BMW erhält 273 Millionen Euro für Entwicklung von Wasserstoff-Antrieben

BMW erhält 273 Millionen Euro für Entwicklung von Wasserstoff-Antrieben
Copyright:

BMW

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Angesichts der Verkaufszahlen von Wasserstoffautos, die in Deutschland in den vergangenen Monaten einstellig waren und weltweit nur noch im vierstelligen Bereich liegen – und ohnehin fast nur noch in Südkorea und auch dort lediglich in einer Nische eine Rolle spielen –, wird mancher jetzt sagen, dass BMW das tote Pferd reitet, solange es noch warm ist: Denn die Münchner arbeiten ganz im Sinne ihres technologieoffenen Ansatzes weiterhin an der Wasserstoff-Brennstoffzelle im Pkw-Bereich, wollen 2028 ein erstes Serienmodell mit dem Antrieb ausstatten und gehen davon aus, dass es auch in Deutschland künftig einen Markt für Wasserstoffautos geben wird.

Allein stemmt die BMW Group ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung nicht, und erhielt nun vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) eine Förderung im Rahmen der europäischen IPCEI-Initiative (Important Projects of Common European Interest) für das Projekt „HyPowerDrive“, das sich auf die Forschung und Entwicklung ihrer Brennstoffzellentechnologie konzentriert. BMW sieht dies als klares Bekenntnis von Bund und Bayern zur Förderung marktfähiger Innovationen sowie zur Sicherung der Zukunft des Technologiestandorts Deutschland.

Bundesverkehrsministerium und das Bayerische Wirtschaftsministerium unterstützen das Projekt mit insgesamt rund 273 Millionen Euro. Der Bund trägt davon rund 191 Millionen Euro, der Freistaat Bayern rund 82 Millionen Euro. Das konkrete Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Industrialisierung eines innovativen Brennstoffzellen-Elektroantriebsstrangs für Pkw, der in bestehende Fahrzeugarchitekturen integriert werden kann.

„Die Mobilität mit Wasserstoff und Brennstoffzelle ist ein wichtiger Baustein, um unsere Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Mit HyPowerDrive stärkt BMW die technologische Vielfalt und Wettbewerbsfähigkeit des Automobilstandorts Deutschland. Das Projekt steht exemplarisch für unseren technologieoffenen Ansatz – denn wir brauchen alle klimafreundlichen Antriebe, um die Verkehrswende erfolgreich zu gestalten“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder anlässlich der Übergabe der Förderurkunde in Berlin.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betonte: „Wir fördern die Forschung an neuen Technologien, anstatt mit viel Geld veraltete Industrien zu subventionieren. Denn nur Innovation wird langfristig Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unserem Land schaffen. Wir dürfen das Auto nicht aufgeben und der Konkurrenz wie China überlassen. Wir brauchen Verbrenner, aber auch Elektroautos und Technologien wie Wasserstoff. Es geht nur mit Technologieoffenheit und Angeboten für die unterschiedlichen Märkte der Welt.“

„Technologieoffenheit ist für uns der Kern unserer erfolgreichen Geschäftsstrategie und zugleich der Schlüssel zum Erfolg der Dekarbonisierung. Mit dem neuen BMW X5 bieten wir erstmals fünf verschiedene Antriebsoptionen in Serie, darunter ab 2028 auch mit Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der Förderbescheid des Bundesministeriums für Verkehr bestätigt unsere Strategie und unterstreicht die Bereitschaft von Bundesregierung und bayerischer Regierung, zukunfts- und marktfähige Innovationen zu fördern“, so Joachim Post, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Entwicklung.

Die Antriebstechnologie des für 2028 geplanten BMW iX5 Hydrogen basiert auf der dritten Generation des Brennstoffzellensystems, das die BMW Group in Zusammenarbeit mit der Toyota Motor Corporation entwickelt. Diese technologische Weiterentwicklung ermöglicht eine kompaktere Bauweise sowie ein leistungsfähigeres und effizienteres System und erhöht die Reichweite und Leistung bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch. Eigene Kompetenzzentren in München und im BMW Group Werk Steyr bauen dafür bereits erste Prototypen auf. Darüber hinaus liefert das BMW Group Werk Landshut weitere Komponenten für das Antriebssystem.

Wasserstoff gilt als vielversprechender Energieträger der Zukunft, der eine entscheidende Rolle bei der weltweiten Dekarbonisierung spielen kann, allerdings im Pkw-Bereich allenfalls als Nischenlösung. Als effektives Speichermedium für erneuerbare Energiequellen trägt Wasserstoff dazu bei, Angebot und Nachfrage auszugleichen, wodurch eine stabilere und zuverlässigere Integration erneuerbarer Energien in das Energienetz ermöglicht wird. Und vielleicht könnte Wasserstoff auch eine Ergänzung zur Elektromobilität bieten, als zweites Standbein neben batterieelektrischen Fahrzeugen. In Sachen Energieeffizienz und Kosten allerdings hinken Wasserstoff-Pkw den batterieelektrischen Elektroautos meilenweit hinterher.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 14.11.2025

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in BMW Elektroautos

Viele wollen weg: BMW beendet Abfindungsprogramm vorzeitig

Viele wollen weg: BMW beendet Abfindungsprogramm vorzeitig

Arun Niemann  —  

BMW erreicht sein Abfindungsziel früher als geplant. Hinter dem Programm steht ein größerer Umbau, mit dem bis Ende 2027 rund 8000 Stellen wegfallen sollen.

BMW iX5: Erster Elektro-X5 nimmt Q7 und Cayenne ins Visier

BMW iX5: Erster Elektro-X5 nimmt Q7 und Cayenne ins Visier

Stefan Grundhoff  —  

Fast drei Tonnen bringt der BMW iX5 60 xDrive auf die Waage. Auf kurvigen Landstraßen kaschiert der Elektro-X5 sein Gewicht jedoch erstaunlich souverän.

BMW startet Serienproduktion von Gen6-Akkus in China

BMW startet Serienproduktion von Gen6-Akkus in China

Michael Neißendorfer  —  

Nach Debrecen und Irlbach-Straßkirchen ist Shenyang der dritte Standort im neuen globalen Produktionsnetzwerk für die Gen6-Batterietechnologie.

Trotz E-Auto-Plus: BMW liefert 4,9 Prozent weniger aus

Trotz E-Auto-Plus: BMW liefert 4,9 Prozent weniger aus

Sebastian Henßler  —  

Im dritten Quartal war bei der BMW Group in Europa jedes dritte ausgelieferte Auto vollelektrisch. Der E-Auto-Absatz in der Region stieg um 37,5 Prozent.

BMW iX3 M60 xDrive startet im Frühjahr 2027

BMW iX3 M60 xDrive startet im Frühjahr 2027

Sebastian Henßler  —  

Der BMW iX3 M60 xDrive leistet 450 kW, kommt bis zu 754 Kilometer weit und lädt mit 400 kW. Gebaut wird das Top-Modell ab Frühjahr 2027 in Debrecen.

BMW iX4: SUV-Coupé der Neuen Klasse kostet ab 70.900 Euro

BMW iX4: SUV-Coupé der Neuen Klasse kostet ab 70.900 Euro

Patrick Solberg  —  

Der BMW iX4 ergänzt die Neue Klasse als SUV-Coupé. Zum Start im März gibt es zwei Allradversionen ab 70.900 Euro, das 612 PS starke M60 folgt Mitte 2027.

BMW erprobt Wasserstoff-Verbrenner in der Logistik

BMW erprobt Wasserstoff-Verbrenner in der Logistik

Michael Neißendorfer  —  

Im BMW Group Werk Leipzig startet die Erprobung eines 18-Tonnen-Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor im realen Werksverkehr.