Im Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und China deutet sich bei den Zusatzzöllen auf Elektroautos weitere Entspannung an. Die seit Herbst 2024 erhobenen Antisubventionszölle könnten für weitere Hersteller oder Modelle entfallen und durch individuell vereinbarte Mindestpreise ersetzt werden. Darauf deuten die Ergebnisse der jüngsten Handelsgespräche zwischen Brüssel und Peking hin.
Wie die Automobilwoche berichtet, könnten die oft als Strafzölle bezeichneten Aufschläge damit zunehmend durch sogenannte Preisverpflichtungen ersetzt werden. Das chinesische Handelsministerium bestätigte nach den jüngsten Verhandlungen, dass die EU die entsprechenden Verfahren für Elektroautohersteller weiterführen werde. Auch weitere Überprüfungsverfahren sollen fortgesetzt werden.
Ganz abgeschafft sind die Zölle damit allerdings (noch) nicht. Die EU-Kommission hatte im Januar einen Leitfaden veröffentlicht, nach dem Hersteller aus China individuelle Angebote unterbreiten können. Dabei können sie sich unter anderem verpflichten, ihre Fahrzeuge nicht unter einem festgelegten Importpreis in die EU einzuführen. Auch Vertriebswege, mögliche Quersubventionierungen und Investitionen in Europa können in die Prüfung einfließen. Akzeptiert Brüssel ein solches Angebot, kann der jeweilige Hersteller von den zusätzlichen Ausgleichszöllen befreit werden. Die regulären zehn Prozent Einfuhrzoll auf Autos aus China bleiben davon unberührt.
Cupra Tavascan zeigt, wie es funktionieren kann
Dass dieser Mechanismus nicht nur theoretisch besteht, zeigt der Cupra Tavascan. Das Elektroauto wird von Volkswagen Anhui in China produziert. Im Februar akzeptierte die EU-Kommission eine Preisverpflichtung des Unternehmens. Volkswagen sagte neben einem Mindestimportpreis auch eine Begrenzung der Importmenge und Investitionen in Elektroauto-Projekte innerhalb der EU zu. Im Gegenzug entfiel für die entsprechenden Tavascan-Importe der zusätzliche Antisubventionszoll.
Weitere chinesische Hersteller könnten nun einen ähnlichen Weg einschlagen. Derzeit reichen die zusätzlichen EU-Zölle je nach Hersteller von 7,8 bis 35,3 Prozent. BYD wird beispielsweise mit 17 Prozent belastet, Geely mit 18,8 Prozent, Xpeng mit 20,7 Prozent und SAIC mit 35,3 Prozent.
Für Verbraucher bedeutet ein Wechsel von Zöllen zu Mindestpreisen allerdings nicht automatisch günstigere Elektroautos. Die Preisverpflichtungen müssen nach den Vorgaben der EU so gestaltet sein, dass der von Brüssel festgestellte Subventionsvorteil weiterhin ausgeglichen wird.
Die Entwicklung ist Teil einer breiteren Annäherung im Handelsstreit. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao hatten sich am 8. und 9. Oktober in Peking getroffen. Parallel erzielten beide Seiten auch eine Verständigung zum stark gestiegenen Import chinesischer Hybrid- und Plug-in-Hybriden nach Europa.
Die China Association of Automobile Manufacturers wertete die jüngsten Vereinbarungen bereits als Beitrag zu stabileren Erwartungen für die Automobilindustrie und die Lieferketten. Ein vollständiges Ende der E-Auto-Zölle ist dennoch noch nicht beschlossen. Vielmehr zeichnet sich derzeit ein schrittweiser Ersatz durch individuelle Vereinbarungen mit einzelnen Herstellern ab.
Quelle: Automobilwoche – China: Strafzölle auf E-Autos könnten bald fallen








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