Die Auseinandersetzung um Strafzölle auf in China produzierte Elektroautos setzt sich fort. Nachdem der Volkswagen-Konzern für ein Modell seiner Tochter Cupra eine Lösung mit Mindestimportpreis in Aussicht gestellt bekam, zeichnet sich nun auch bei BMW Bewegung ab. Der Münchener Hersteller verhandelt mit der Europäischen Kommission über eine Ausnahme von den Zusatzzöllen, die derzeit auf zwei elektrische Modelle der Tochtermarke Mini erhoben werden.
Im Herbst 2024 hatte die EU beschlossen, zusätzliche Abgaben auf E-Autos aus chinesischer Produktion zu erheben. Brüssel begründete diesen Schritt mit dem Vorwurf, chinesische Hersteller profitierten von staatlichen Subventionen und verschafften sich dadurch Wettbewerbsvorteile auf dem europäischen Markt. Die neuen Aufschläge ergänzen den bereits bestehenden Basiszoll von zehn Prozent auf Autoimporte aus China.
Für BMW bedeutet das derzeit eine Gesamtbelastung von 30,7 Prozent auf die in China gefertigten Mini-Modelle Aceman und Cooper. Der zusätzliche Anteil liegt bei knapp 21 Prozent. Damit fällt der Satz höher aus als bei anderen Anbietern: BYD etwa wird mit 27 Prozent belegt, Tesla mit 17,8 Prozent. Die unterschiedliche Höhe der Abgaben basiert auf den individuellen Bewertungen der EU-Kommission im Rahmen ihrer Untersuchung.
Gleichzeitig hatte Brüssel bei der Ausgestaltung der neuen Regelung eine Möglichkeit vorgesehen, die Strafzölle durch Mindestpreise zu ersetzen. Im Januar veröffentlichte die Kommission einen Leitfaden, der die Voraussetzungen für eine solche Vereinbarung präzisiert. Hersteller müssen demnach konkrete Mindestimportpreise benennen, ihre Vertriebsstrukturen offenlegen und gegebenenfalls Mengenbegrenzungen akzeptieren. Ziel ist es, Preisunterbietungen zu verhindern, ohne pauschale Aufschläge zu erheben.
Nach Informationen aus Verhandlungskreisen befinden sich BMW und die EU in „guten und bereits sehr weit fortgeschrittenen“ Gesprächen. Beide Seiten hätten „Interesse an einer Lösung“, zitierten Medien zwei mit den Gesprächen vertraute Personen. Offiziell wollte sich der Autobauer dazu nicht äußern. Sollte eine Einigung erzielt werden, würde der Zusatzzoll durch einen festgelegten Mindestpreis ersetzt, während der Basiszoll bestehen bliebe.
BMW hält Klage gegen China-Strafzölle der EU aufrecht
Parallel dazu läuft ein rechtlicher Schritt gegen die Abgaben. Im Januar 2025 reichte BMW Klage gegen die EU-Entscheidung ein. Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, eine Verhandlung werde bis zur Mitte des Jahres erwartet. Zugleich zeigt man sich „guter Dinge“, noch vor einer gerichtlichen Entscheidung zu einer Einigung zu gelangen. Damit verfolgt der Konzern eine Doppelstrategie aus juristischer Absicherung und politischer Verständigung.
Betroffen sind zwei Modelle, die auf dem deutschen Markt auf beachtliche Nachfrage stoßen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts erreichten die elektrischen Varianten von Mini im Januar Rang acht bei den Neuzulassungen. Das Amt differenziert in seiner Statistik nicht zwischen Aceman und Cooper. Entwickelt wurden die Autos auf einer Plattform, die BMW gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Great Wall Motors aufgebaut hat. Auch die Fertigung erfolgt in China.
Quelle: Handelsblatt – BMW und EU verhandeln über Mindestpreise für China-Modelle








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