Wer sich für ein günstiges Elektroauto interessiert, kann in den kommenden Monaten mit einer größeren Modellauswahl rechnen. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass die Einstiegssegmente in Europa spürbar an Bedeutung gewinnen, während die Nachfrage in der Kompaktklasse zuletzt zurückging. Treiber sind neue Modelle mit günstigeren LFP-Batteriezellen, wiederkehrende Förderprogramme in Frankreich und Deutschland sowie verschärfter Wettbewerb durch chinesische Automobilhersteller.
Im Kleinstwagensegment sorgte im Juni ein Vorzieheffekt für zusätzlichen Schwung: Leapmotors T03 wurde verstärkt aus Lagerbeständen zugelassen, bevor ab Juli eine geänderte Typgenehmigung greift, die das Modell in seiner aktuellen Ausführung wohl nicht mehr erfüllt. Der Segmentanteil nähert sich dadurch der Fünf-Prozent-Marke. Zum Jahresende löst der ebenfalls aus China stammende B03 den T03 ab, im zweiten Halbjahr übernehmen der in Europa gefertigte Renault Twingo und später eine Variante des Dacia Spring, beide förderfähig über die französischen Kaufprämien und das Sozialleasing-Programm. Ab 2027 ergänzt der in Portugal gebaute VW ID.1 mit LFP-Zellen das Angebot.
Auch das Kleinwagensegment dürfte ab Juli wieder anziehen, nachdem der Anteil im Juni bei zwölf Prozent stagnierte. Grund ist die Wiedereinführung des französischen Sozialleasing-Programms bei gleichzeitig bestehenden Kaufprämien, während auch deutsche Förderungen zunehmend Wirkung zeigen. Der Volkswagen-Konzern bringt ab Juli mit dem ID.Polo und dem Cupra Raval eine neue, LFP-basierte Modellgeneration in diesem Segment an den Start. Für das zweite Halbjahr wird ein Marktanteil zwischen 15 und 20 Prozent erwartet.
In der Kompaktklasse fiel der Marktanteil von rund acht Prozent zu Jahresbeginn 2025 auf 5,9 Prozent im Juni. Modellüberarbeitungen sollen gegensteuern: Der VW ID.3 erhält als ID.3 Neo erstmals LFP-Zellen, auch der Cupra Born wird aktualisiert. Der MG4 Urban drückt mit einem Preis unter 25.000 Euro, inklusive deutscher Förderung sogar unter 20.000 Euro, zusätzlich auf das Preisgefüge, während Leapmotors B05 den Druck auf den ID.3 erhöht.
Mittelklasse zwischen Rückgang und neuen Modellen
In der oberen Mittelklasse profitierte das Segment im Juni vom für Tesla typischen Quartalsendspurt bei den Model-3-Auslieferungen, da das Modell stark auf das Segment konzentriert ist. Weil der Effekt diesmal moderat ausfiel, könnte der Anteil in den kommenden Monaten unter sechs Prozent fallen. Mit maximaler deutscher Förderung rückt der Model-3-Preis auf rund 30.000 Euro, die monatliche Leasingrate sinkt auf 299 Euro. Die Lieferzeiten haben sich zugleich von wenigen Wochen auf bis zu drei Monate verlängert, was auf hohe Nachfrage hindeutet.
Im gehobenen Mittelklassesegment bremst der Modellzyklus der Hersteller das Tempo. BMW ersetzt den i4 noch in diesem Jahr durch den auf der Neuen Klasse basierenden i3, auch der fünf Jahre alte Polestar 2 wird überarbeitet. Audi ist in diesem Segment weiterhin nicht vertreten. Mercedes bringt mit der in Ungarn gefertigten C-Klasse auf MEBA-Basis ein Modell, das ab 2027 für einen deutlichen Anstieg sorgen soll.
In der Oberklasse dominieren der Audi A6 und der Polestar 4 mit zusammen zwei Dritteln des Volumens im Mai. Der A6 basiert auf der PPE-Plattform des VW-Konzerns und ist neben dem chinesisch gefertigten Volvo ES90 das einzige Modell mit 800-Volt-Technik für schnelleres Laden. Der Polestar 4 wird in Südkorea gefertigt, was EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos umgeht. Zudem gilt für Modelle bis 100.000 Euro der reduzierte Satz von 0,25 Prozent bei der Dienstwagenbesteuerung.
Luxusklasse zögerlich, SUV weiter dominant
In der Luxusklasse bleibt der Erfolg bislang auf Porsches Taycan beschränkt. BYD tritt mit der Marke Denza zu Preisen ab 100.000 Euro in den Markt ein, während die Aufnahme von Ferraris Elektromodell Luce die Lage im Segment zusammenfasst. Über ein Jahrzehnt nach dem SLS Electric Drive bringt Mercedes mit dem auf der AMG.EA-Architektur basierenden GT ein weiteres Modell in dieses Segment.
Bei SUV und Crossovern, die weiterhin mehr als die Hälfte des Elektroauto-Marktes ausmachen, sorgen kompakte Modelle wie der Skoda Elroq und der Kia EV3 für zusätzliche Dynamik. BMWs iX3 sowie Volvos EX60 und die Mercedes-Modelle GLC und GLB verstärken den Trend, acht von zehn Crossovern entfallen auf kompakte Baugrößen zwischen den Segmenten A und D. Premiummodelle wie der BMW iX5, der Porsche Cayenne und ab 2027 das erste batterieelektrische Modell von Range Rover sorgen zusätzlich für Volumen.
Quelle: Matthias Schmidt – European Electric Car Study 06/2026









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