China festigt Stellung als E-Auto-Leitmarkt, europäische Hersteller können nicht mithalten

China festigt Stellung als E-Auto-Leitmarkt, europäische Hersteller können nicht mithalten
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Eine aktuelle Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) verdeutlicht den weiter anhaltenden Vormarsch der Elektromobilität. Nach einem schlechten Jahr 2024 erholten sich die Verkaufszahlen in Deutschland und weiteren Ländern Europas. Chinesische Hersteller führen im Hinblick auf die Gesamtzahlen deutlich.

Der weltweite Pkw-Markt hat sich nach einem leichten Einbruch in den Corona-Jahren wieder stabilisiert. Die aktuellen Verkaufszahlen von Neuwagen aller Antriebsarten liegen bei knapp unter 80 Millionen Fahrzeugen (rund ein Prozent mehr als 2024). Der Markt für Elektrofahrzeuge, insbesondere batterieelektrische Fahrzeuge (BEV), entwickelt sich sogar deutlich stärker. Von gut 10,3 Millionen reinen Elektroautos im Jahr 2024 wuchsen die Verkaufszahlen 2025 um über 20 Prozent auf 12,7 Millionen Fahrzeuge an. Damit stieg der Zuwachs im Vergleich zum vorherigen Jahr um mehr als fünf Prozentpunkte.

Fraunhofer ISI / Absatzmarkt rein elektrisch betriebene Fahrzeuge (BEV) weltweit

Die Verkäufe von Plug-in-Hybriden (PHEV) konnten sich nach einem Boom vor zwei Jahren (+60 Prozent), ausgelöst insbesondere durch die in China aufgekommenen E-Autos mit Range-Extender (Extended Range Electric Vehicles – EREV), nicht weiter so positiv entwickeln. Der Markt wuchs von 2024 auf 2025 dennoch leicht um acht Prozent von 5,8 auf 6,3 Millionen Fahrzeuge an.

Fraunhofer ISI / Absatzmarkt Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV) weltweit

Die vom Fraunhofer ISI ausgewertete Statistik für Elektrofahrzeuge (EV) beschränkt sich auf Pkw (inkl. Vans und Pick-ups). Sie beinhaltet BEV- und PHEV-Modelle. Eine Unschärfe ergibt sich, da Lieferwagen je nach Quelle als Nutzfahrzeug oder als Van klassifiziert werden. Zudem waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht alle globalen Verkaufszahlen für Dezember 2025 verfügbar und mussten geschätzt werden. Dies erklärt die je nach Berichterstattung leicht unterschiedlichen Verkaufszahlen. Aus diesem Grund wird in diesem Beitrag nur mit gerundeten Zahlen gearbeitet. Neben dem Pkw-Sektor gibt es zunehmend größer werdende Zahlen an elektrifizierten Nutzfahrzeugen, insbesondere Bussen, die hier jedoch nicht betrachtet wurden.

Regionale Entwicklungen der Absatzmärkte für Elektrofahrzeuge

Zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie schrumpfte 2025 der Gesamtfahrzeugmarkt in China im Vergleich zum Vorjahr (-1 Prozent). Bei EV zeigte sich hingegen eine andere Entwicklung. Die Zulassungen für EV stiegen auf rund acht Millionen Fahrzeuge an (+23 Prozent). Dazu kamen ungefähr fünf Millionen PHEV-Fahrzeuge (+1 Prozent). Somit waren in China mehr als 50 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrifiziert. China setzt somit weiterhin Maßstäbe im Bereich der E-Mobilität und festigt seine Stellung als Leitmarkt.

Europas EV-Markt (EU27+3) erholt sich nach dem schlechten Jahr 2024 mit damals leichtem Marktrückgang. 2025 wurden im Vergleich zum Vorjahr rund 28 Prozent mehr Elektroautos und Plug-in-Hybride zugelassen. Insgesamt kamen rund 2,5 Millionen BEV (+26 Prozent) und gut eine Million PHEV (+33 Prozent) auf die Straße. Dies bedeutet eine EV-Durchdringung der Neuwagen von rund 27 Prozent.

Fraunhofer ISI / Anteil elektrischer Fahrzeuge an der Gesamtproduktion

Dabei gibt es bekanntlich auf Länderebene deutliche Unterschiede. So sind in Norwegen, aber auch in Dänemark oder in den Niederlanden die Zulassungen deutlich über dem europäischen Schnitt. Besonders hohe Wachstumsraten haben zuletzt aber insbesondere osteuropäische Länder wie z. B. Polen, Slowenien und die Slowakei.

Nach dem Auslaufen der Steuererleichterung durch den Inflation Reduction Act in den USA sind die Zulassungszahlen bei Elektrofahrzeugen in Nordamerika am Schrumpfen. Aufgrund höherer Zahlen kurz vor dem Auslaufen der Anreize lagen die Jahresverkaufszahlen für reine Elektroautos jedoch nur minimal unter den Vorjahreszahlen (ca. 1,4 Millionen Fahrzeuge). Ob die Elektrifizierungsquote von rund sieben Prozent auch im nächsten Jahr gehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Der PHEV-Markt legte bei einem niedrigen Ausgangsniveau um rund sieben Prozent auf 350.000 Fahrzeuge zu.

Chinesische Hersteller ziehen davon

Profiteure des nationalen und globalen Wachstums der Elektromobilität sind insbesondere chinesische Hersteller. Während der Platzhirsch BYD schwächelt und rückläufige Wachstumsdynamiken hat, konnten 2025 zahlreiche andere junge Hersteller großen Marktzuwachs erreichen. Beispielsweise konnten Xiaomi (+190 Prozent), XPeng (+120 Prozent) oder Leapmotor (+100 Prozent) ihre Absatzzahlen 2025 enorm steigern.

Insgesamt können die chinesischen Hersteller die Wachstumsraten für Elektrofahrzeuge aus 2024 von mehr als 50 Prozent zwar nicht wiederholen, so das Fraunhofer ISI in seiner Analyse. Trotz hoher Absolutzahlen wachsen sie aber mit rund 21 Prozent Zunahme weiterhin stärker als europäische oder amerikanische Hersteller. Chinesische Hersteller verkauften in Summe mehr als sieben Millionen Elektroautos (+33 Prozent) und knapp fünf Millionen Plug-in-Hybride (+6 Prozent). Somit sind mittlerweile mehr als 60 Prozent der von chinesischen Herstellern produzierten Fahrzeuge elektrisch. Klar zu erkennen ist auch der Trend hin zu vollelektrischen Fahrzeugen.

Wichtigster Absatzort für chinesische Fahrzeughersteller ist der Binnenmarkt. Dennoch nahmen die Exporte 2025 deutlich zu. Außerdem gingen zuletzt erste Werke chinesischer Firmen außerhalb Chinas in Betrieb, teilweise in Joint Ventures. Wichtigste Exportmärkte sind Südamerika und Europa. Trotz Strafzöllen wuchsen die BEV-Verkaufszahlen chinesischer Hersteller in Europa um mehr als 60 Prozent auf rund 230.000 Fahrzeuge an. Bei Plug-in-Hybriden war das Wachstum noch extremer: Von ca. 27.000 Fahrzeugen im Jahr 2024 stieg die Zahl in Europa verkaufter Fahrzeuge aus China auf rund 160.000. Der nordamerikanische Markt brach hingegen fast komplett zusammen. Hier wurden 2025 nur noch einige Tausend chinesische Elektrofahrzeuge verkauft.

Während Europas Hersteller aufatmen, sinken die Verkaufszahlen amerikanischer Hersteller

Europäische Hersteller konnten nach rückgängigen Verkaufszahlen 2024 im Folgejahr global, aber vor allem in Europa wieder mehr Fahrzeuge absetzen. Weltweit wurden gut zwei Millionen Elektroautos (+16 Prozent) und eine Millionen Plug-in-Hybride (+19 Prozent) aus europäischer Herstellung vertrieben. Im Vergleich zu chinesischen Herstellern liegt die EV-Quote bei europäischen Autobauern deutlich niedriger und beträgt insgesamt 17 Prozent bzw. zwölf Prozent rein batteriebetriebene Fahrzeuge.

Der innereuropäische Absatz wuchs auf 75 Prozent bei Elektroautos und über 80 Prozent bei Plug-in-Hybriden an. Dies ist rückläufigen Verkaufszahlen in China geschuldet: Dort brachen die Verkaufszahlen von BEV (-40 Prozent) und PHEV (-20 Prozent) aus Europa auf 232.000 bzw. 44.000 Fahrzeuge stark ein. In Nordamerika konnten dagegen 2025 im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr Fahrzeuge abgesetzt werden.

Verantwortlich für den europäischen Aufschwung ist insbesondere die VW-Gruppe, welche bei Elektroautos (+32 Prozent) und insbesondere bei Plug-in-Hybriden (+58 Prozent) starke Wachstumszahlen erzielen konnte. Wird Europa isoliert betrachtet, lag das BEV-Wachstum sogar bei mehr als 60 Prozent. Auch andere Hersteller wie die BMW-Gruppe konnten die Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen leicht steigern (+8 Prozent). Mercedes inkl. Smart hatte wie schon 2024 rückläufige BEV- (-4 Prozent), aber leicht zunehmende PHEV-Verkaufszahlen (+9 Prozent). Stellantis wies eine leicht positive Entwicklung auf.

Die Dynamik und Elektrifizierungsquote nordamerikanischer Hersteller wird stark von Tesla geprägt. Da das Unternehmen einen leichten Rückgang bei Auslieferungen seiner Fahrzeuge zu verbuchen hatte (-4 Prozent), verstärkte es maßgeblich den Trend der rückläufigen Zahlen der gesamten nordamerikanischen Automobilbauer. Andere große Hersteller wie Ford und GM hatten ebenfalls mit der Marktdynamik zu kämpfen. Insgesamt stellten nordamerikanische Hersteller rund zwei Millionen Elektroautos und 260.000 Plug-in-Hybride her. Davon wurden rund 320.000 BEV und 65.000 PHEV in Europa verkauft. Bei den BEV stellt dies einen erneuten, sogar stärkeren Rückgang im Vergleich zu 2024 dar (-14 Prozent). Auch hier waren schwache Absatzzahlen von Tesla die Hauptursache. Der PHEV-Absatz wuchs dagegen um 18 Prozent an. Die BEV-Quote nordamerikanischer Hersteller liegt bei 19 Prozent und ist damit erstmalig rückläufig (-1 Prozent). Der PHEV-Markt liegt bei rund zwei Prozent der Neuzulassungen.

Globaler Anstieg der Elektrofahrzeuge

Global lag der Anteil von BEV und PHEV an den Pkw-Gesamtzulassungen im Jahr 2025 bei rund 24 Prozent. Der Markt für batterieelektrische Fahrzeuge konnte im Vergleich zum Vorjahr noch mal stärker anwachsen (23 Prozent Wachstum im Vergleich zu 17 Prozent aus dem Vorjahr). Auch wenn der Weltmarkt weiterhin stark an die Dynamik in China gekoppelt ist, so entwickelt sich der Markt in Europa sogar noch dynamischer und übertrifft das chinesische Wachstum sogar. Nur Nordamerika verliert an Boden.

Quelle: Fraunhofer ISI – Pressemitteilung vom 02.02.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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