Festkörperzellen aus einer umgerüsteten Lithium-Ionen-Linie statt aus einem eigens errichteten Werk: Diesen Weg geht Greater Bay Technology (GBT) aus Guangzhou. Das 2020 gegründete Unternehmen hat am 13. Oktober 2026 in seinem Werk im Stadtbezirk Nansha die Serienproduktion vollständiger Festkörperbatterien aufgenommen. Neu aufgebaut wurde dafür lediglich die Station, an der der Elektrolyt eingefüllt und ausgehärtet wird. Elektrodenfertigung, Stapelung, Formierung und Prüfung laufen nach Unternehmensangaben unverändert auf konventionellen Anlagen.
Damit richtet sich der Ansatz auch an europäische Automobilhersteller und Zellproduzenten. Statt eine Gigafactory zu ersetzen, ließe sich eine bestehende Linie aufrüsten und bei Bedarf wieder auf Lithium-Ionen-Zellen zurückstellen. In Europa arbeitet GBT mit Flynt zusammen, einem niederländischen Hersteller elektrischer Transporter, den Daniel Kirchert gemeinsam mit Rogan Liu gegründet hat. Kirchert, früher Manager bei BMW Brilliance und Byton-Mitgründer, verweist auf jahrelang verschobene Zeitpläne: “Für europäische Hersteller lautet die Frage nicht mehr, ob die Festkörperbatterie kommt, sondern wie sie in die bereits vorhandenen Werke gelangt.”
Den Unterschied macht der Elektrolyt. Viele Festkörperprogramme setzen auf Sulfide, die sich nur in sauerstofffreier, extrem trockener Umgebung verarbeiten lassen und deshalb neue Fabriken erfordern. GBT nutzt dagegen einen organisch-anorganischen Verbundelektrolyten, der als flüssige Vorstufe in die Zelle gelangt und dort aushärtet. Elektrolyt und zentrale Vormaterialien fertigt das Unternehmen selbst, rund um die Technologie hat es mehr als 50 Patente angemeldet.
Die umgerüstete Linie gehört zu einem Lithium-Ionen-Werk mit vier GWh Kapazität. Davon ist aktuell ein GWh für Festkörperzellen eingerichtet, der Rest lässt sich je nach Auftragslage auf dieselbe Weise umstellen. Gründer und Technikchef Huang Xiangdong spricht von “einer bestehenden Linie mit einem neuen Kern”. Zwischen den ersten A-Mustern im April und dem Serienstart lagen rund sechs Monate, und die Weiternutzung vorhandener Anlagen halte Investitionen sowie Abschreibungen niedrig.
Ein strenger Test trennt fest von flüssig
Lange konnte jeder Hersteller selbst festlegen, was er als Festkörperbatterie vermarktet, auch teilfeste Zellen mit flüssigem Elektrolytanteil liefen unter diesem Etikett. Seit diesem Jahr gibt es in China eine nationale Norm, deren zentrales Kriterium einfach gefasst ist: Eine geöffnete Zelle wird sechs Stunden lang bei 120 Grad Celsius im Vakuum erhitzt und darf dabei weniger als 0,5 Prozent ihrer Masse verlieren. Zellen mit nennenswertem Flüssiganteil bestehen diese Prüfung nicht.
Laut GBT hat das Prüfzentrum des chinesischen National Power Battery Innovation Center beide Serienzellen des Unternehmens nach dieser Norm geprüft und als konform eingestuft. Das Unternehmen sieht sich damit als ersten Hersteller, der die Verifizierung bestanden hat. Auf derselben Grundlage hat China inzwischen eine internationale Norm vorgeschlagen, an deren Ausarbeitung auch Europa beteiligt ist. Flankiert wird das von einem Fünfjahresplan für die Batterieindustrie, den das Industrieministerium gemeinsam mit sechs weiteren Behörden am 28. September vorgelegt hat und der bis 2030 einen ersten großflächigen Einsatz von Festkörperbatterien vorsieht.
Hinzu kommt die Sicherheit. Die Zellen erfüllen nach Angaben von GBT sämtliche Prüfungen auf Zellebene, die die seit 1. Juli 2026 geltende chinesische Batterienorm GB 38031-2025 vorschreibt. Beim Nageltest eines externen Labors durchdrang ein Stahlnagel eine vollständig geladene Zelle, ohne dass es zu Brand oder Explosion kam. Ohne flüssigen Elektrolyten entfalle laut GBT der Mechanismus, der zum thermischen Durchgehen führt.
Einsatz im Elektroauto bis zum Flugtaxi
Je nach Zellgeneration deckt die Plattform 260 bis 480 Wh/kg ab, bei einer Zyklenfestigkeit auf dem Niveau herkömmlicher Lithium-Ionen-Zellen. Die erste Generation nutzt Pouchformate in Automobilqualität und etablierte Elektrodenmaterialien, damit sie sich in laufende Fahrzeugprogramme einfügen lässt. Spätere Ausbaustufen mit Lithium-Metall-Anoden sollen auf derselben Basis folgen. Muster liegen bei Kund:innen aus mehreren Branchen, einige Produkte durchlaufen bereits Tests bei Automobilherstellern.
Zum Produktionsstart unterzeichnete GBT erste Kooperationsverträge: mit dem Batteriepack-Spezialisten Hubei Liming Lithium Technology, der die Zellen in Systeme für Autos und Energiespeicher integrieren soll, sowie mit dem Shenzhen Vertical Take-off and Landing Aircraft Innovation Center, einer Entwicklungsplattform für eVTOL-Fluggeräte. Mit mehreren großen Automobilherstellern laufen nach eigener Darstellung fortgeschrittene Gespräche über Serienanwendungen, ebenso Verhandlungen mit Flugzeugbauern und Anbietern hochwertiger Elektromotorräder. Als weitere Einsatzfelder nennt GBT humanoide Roboter, stationäre Speicher und Spezialgeräte, die Technologie soll über Zelllieferungen, Technologietransfer und Joint Ventures in den Markt kommen.
Quelle: Greater Bay Technology (GBT) – Pressemitteilung








Wird geladen...