Extreme Kälte gilt als Härtetest für jede Antriebstechnologie. Umso aufschlussreicher sind die Ergebnisse des jüngsten norwegischen El Prix, bei dem Elektroautos bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad auf realen Strecken geprüft wurden. Die Botschaft aus Skandinavien fällt dabei klarer aus, als es reine Reichweitenzahlen zunächst vermuten lassen: Elektroautos sind wintertauglich – und oft besser vorbereitet, als ihnen nachgesagt wird.
Der El Prix des norwegischen Automobilclubs NAF misst bewusst nicht unter Idealbedingungen, sondern dort, wo E-Autos im Alltag funktionieren müssen. Dass dabei Reichweitenverluste von 30 bis teils über 40 Prozent gegenüber dem WLTP-Wert auftreten, überrascht kaum – schließlich ist der WLTP kein Wintertest. Entscheidender ist etwas anderes: Alle getesteten Fahrzeuge blieben zuverlässig fahrbereit, selbst bei extremer Kälte, Schnee und anspruchsvollen Streckenprofilen.
Modelle wie der Lucid Air, der Audi A6 e-tron oder der Mercedes CLA zeigen dabei, dass moderne E-Autos selbst unter Extrembedingungen Reichweiten erzielen, die für den Alltag mehr als ausreichend sind. Mehr als 400 Kilometer reale Winterreichweite bei -30 Grad sind kein theoretischer Wert, sondern bei vielen Modellen realistisch möglich – und ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Generationen.
Energiebedarf im Winter wird immer kontrollierbarer
Wichtig ist die richtige Einordnung: Reichweitenverluste im Winter sind kein spezielles Problem der Elektromobilität, sondern ein physikalischer Effekt, der alle Antriebe betrifft. Während E-Autos Energie für Batterie- und Innenraumheizung benötigen, kämpfen Verbrenner bei extremer Kälte mit Startproblemen, ebenfalls höherem Verbrauch, verzögerter Abgasnachbehandlung und erhöhtem Verschleiß.
Selbst bei arktischen Temperaturen schnitten zuletzt Elektrofahrzeuge in Alaska im Vergleich zu Diesel-Modellen zuletzt ökonomisch und ökologisch besser ab. Die Fahrzeuge blieben zuverlässig einsatzfähig, während die Betriebskosten – trotz Reichweitenverlust – unter denen fossiler Alternativen lagen. Das relativiert die Reichweitendebatte deutlich.
Der El-Prix-Vergleich zeigt zudem, wie stark sich die Technik weiterentwickelt hat. Effiziente Wärmepumpen, ausgefeilte Thermomanagement-Systeme und leistungsfähige 800-Volt-Architekturen sorgen dafür, dass der Energiebedarf im Winter zunehmend kontrollierbarer wird. Fahrzeuge ohne diese Systeme fallen deutlich stärker zurück – ein klarer Hinweis darauf, wo die Reise hingeht.
Vorkonditionierung im Winter besonders hilfreich
Hinzu kommt: Während Reichweite im Winter sinkt, bleibt das Laden kalkulierbar. Moderne E-Autos konditionieren ihre Batterien gezielt vor Schnellladevorgängen, wodurch auch bei Frost stabile Ladeleistungen möglich sind. Das minimiert Standzeiten und erhöht die Alltagstauglichkeit – selbst auf Langstrecken. Im Test fiel der Xpeng G9 beim Laden als besonders stark, der Mazda 6e sowie der Suzuki e Vitara hingegen als besonders langsam auf.
Der norwegische Härtetest liefert daher keine Argumente gegen die Elektromobilität, sondern vor allem gegen unrealistische Erwartungen an Normwerte. Wer WLTP-Angaben als Wert unter Optimalbedingungen versteht, erlebt im Winter keine bösen Überraschungen. Im Gegenteil: Die Ergebnisse zeigen, dass Elektroautos heute selbst unter extremen klimatischen Bedingungen zuverlässig funktionieren. In Ländern wie Norwegen, wo E-Autos seit einigen Jahren bei den Neuzulassungen dominieren, ist das längst Alltag.
Quelle: El Prix – Veröffentlichung am 28. Januar 2026








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