Extra-Zölle auf China-E-Autos bald Geschichte?

Extra-Zölle auf China-E-Autos bald Geschichte?
Copyright:

Geely

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Im Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und China deutet sich bei den Zusatzzöllen auf Elektroautos weitere Entspannung an. Die seit Herbst 2024 erhobenen Antisubventionszölle könnten für weitere Hersteller oder Modelle entfallen und durch individuell vereinbarte Mindestpreise ersetzt werden. Darauf deuten die Ergebnisse der jüngsten Handelsgespräche zwischen Brüssel und Peking hin.

Wie die Automobilwoche berichtet, könnten die oft als Strafzölle bezeichneten Aufschläge damit zunehmend durch sogenannte Preisverpflichtungen ersetzt werden. Das chinesische Handelsministerium bestätigte nach den jüngsten Verhandlungen, dass die EU die entsprechenden Verfahren für Elektroautohersteller weiterführen werde. Auch weitere Überprüfungsverfahren sollen fortgesetzt werden.

Ganz abgeschafft sind die Zölle damit allerdings (noch) nicht. Die EU-Kommission hatte im Januar einen Leitfaden veröffentlicht, nach dem Hersteller aus China individuelle Angebote unterbreiten können. Dabei können sie sich unter anderem verpflichten, ihre Fahrzeuge nicht unter einem festgelegten Importpreis in die EU einzuführen. Auch Vertriebswege, mögliche Quersubventionierungen und Investitionen in Europa können in die Prüfung einfließen. Akzeptiert Brüssel ein solches Angebot, kann der jeweilige Hersteller von den zusätzlichen Ausgleichszöllen befreit werden. Die regulären zehn Prozent Einfuhrzoll auf Autos aus China bleiben davon unberührt.

Cupra Tavascan zeigt, wie es funktionieren kann

Dass dieser Mechanismus nicht nur theoretisch besteht, zeigt der Cupra Tavascan. Das Elektroauto wird von Volkswagen Anhui in China produziert. Im Februar akzeptierte die EU-Kommission eine Preisverpflichtung des Unternehmens. Volkswagen sagte neben einem Mindestimportpreis auch eine Begrenzung der Importmenge und Investitionen in Elektroauto-Projekte innerhalb der EU zu. Im Gegenzug entfiel für die entsprechenden Tavascan-Importe der zusätzliche Antisubventionszoll.

Weitere chinesische Hersteller könnten nun einen ähnlichen Weg einschlagen. Derzeit reichen die zusätzlichen EU-Zölle je nach Hersteller von 7,8 bis 35,3 Prozent. BYD wird beispielsweise mit 17 Prozent belastet, Geely mit 18,8 Prozent, Xpeng mit 20,7 Prozent und SAIC mit 35,3 Prozent.

Für Verbraucher bedeutet ein Wechsel von Zöllen zu Mindestpreisen allerdings nicht automatisch günstigere Elektroautos. Die Preisverpflichtungen müssen nach den Vorgaben der EU so gestaltet sein, dass der von Brüssel festgestellte Subventionsvorteil weiterhin ausgeglichen wird.

Die Entwicklung ist Teil einer breiteren Annäherung im Handelsstreit. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao hatten sich am 8. und 9. Oktober in Peking getroffen. Parallel erzielten beide Seiten auch eine Verständigung zum stark gestiegenen Import chinesischer Hybrid- und Plug-in-Hybriden nach Europa.

Die China Association of Automobile Manufacturers wertete die jüngsten Vereinbarungen bereits als Beitrag zu stabileren Erwartungen für die Automobilindustrie und die Lieferketten. Ein vollständiges Ende der E-Auto-Zölle ist dennoch noch nicht beschlossen. Vielmehr zeichnet sich derzeit ein schrittweiser Ersatz durch individuelle Vereinbarungen mit einzelnen Herstellern ab.

Quelle: Automobilwoche – China: Strafzölle auf E-Autos könnten bald fallen

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

GBT: Festkörperbatterie ohne Gigafactory-Neubau

GBT: Festkörperbatterie ohne Gigafactory-Neubau

Sebastian Henßler  —  

Greater Bay Technology fertigt in Guangzhou Festkörperzellen in Serie, und zwar auf einer umgebauten Lithium-Ionen-Linie mit zunächst 1 GWh Kapazität.

EU schränkt Einfuhr von China-Hybriden ein

EU schränkt Einfuhr von China-Hybriden ein

Daniel Krenzer  —  

Die EU und China einigen sich auf Grenzen für Hybridimporte. Damit reagiert Brüssel auf den starken Anstieg chinesischer Plug-in-Hybride nach den E-Auto-Zöllen.

GAC: “Zeitpläne mussten mehr als einmal verschoben werden”

GAC: “Zeitpläne mussten mehr als einmal verschoben werden”

Sebastian Henßler  —  

Im Interview mit Elektroauto-News räumt GAC ein, dass die Europa-Zeitpläne mehrfach verschoben wurden. Ende 2026 starten Aion V und Aion UT in Deutschland.

GAC kann mehr als Kompakt: Hyptec HT in Paris gefahren

GAC kann mehr als Kompakt: Hyptec HT in Paris gefahren

Sebastian Henßler  —  

Sessel statt Sitze, Nappaleder statt Hartplastik: Der Hyptec HT überzeugt in Paris mit Komfort. Ob GAC ihn nach Europa bringt, ist allerdings weiter offen.

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

Sebastian Henßler  —  

Mehr als die Hälfte aller LFP-Patente stammt aus China. Europa kommt 2024 auf knapp sieben Prozent, obwohl die Grundlagen in den USA und Kanada entstanden.

Unter 30.000 Euro: Taugt der GAC Aion UT für Deutschland?

Unter 30.000 Euro: Taugt der GAC Aion UT für Deutschland?

Sebastian Henßler  —  

GAC hat den Aion UT seit dem ersten Test in China deutlich für Europa angepasst. In Paris zeigt er, was sich bei Fahrwerk, Antrieb und Innenraum getan hat.