Im Gespräch mit Harald Hamprecht auf Turi.One zeichnet Lars Bialkowski, Deutschlandchef von BYD, ein Bild von Aufbruch und hohem Tempo. Nach vielen Jahren bei Renault und Stellantis beschreibt er den Wechsel zu einem chinesischen Hersteller als bewusst gesetzten Kontrast zur aktuellen Stimmung in der Branche: „Das schmeckt aufregend. Nach Aufbruch und Optimismus.“ Gerade in einer Phase, in der die deutsche Automobilindustrie unter massivem Transformationsdruck stehe, sei genau diese Haltung entscheidend.
Bialkowski ordnet die Marktlage klar ein. Das wirtschaftliche Umfeld sei schwierig, der Wandel hin zu Elektromobilität, Software und neuen Geschäftsmodellen beschleunige sich weiter. Daraus leite sich für ihn eine klare Konsequenz ab: „Extrem schnelle und flexible Anpassungen an die Marktgegebenheiten und eine konsequente Kundenorientierung.“ Entscheidend seien Technologien, die für Kunden bezahlbar bleiben.
BYD sieht er hier gut aufgestellt – nicht zuletzt wegen der internen Schlagkraft des Konzerns. Mit rund einer Million Beschäftigten weltweit und mehr als 120.000 Ingenieuren in Forschung und Entwicklung verfüge das Unternehmen über eine Größenordnung, die auch im globalen Vergleich herausrage. Der Begriff „BYD Speed“ sei für ihn daher kein Marketing-Slogan, sondern gelebte Realität.
Diese Geschwindigkeit spiegelt sich aus seiner Sicht auch in den Marktzahlen wider. BYD habe in Deutschland 2024 rund 23.300 Neuzulassungen erreicht, ein Plus von über 700 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man Plug-in-Hybride ein, habe man sogar Tesla überholt. Der Marktanteil liege zwar erst bei 0,8 Prozent, doch Bialkowski betont: „Wir kommen quasi aus dem Nichts.“ Möglich sei das nur mit hoch motivierten Teams und einem ausgeprägten Erfolgswillen.
Markenbekanntheit und Vertrauen bleiben zentrale Aufgaben
Gleichzeitig verschweigt er die Herausforderungen nicht. Markenbekanntheit, Vertrauen und transparente Kommunikation seien zentrale Aufgaben, gerade weil BYD als chinesische Marke wahrgenommen werde. Vorurteile in puncto Qualität wolle man vor allem praktisch entkräften: „Wir wollen so viele potenzielle Kunden wie möglich an und in unsere Autos bekommen.“ Wer einmal probegefahren sei, äußere sich anschließend häufig positiv über Verarbeitung und Qualität.
Beim Vorwurf eines staatsfinanzierten Verdrängungswettbewerbs bleibt Bialkowski sachlich und fokussiert. Seine Aufgabe sehe er darin, BYD im deutschen Markt sowie in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden nachhaltig zu etablieren – über Marktanteile ebenso wie über ein belastbares Vertriebs- und Servicenetz. Dieses Netz ist in kurzer Zeit stark gewachsen: von 27 Verkaufsstellen auf rund 150. Bis Ende 2026 sollen es etwa 350 Standorte sein, mit dem Anspruch, dass kein Kunde länger als 20 Minuten zu Händler oder Werkstatt unterwegs ist.
Auch organisatorisch wächst BYD in Deutschland schnell. Das Team umfasst inzwischen über 100 Mitarbeitende, ein neues Hauptquartier in Offenbach steht bevor. Parallel dazu startet in Ungarn die europäische Produktion. Ziel sei es, mittelfristig als europäischer Hersteller wahrgenommen zu werden. Dazu passt auch der Start der Premiummarke Denza, die im Frühjahr mit dem Shooting-Brake Z9 GT und dem Van D9 antritt. Technologie und Eleganz seien die Leitmotive, weitere Modelle sollen zügig folgen.
Sein Blick nach vorn ist klar definiert: Beruflich will er BYD und Denza bis 2028 auf ein neues Niveau heben und als europäisch verankerte Anbieter positionieren. Privat setzt er auf Zeit mit Familie, Reisen sowie Wanderungen an Küsten und in den Bergen – mit einer ebenso klaren Roadmap wie im Job. Den Wettbewerb, insbesondere mit deutschen Herstellern, beschreibt er als herausfordernd: „Die Deutschen verteidigen ihre Position besonders intensiv.“ Gerade darin liege aber auch der Reiz des Marktes.
Quelle: turi.one – „Wir möchten mittelfristig als europäischer Hersteller wahrgenommen werden“







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