Die Europäische Union zieht beim schnell wachsenden Import chinesischer Hybridautos die Grenzen enger. Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Brüssel und Peking auf eine Begrenzung der Lieferungen verständigt. Für chinesische Automobilhersteller wird damit somit jener Absatzkanal schwieriger, auf den viele von ihnen nach Einführung der europäischen Zusatzzölle auf Elektroautos verstärkt ausgewichen waren.
Wie die Automobilwoche berichtet, haben sich die EU und China auf einen Kompromiss bei den Einfuhren verständigt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters könnte die Vereinbarung die chinesischen Hybridexporte in die EU um mehr als die Hälfte reduzieren. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hatte nach den Gesprächen erklärt, dass damit innerhalb von vier Jahren mehrere Millionen zusätzliche chinesische Fahrzeuge vom europäischen Markt ferngehalten werden könnten.
Die endgültigen technischen Details sind allerdings noch nicht vollständig veröffentlicht. Nach einem von Reuters zitierten Bericht soll zunächst eine Obergrenze von rund 350.000 Fahrzeugen pro Jahr vorgesehen sein, die ab dem zweiten Jahr jährlich um sechs Prozent steigen könnte. Noch offen ist unter anderem, wie mögliche Kontingente zwischen den Herstellern verteilt werden und welche Hybridformen genau unter die Regelung fallen.
China stellt die Vereinbarung etwas anders dar. Das chinesische Handelsministerium betont, die erlaubten Ausfuhrmengen sollten gegenüber dem Niveau von 2025 weiter steigen. Zudem dürfe China bei der Zuteilung nicht schlechter behandelt werden als andere Herkunftsländer. Die Vereinbarung solle damit einerseits den europäischen Bedenken Rechnung tragen, andererseits aber weiteres Wachstum chinesischer Anbieter ermöglichen.
China-Hybride legten nach Elektroauto-Zöllen stark zu
Hintergrund ist die massive Verschiebung der chinesischen Exporte nach Europa. Seit die EU Ende 2024 zusätzliche Ausgleichszölle auf in China produzierte reine Elektroautos eingeführt hat, haben chinesische Hersteller ihr Angebot an Plug-in-Hybriden deutlich ausgeweitet. Diese fallen bislang nicht unter die BEV-Ausgleichszölle.
Allein im ersten Halbjahr 2026 verdreifachte sich der Wert der chinesischen Hybridexporte in die 27 EU-Staaten laut chinesischen Zolldaten von 2,5 auf 7,5 Milliarden Dollar. SAIC, BYD und Chery stehen dabei zusammen für mehr als 90 Prozent der chinesischen Hybridverkäufe in der EU. Chinesische Plug-in-Hybride kamen zuletzt bereits auf mehr als ein Viertel dieses europäischen Marktsegments.
Damit zeigte sich auch eine Nebenwirkung der europäischen Handelspolitik: Die Zusatzzölle auf Elektroautos haben chinesische Hersteller keineswegs grundsätzlich vom europäischen Markt ferngehalten. Stattdessen wurde ein Teil der Exporte auf Antriebsarten verlagert, die von den Maßnahmen nicht erfasst werden.
Elektroautos aus China bleiben mit Zusatzzöllen belegt
Für reine Elektroautos gelten andere Regeln. Die EU-Kommission hatte ihre Antisubventionsuntersuchung im Oktober 2024 abgeschlossen und festgestellt, dass die chinesische Wertschöpfungskette für batterieelektrische Fahrzeuge von staatlichen Subventionen profitiert und europäischen Herstellern dadurch wirtschaftlicher Schaden droht.
Zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll gelten seitdem Ausgleichszölle, die je nach Hersteller unterschiedlich hoch ausfallen. Für BYD wurden 17 Prozent, für Geely 18,8 Prozent und für SAIC 35,3 Prozent festgesetzt. Andere kooperierende Unternehmen unterliegen grundsätzlich einem Satz von 20,7 Prozent, während für nicht kooperierende Hersteller bis zu 35,3 Prozent gelten. Die Maßnahmen sind grundsätzlich auf fünf Jahre angelegt.
Allerdings bewegt sich inzwischen auch hier etwas. Anfang 2026 veröffentlichte die EU-Kommission Regeln, nach denen chinesische Hersteller alternativ Mindestpreise und weitere Verpflichtungen anbieten können. Für den in China produzierten Cupra Tavascan akzeptierte die Kommission im Februar erstmals ein solches Modell: Volkswagen Anhui darf das Fahrzeug zu einem vereinbarten Mindestimportpreis einführen und ist dafür vom Ausgleichszoll befreit. Gleichzeitig verpflichtete sich das Unternehmen unter anderem zu begrenzten Importmengen und Investitionen in Europa.
Die Vereinbarung zu Hybridautos passt somit in eine zunehmend differenzierte europäische China-Strategie. Bei Elektroautos versucht Brüssel, mutmaßliche Wettbewerbsvorteile durch Subventionen über Zölle beziehungsweise Mindestpreise auszugleichen. Bei Hybriden wird hingegen zunächst unmittelbar das Importvolumen begrenzt.
Für chinesische Automobilhersteller dürfte das den Druck zusätzlich erhöhen, ihre Fahrzeuge künftig stärker direkt in Europa zu produzieren. Mehrere chinesische Hersteller bauen ihre europäischen Produktionspläne bereits aus. Werden sowohl reine Elektroautos als auch importierte Hybride mit zusätzlichen Hürden belegt, gewinnt eine Fertigung innerhalb der EU weiter an Attraktivität. Genau darin könnte langfristig eine der wichtigsten Folgen des neuen Kompromisses liegen – es sind also künftig mehr Autos „Made in Europe“ von chinesischen Marken zu erwarten.
Quelle: Automobilwoche – Hybrid-Autos aus China: EU schließt Kompromiss mit Peking








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