Dacia ist einem Medienbericht zufolge bereit, sein Mikro-Auto Hipster in China bei eGT New Energy Automotive zu produzieren – einem Unternehmen, das Renault und sein Partner Nissan gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng besitzen. Das Auto soll in nur eineinhalb Jahren entwickelt werden und wäre das günstigste Elektroauto auf dem Markt: Unter 15.000 Euro soll es kosten, wie Auto Infos aus internen Quellen erfahren habe.
„Wir wollen das wirklich, man muss nur noch den Knopf drücken“, versicherte Katrin Adt dem französischen Portal zufolge. Die Dacia-Chefin fügte demnach hinzu: „Ab dem Moment, in dem wir die Entscheidung treffen, brauchen wir nur eineinhalb Jahre Entwicklung“, um das elektrische Micro-Modell Hipster, dessen Konzept Ende Sommer 2025 vorgestellt wurde, in Serie zu bringen. Die endgültige Entscheidung zur Produktion des viersitzigen Kleinstfahrzeugs sei zwar noch nicht formell gefallen. Internen Quellen zufolge sei die Wahrscheinlichkeit aber sehr hoch.
Renault-CEO François Provost könnte die Ankündigung schon bei der Präsentation seines Strategieplans am 10. März machen, vermutet Auto Infos. Die neue Dacia-Chefin Adt, die Denis Le Vot im September letzten Jahres ablöste, zeigt sich jedenfalls begeistert. „Es wäre das erschwinglichste Elektroauto auf dem Markt, zu einem sehr Dacia-typischen Preis“, betonte sie am Rande von Testfahrten der neuen LPG-Versionen der aktuellen Dacia-Modellpalette.
Intern spreche man von einem Preis „unter 15.000 Euro“ und einer Markteinführung „Ende 2027“. Dieser Vorstoß ins günstigere Segment soll die Aufwärtsbewegung von Dacia mit dem Bigster und dem zukünftigen SUV-Coupé ausgleichen – um zu beweisen, dass die Billigmarke von Renault das Geschäft mit erschwinglichen Autos nicht vernachlässigt. Im Gegenteil: Die Einführung des Hipster könnte die nächste Generation des Sandero, ursprünglich für kommendes Jahr geplant, auf 2028 verschieben.
Ersetzt der Hipster den Spring auf den Produktionslinien?
Der Produktionsstandort für den Hipster ist noch nicht endgültig festgelegt. Der wahrscheinlichste Ort gilt allerdings als Überraschung: Der Hipster soll in Shiyan (Provinz Hubei) in Zentralchina beim Gemeinschaftsunternehmen eGT New Energy Automotive produziert werden, das Renault und sein ehemaliger Partner Nissan (je 25 Prozent) gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng (50 Prozent) besitzen. Dieses Gemeinschaftsunternehmen wurde zu Zeiten von Ex-Chef Carlos Ghosn gegründet, um dort den City K-ZE herzustellen.
Dieses elektrische Derivat des indischen Renault Kwid floppte in China und wurde schnell vom Markt genommen. In Europa hat es jedoch eine sehr erfolgreiche Karriere unter dem Namen Dacia Spring hingelegt, der ab 16.900 Euro zu haben ist. Der Hipster würde also den Spring auf den Produktionslinien in Shiyan ersetzen. Der Spring soll ohnehin bald eingestellt und Ende 2026 von einem neuen Dacia-Modell abgelöst werden, das ausgefeilter und moderner, aber auch teurer sein wird: knapp unter 18.000 Euro sind angepeilt. Der neue Elektro-Dacia wird ein Schwestermodell des elektrischen Renault Twingo – und daher gemeinsam mit ihm in Novo Mesto in Slowenien produziert.
Die Produktionskosten in China werden auf etwa 30 Prozent niedriger geschätzt als die europäischer Modelle. Ein so einfaches Modell wie der Hipster, das eher einem Kleinstfahrzeug als einem richtigen Auto ähnelt und dessen Höchstgeschwindigkeit möglicherweise auf 90 km/h begrenzt wird, ist ohnehin günstiger als Fahrzeuge der höheren Klassen. Der Hipster soll die Lücke füllen, die das Verschwinden des Spring hinterlässt – jedoch zu noch niedrigeren Preisen und in einem anderen Segment: dem des spaßigen und schicken Stadtautos.

„Es ist das Dacia-typischste Projekt, an dem ich je gearbeitet habe – ein Projekt mit der gleichen gesellschaftlichen Bedeutung wie der Logan vor 20 Jahren“, sagt Romain Gauvin, Leiter des Designs bei Dacia. Der Hipster soll 20 Prozent leichter als der Spring sein, also kaum 800 Kilogramm wiegen, und zudem sehr schlicht, kastenförmig, und nur drei Meter lang 1,53 Meter hoch und 1,55 Meter breit sein. Er soll ein völlig neues Mobilitätskonzept begründen. Es ist „ein Objekt, das es heute so nicht gibt“, betont der Designer.
Hipster könnte von Strafzöllen und Mindespreisen ausgenommen sein
Nur warum will der Renault-Konzern in China produzieren, obwohl die EU einen Vorschlag zur Einführung eines europäischen Mindestanteils an lokalen Bauteilen (außer Batterien) vorlegen will? Zudem sind chinesische Elektroautos seit Oktober 2024 mit hohen Zöllen beim Import in die EU belegt, die demnächst von Mindestpreisen abgelöst werden sollen. Dieser Widerspruch muss aus Sicht der Renault-Führung aber keiner sein.
Denn der Hersteller vertritt gegenüber Brüssel die These eines „europäischen lokalen Inhaltsanteils von 60 Prozent über alle verkauften Modelle hinweg, egal ob Verbrenner, Hybrid oder Elektroauto“ – einschließlich der Batterien. Der Konzern plädiert also dafür, dass der lokale Anteil an Bauteilen anhand des Verkaufsdurchschnitts des Herstellers berechnet wird, und nicht modellweise. Das würde Spielraum für außereuropäische Fahrzeuge lassen, wenn die europäischen Modelle mit einem deutlich höheren lokalen Anteil kompensieren können.

Zudem ist Renault überzeugt, dass ein Fahrzeug wie der Hipster den Strafzöllen bzw. Mindestpreisen ohnehin entgehen sollte. Brüssels Haltung hierzu ist zwar nicht vollständig klar, jedoch gelten diese Aufschläge grundsätzlich nicht für solche Fahrzeuge, sei man bei Dacia überzeugt. Schließlich würde das Mini-Modell von der Sonderregelung profitieren, die die Kommission Mitte Dezember 2025 angekündigt hat: eine spezielle Kategorie für kleine Elektroautos, die zehn Jahre lang von einem Einfrieren der regulatorischen Normen und von Supercredits bei der CO₂-Durchschnittsberechnung der Hersteller profitieren soll. Jedes so verkaufte emissionsfreie Kleinauto würde bis 2034 mit dem Faktor 1,3 in die Verkaufszahlen der Autokonzerne einfließen.
Bewahrheitet sich das, wäre der Hipster ein wichtiges Puzzlestück für Dacia und Renault in Europa. Er würde sich in eine große Offensive des Renault-Konzerns, aber auch von Stellantis. Beide Konzerne unterstützen den Plan der EU, günstige Kleinstautos zu fördern und den ins Stocken geratenen europäischen Markt wieder anzukurbeln.

Stellantis seinerseits entwickelt ähnliche Fahrzeuge wie der Hipster für seine Marken Citroën und Fiat, jedoch größer – rund 3,50 Meter lang. Sie sollen ebenfalls für unter 15.000 Euro angeboten werden, allerdings als Verbrenner. Die Elektroversion wäre sicherlich deutlich teurer als der Hipster.
Quelle: Auto Infos – Dacia veut produire en Chine l’Hipster, son quadricycle électrique, prévu pour fin 2027







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