EU: Von der Leyen will am Verbrenner-Aus festhalten

EU: Von der Leyen will am Verbrenner-Aus festhalten
Copyright:

miss.cabul / Shutterstock / 2592420873

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen will wohl den Autoherstellern in Sachen CO2-Vorgaben nicht nochmal entgegenkommen und am Ende des fossilen Verbrenners ab 2035 festhalten: In einem Konzeptpapier für den heutigen Gipfel mit Vertretern der Autoindustrie, das dem Spiegel vorliegt, lassen sich allenfalls kleinere Ausnahmen erkennen.

Das bereits vor mehr als zwei Jahren festgelegte Ziel, ab 2035 komplett aus der Benzin- und Dieseltechnologie auszusteigen, halte die EU für „erreichbar“ und fordere dafür nun, dass alle Beteiligten „entschlossen und koordiniert handeln“. Die EU sei zwar offen, nach „sorgfältiger Prüfung“ über Ausnahmen für Plug-in-Hybride oder E-Autos mit Range-Extender zu diskutieren. Der angekündigte Prüfbericht wird im nächsten Frühjahr erwartet.

Bis auf weiteres halten die Verantwortlichen aus Brüssel aber am Kurs fest, sprich: Fossil betriebene Verbrenner dürfen ab 2035 nicht mehr verkauft werden, für bereits zugelassene Benziner und Diesel gilt Bestandsschutz. Im Zuge der aktuell gerade im Umfeld der IAA neu entfachten Debatte um ein Aufweichen der CO2-Ziele erinnert die EU daran, dass es erst Anfang des Jahres eine Lockerung gegeben hat, indem die eigentlich ab 2025 schärferen CO2-Grenzwerte auf drei Jahre gestreckt wurden.

In dem Konzeptpapier räumen die EU-Verantwortlichen ein, dass die aktuelle Situation der Automobilindustrie „strukturell herausfordernd“ sei und „kräftigeres und schnelleres Handeln“ erfordere, zitiert der Spiegel daraus. Eine Abkehr vom Verbrenner-Aus würde allerdings nicht dabei helfen, die strukturellen Probleme zu lösen, ist von der Leyen überzeugt. Außerdem zeigten aktuelle Zulassungszahlen, dass sich die „Elektrifizierung des Straßenverkehrs beschleunigt“, so das Papier, der Absatz von Elektroautos sei in der ersten Jahreshälfte um ein Viertel gestiegen.

Weitaus wichtiger, als die Lebensdauer von Verbrennern nun doch wieder zu verlängern, seien andere Maßnahmen wie etwa gemeinsame Anstrengungen von Politik und Wirtschaft für eine europäische Produktion von Batteriezellen, Anreize zur Produktion kleinerer, bezahlbarer E-Autos sowie die Stärkung der europäischen Position bei der Entwicklung von Automobilsoftware. Ein Thema, das sie nutze, um der Branche einen kleinen Seitenhieb zu verpassen, wie der Spiegel kommentiert: Bei diesem Zukunftsmarkt setze jeder Hersteller auf eine eigene Insellösung, weshalb „kostspielige Doppelarbeit“ genauso zu beobachten sei wie eine „zu fragmentierte europäische Zusammenarbeit“.

Diese Fragmente zu einem großen, stimmigen Bild zu vereinen, wird eine der Hauptaufgaben werden auf dem Weg zu einem klimafreundlicheren Verkehrssektor.

Quelle: Spiegel – Von der Leyen hält am Verbrenner-Aus fest

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Jetzt droht die Eskalation: VW will Tarifverträge kündigen

Jetzt droht die Eskalation: VW will Tarifverträge kündigen

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen will mehrere Haustarifverträge kündigen. Die IG Metall spricht von einem „üblen Foul“ und kündigt Widerstand an.

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

Tobias Stahl  —  

Kurz vor Beginn der Tarifrunde hat IG Metall 175.000 Beschäftigte mobilisiert. IG-Metall-Chefin Benner wirft den Auto-Vorständen strategisches Versagen vor.

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Daniel Krenzer  —  

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen fordern mehr Schutz für die Automobilindustrie, günstigeren Ladestrom und flexiblere CO₂-Vorgaben.

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

Tobias Stahl  —  

Europäische Hersteller könnten bis 2030 rund ein Viertel des hiesigen Markts für schwere E-Lkw an Hersteller aus China und den USA verlieren, warnt T&E.

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

Sebastian Henßler  —  

Der VDA erwartet bis 2035 den Verlust von 125.000 weiteren Autojobs in Deutschland und verweist auf hohe Energiekosten sowie fehlende Reformen.

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

Tobias Stahl  —  

Kurz vor einem geplanten Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping sorgt US-Präsident Trump mit überraschender Offenheit für Kritik aus Reihen der US-Hersteller.

Nachhaltiger Verkehr als Schlüssel für Afrikas Wohlstand

Nachhaltiger Verkehr als Schlüssel für Afrikas Wohlstand

Michael Neißendorfer  —  

Expertinnen und Experten von 50 Organisationen aus Afrika gestalten Strategien für ein zukunftsfähiges Verkehrssystem.