos deutlich
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Laura Horst
Laura Horst
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Vor etwa zwei Wochen hat die Bundesregierung die Details zur neuen Elektroauto-Förderung für Privatpersonen bekanntgegeben. Einige Online-Verkaufsplattformen melden nun ein deutlich regeres Interesse an Stromern zurück, das sich in einer teilweise vervielfachten Zahl der Anfragen zeigt. Gleichzeitig wird aber auch Kritik laut, unter anderem von dem Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer.

Sowohl die Onlineplattformen Meinauto.de und Carwow als auch der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Preckruhn, bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur DPA ein sprunghaft angestiegenes Interesse an Elektroautos kurz nach Ankündigung der Förderung.

Traffic auf Internetseiten zu E-Autos stark angestiegen

Ein Sprecher von Meinauto.de teilte mit, dass sich der Traffic auf den Seiten zu Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Prämien gegenüber dem Dezember verzehnfacht habe. In geringerem Maß sei auch die Nachfrage nach anderen Antriebsarten gestiegen, wozu der Sprecher ergänzte: „Die Förderung hat bei vielen wohl den Wunsch auf Neuwagen geweckt“. Bei Carwow verdreifachten sich die Anfragen zu Elektroautos nach der offiziellen Ankündigung der Förderung, verglichen mit der Vorwoche. Insgesamt machen Elektroautos inzwischen fast drei Viertel der Anfragen aus.

„Wir sehen derzeit ein sehr hohes Interesse. Ich denke, es kommt bei den Privatkunden sehr gut an“, sagte ZDK-Präsident Peckruhn über das Förderprogramm. Ähnliche Programme, darunter die Abwrackprämie 2009 und auch die erste Elektroautoförderung, hätten ebenfalls deutliche Reaktionen bei den Kunden erzeugt. Mit dem abrupten Ende der Aktionen sei jedoch der starke Effekt auf Kundenseite schnell abgeebbt.

Effekt der Prämie erst in Monaten sichtbar

Durch das neue Förderprogramm können Privatkunden eine staatliche Förderung für reine Elektroautos, Plug-in-Hybride und Elektroautos mit Range-Extender erhalten, die seit dem 1. Januar 2026 zugelassen wurden, insofern die Kunden eine gewisse Einkommensgrenze nicht überschreiten. Auf der Kundenseite kommen laut Peckruhn viele Fragen auf, insbesondere bei Leasingverträgen und im Fall einer Vorfinanzierung der Prämie. Ein Teil der Kunden zögere daher aktuell noch und warte darauf, wie die Regelungen konkret aussehen.

Andere Kunden wiederum hätten bereits bestellt, viele noch 2025. Da zwischen der Bestellung von Neuwagen und der Neuzulassung in der Regel mehrere Monate vergehen, könne man den Effekt des Förderprogramms wahrscheinlich erst in einigen Monaten sehen. Dann zeigt sich laut Peckruhn auch, ob die Prämie lediglich Interesse erzeugt hat oder zu konkreten Verkaufsabschlüssen geführt hat.

Dudenhöffer: Markt braucht das Programm nicht

Trotz des gestiegenen Interesses an E-Autos stößt das Förderprogramm auch auf Kritik. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer nennt die Prämie „ein steuerfinanziertes Förderprogramm“, das der Markt nicht brauche, da steigende Rabatte den Elektroautoabsatz bereits vor Einführung der Förderung angetrieben hätten.

Kritik übt Dudenhöffer zudem an den Einkommensgrenzen, nach denen eine Familie die maximale Förderung von 6000 Euro nur erhält, wenn ihr Haushaltseinkommen maximal 45.000 Euro beträgt. „Familien mit Kindern, die über ein Jahreseinkommen von 45.000 Euro und weniger verfügen, kaufen üblicherweise Gebrauchtwagen und haben, wenn sie in Städten wohnen, üblicherweise keine Möglichkeit, eine Wallbox zu installieren“, sagte Dudenhöffer.

Elektroauto-Rabatte der Händler bisher unverändert

Schlechte Karten sieht der Experte außerdem für die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW, Mercedes und Porsche, die mit ihren vergleichsweise teuren Autos nur zusehen könnten. Das Umweltministerium habe mit der Förderprämie die Voraussetzungen für mehr billige Importe geschaffen, viele davon wohl aus China. „Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie wird durch eine kleine Sonderkonjunktur E-Auto nicht geholfen“, ergänzte Dudenhöffer.

Die im Vorfeld aufgekommenen Bedenken, die Hersteller könnten ihre Rabatte verringern, sobald der Staat die Autos billiger mache, wurden bisher nicht bestätigt. „Bis auf einige Lockvogel-Angebote konnten wir wenig systematische Veränderungen im Markt durch die Prämienankündigung erkennen“, sagte Dudenhöffer. Bei den wichtigsten von Dudenhöffer beobachteten Modellen sei der Rabatt auf Elektroautos im vergangenen Monat sogar leicht angestiegen.

Quelle: Handelsblatt – Prämie hebt Interesse an E-Autos stark und sorgt für Kritik

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