E-Auto Markt: Subventionen treiben VW ID.3 an die Spitze

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Automobil-Analyst Matthias Schmidt hat in einer aktuellen Auswertung den europäischen Elektroautomarkt hinsichtlich der verkauften E-Autos nach Segmenten betrachtet. Wie aus der Vergangenheit bereits bekannt, dominieren auch Ende des ersten Halbjahrs 2024 SUVs und Crossover-Modelle beim Absatz. Aber es gibt auch noch Überraschungen am Markt. Dabei spielen besonders der Volkswagen ID.3 (9700 Zulassungen) und der MG4 des chinesischen Herstellers MG (9660 Zulassungen) eine zentrale Rolle. Im Juni entfielen etwa zehn Prozent aller neuen Elektroautos auf diese beiden Modelle, die zusammen 19.359 der 30.546 Neuzulassungen im sogenannten C-Segment, der unteren Mittelklasse, ausmachten, wie Automobil-Analyst Matthias Schmidt in seinem neusten Report aufzeigt.

Die starke Nachfrage nach dem Volkswagen ID.3 lässt sich unter anderem auf die großzügigen Umweltboni zurückführen, die Volkswagen Anfang des Jahres in Deutschland angeboten hat. Diese Subventionen, die bis zu 7000 Euro betrugen, führten dazu, dass viele Vorbestellungen im Juni in tatsächliche Zulassungen umgewandelt wurden. Besonders in Deutschland war der ID.3 beliebt: Ein Drittel der ausgelieferten Autos dieses Modells ging an deutsche Kunden. Auch MG konnte von ähnlichen Maßnahmen profitieren. Ein Grund dafür könnte ein verstärkter Abverkauf vor dem 5. Juli gewesen sein, dem Datum, an dem neue, vorläufige EU-Zölle auf chinesische Elektroauto-Importe in Kraft traten. Branchenbeobachter gehen jedoch davon aus, dass die Verkaufszahlen für MG im Juli wieder zurückgehen könnten.

Elektroautomarkt nach Segmenten im Juni 2024

Im A-Segment, also bei den Kleinstwagen, war die Situation im ersten Halbjahr 2024 weniger dynamisch. Besonders betroffen war das Modell Dacia Spring, das aufgrund seines Produktionsstandorts in China nicht mehr für staatliche Zuschüsse in Frankreich qualifiziert ist. Die Zulassungen dieses Modells gingen im Juni um mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Citroëns ë-C3, der zu einem Einstiegspreis von unter 25.000 Euro angeboten wird, kämpfte zudem mit Softwareproblemen. Fiat plant, mit dem neuen Grande Panda ein weiteres Modell im unteren Preissegment einzuführen, das auf derselben Plattform wie der ë-C3 basiert. Der Renault Twingo hingegen verzeichnete im Juni noch solide Zahlen, bevor er 2026 durch ein neues Elektroauto ersetzt wird. In Summe führte dies dazu, dass das A-Segment 2,9 Prozent Anteil am Gesamtmarkt für sich vereinnahmen konnte.

Das B-Segment, also die Kleinwagenklasse, wird weiterhin von Modellen der Stellantis-Gruppe und des Renault-Konzerns dominiert. Rund 96 Prozent der Autos in diesem Segment stammen von diesen beiden Herstellern – bei einem Anteil von 6,4 Prozent am Gesamtmarkt. Besonders in Frankreich und Italien fanden diese Autos Anklang, was durch großzügige staatliche Subventionen unterstützt wurde. Frankreich bietet Käufern dieser Modelle mindestens 4000 Euro Zuschuss, in Italien sind es sogar 6000 Euro für Elektroautos unter 35.000 Euro. Die Einführung des neuen Renault 5 in diesem Sommer wird voraussichtlich zusätzliche Impulse für das Segment geben.

Auch das C-Segment, zu dem der eingangs erwähnte Volkswagen ID.3 gehört, konnte durch aggressive Preissenkungen Anfang des Jahres seine Position festigen. Mit einem Marktanteil von über 10 Prozent (11,2 Prozent) im Juni war es der dritte Monat in Folge, in dem dieses Segment solch einen Erfolg verzeichnen konnte. Der Marktanteil wird sich voraussichtlich stabil bei etwa 12 Prozent einpendeln, während Volkswagen weiterhin Vorbestellungen abarbeitet.

Im D-Segment, das Autos der oberen Mittelklasse umfasst, stieg die Nachfrage im Juni leicht an. Zu den prominenten Modellen gehören hier der Hyundai Ioniq 6 und das Tesla Model 3, letzteres profitierte besonders von Preissenkungen in Italien. Diese führten dazu, dass fast jeder fünfte in Westeuropa zugelassene Tesla Model 3 im Juni in Italien registriert wurde. In Summe brachte es das D-Segment somit auf einen Gesamtabsatz von 11,1 Prozent, hiervon entfielen 7,2 Prozent auf die obere Mittelklasse, die anderen 3,9 Prozent auf Premium-Modelle wie der BMW i4 und der Polestar 2, die das Segment der Near-Executive-Fahrzeuge dominieren. Bisher gelingt es Nio und Zeekr noch nicht, maßgebliche Absätze beizutragen.

Im E-Segment, also bei den Oberklassefahrzeugen, haben sich die deutschen Hersteller Audi, BMW und Mercedes fest etabliert – mit einem Anteil von zwei Prozent am Gesamtmarkt. Asiatische Modelle wie der Nio ET7 oder der Genesis G80 spielen hingegen kaum eine Rolle.

Im Luxussegment (1,1 Prozent) dominieren weiterhin Modelle wie der Porsche Taycan, besonders in Großbritannien, wo Steuervergünstigungen den Absatz fördern. Etwa ein Viertel aller Luxusfahrzeuge in Westeuropa wird dort zugelassen.

Ein besonderer Erfolg war im SUV- und Crossover-Segment (61,4 Prozent) zu verzeichnen, das mehr als 60 Prozent des Marktes ausmacht. Ford hat sich hier mit dem neuen Explorer eingereiht, während Audi und Porsche ebenfalls neue Modelle auf den Markt bringen, die ihren Teil zum Absatzwachstum beitragen werden.

Quelle: Matthias Schmidt – H1 2024 – European Electric Car Market Intelligence Study

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Tobias S.:

Deine Probefahrt muss wohl schon etwas länger her sein, aktuell gibt es eigentlich wenig zu beanstanden in Sachen Software beim ID 3.

Peter:

Das ist ja das Problem beim ID.3, außer HUD und Blinkerhebel hat der ID.3 halt nix zu bieten bei gleicher Ausstattung und ist teurer.
Wärmepumpe, Sitzheizung, Regensensor, Ladekabel, Gepäckboden sind aufpreispflichtig, Frunk gibts keinen, mit clever PV kann ich nicht aufs Fahrzeug zugreifen und kann so nicht PV-Überschussladen ermöglichen, autocharge bei z.B. EnBW ist nicht möglich, OTA gibts nicht, mit dem Heim Wlan verbinden geht nicht.

Matze:

Wenn der ID 3 ein 25.000 Euro- Auto wäre, wäre er vielleicht interessant. Aber so? Nee, danke! Hässlich, Plastik, Verbrauch für ein Golfklasse – Auto zu hoch.

Philipp:

Wenn nur das M3 dann die gleiche Ausstattung bei Vollausstattung wie ein ID.3 hätte. Aber da fehlt dann so viel – was natürlich allen Spartanerteslanern nicht fehlt. Weil Tesla hat ja die Norm für Ausstattung, alle anderen sind falsch.

Tin:

viel Billigplaste und chaotische Software …Nach der Probefahrt war ich von VW geheilt

Peter:

Der ID.3 kostet mit der gleichen Ausstatung eines Model 3 LR 55k und ist trotzdem noch schlechter ausgestattet, mit ach und Krach 40k wären bei ID.3 Vollausstattung ok.

Musicman:

Der ID3 ist auch ein super Auto. Lediglich der Preis passt nicht. Für wenige Euro mehr im Monate erhält man schon den komfortableren ID4.

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