BMW erhält 273 Millionen Euro für Entwicklung von Wasserstoff-Antrieben

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Michael Neißendorfer
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Angesichts der Verkaufszahlen von Wasserstoffautos, die in Deutschland in den vergangenen Monaten einstellig waren und weltweit nur noch im vierstelligen Bereich liegen – und ohnehin fast nur noch in Südkorea und auch dort lediglich in einer Nische eine Rolle spielen –, wird mancher jetzt sagen, dass BMW das tote Pferd reitet, solange es noch warm ist: Denn die Münchner arbeiten ganz im Sinne ihres technologieoffenen Ansatzes weiterhin an der Wasserstoff-Brennstoffzelle im Pkw-Bereich, wollen 2028 ein erstes Serienmodell mit dem Antrieb ausstatten und gehen davon aus, dass es auch in Deutschland künftig einen Markt für Wasserstoffautos geben wird.

Allein stemmt die BMW Group ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung nicht, und erhielt nun vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) eine Förderung im Rahmen der europäischen IPCEI-Initiative (Important Projects of Common European Interest) für das Projekt „HyPowerDrive“, das sich auf die Forschung und Entwicklung ihrer Brennstoffzellentechnologie konzentriert. BMW sieht dies als klares Bekenntnis von Bund und Bayern zur Förderung marktfähiger Innovationen sowie zur Sicherung der Zukunft des Technologiestandorts Deutschland.

Bundesverkehrsministerium und das Bayerische Wirtschaftsministerium unterstützen das Projekt mit insgesamt rund 273 Millionen Euro. Der Bund trägt davon rund 191 Millionen Euro, der Freistaat Bayern rund 82 Millionen Euro. Das konkrete Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Industrialisierung eines innovativen Brennstoffzellen-Elektroantriebsstrangs für Pkw, der in bestehende Fahrzeugarchitekturen integriert werden kann.

„Die Mobilität mit Wasserstoff und Brennstoffzelle ist ein wichtiger Baustein, um unsere Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Mit HyPowerDrive stärkt BMW die technologische Vielfalt und Wettbewerbsfähigkeit des Automobilstandorts Deutschland. Das Projekt steht exemplarisch für unseren technologieoffenen Ansatz – denn wir brauchen alle klimafreundlichen Antriebe, um die Verkehrswende erfolgreich zu gestalten“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder anlässlich der Übergabe der Förderurkunde in Berlin.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betonte: „Wir fördern die Forschung an neuen Technologien, anstatt mit viel Geld veraltete Industrien zu subventionieren. Denn nur Innovation wird langfristig Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unserem Land schaffen. Wir dürfen das Auto nicht aufgeben und der Konkurrenz wie China überlassen. Wir brauchen Verbrenner, aber auch Elektroautos und Technologien wie Wasserstoff. Es geht nur mit Technologieoffenheit und Angeboten für die unterschiedlichen Märkte der Welt.“

„Technologieoffenheit ist für uns der Kern unserer erfolgreichen Geschäftsstrategie und zugleich der Schlüssel zum Erfolg der Dekarbonisierung. Mit dem neuen BMW X5 bieten wir erstmals fünf verschiedene Antriebsoptionen in Serie, darunter ab 2028 auch mit Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der Förderbescheid des Bundesministeriums für Verkehr bestätigt unsere Strategie und unterstreicht die Bereitschaft von Bundesregierung und bayerischer Regierung, zukunfts- und marktfähige Innovationen zu fördern“, so Joachim Post, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Entwicklung.

Die Antriebstechnologie des für 2028 geplanten BMW iX5 Hydrogen basiert auf der dritten Generation des Brennstoffzellensystems, das die BMW Group in Zusammenarbeit mit der Toyota Motor Corporation entwickelt. Diese technologische Weiterentwicklung ermöglicht eine kompaktere Bauweise sowie ein leistungsfähigeres und effizienteres System und erhöht die Reichweite und Leistung bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch. Eigene Kompetenzzentren in München und im BMW Group Werk Steyr bauen dafür bereits erste Prototypen auf. Darüber hinaus liefert das BMW Group Werk Landshut weitere Komponenten für das Antriebssystem.

Wasserstoff gilt als vielversprechender Energieträger der Zukunft, der eine entscheidende Rolle bei der weltweiten Dekarbonisierung spielen kann, allerdings im Pkw-Bereich allenfalls als Nischenlösung. Als effektives Speichermedium für erneuerbare Energiequellen trägt Wasserstoff dazu bei, Angebot und Nachfrage auszugleichen, wodurch eine stabilere und zuverlässigere Integration erneuerbarer Energien in das Energienetz ermöglicht wird. Und vielleicht könnte Wasserstoff auch eine Ergänzung zur Elektromobilität bieten, als zweites Standbein neben batterieelektrischen Fahrzeugen. In Sachen Energieeffizienz und Kosten allerdings hinken Wasserstoff-Pkw den batterieelektrischen Elektroautos meilenweit hinterher.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 14.11.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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