Der TÜV hat seinen Nutzfahrzeuge-Report 2026 veröffentlicht. Erstmals nimmt der Prüfverband dabei auch rein elektrische Transporter unter die Lupe – mit gemischten Ergebnissen. Während ein E-Modell auf Anhieb eine Top-Platzierung erhält, landen zwei weitere Modelle weiter hinten. Für ein Gesamturteil über die Zuverlässigkeit elektrischer Transporter ist es laut TÜV aber noch zu früh.
Über alle Antriebsarten hinweg betrachtet ist demnach gut jedes fünfte Nutzfahrzeug (20,3 Prozent) in den vergangenen beiden Jahren mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ bei der Hauptuntersuchung (HU) durchgefallen. Im Vergleich zum Vorjahresreport ist die Mängelquote somit leicht um 0,1 Prozentpunkt gesunken. „Die Mängelquoten von Nutzfahrzeugen stagnieren auf einem hohen Niveau“, sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband, im Vorfeld der Branchenmesse IAA Transportation. Besonders häufig stellten die TÜV-Sachverständigen demnach Defekte an der Beleuchtung, Ölverlust an Motor oder Antrieb sowie Mängel an den Achsaufhängungen fest.
TÜV sieht Licht und Schatten bei elektrischen Nutzfahrzeugen
Erstmals tauchen auch drei rein elektrische Transporter der Klasse bis 3,5 Tonnen im Report auf. Unter ihnen schlägt sich der Peugeot E-Expert am souveränsten: Mit einer Mängelquote von 8,4 Prozent belegt er unter den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen einen guten fünften Platz, heißt es in einer Mitteilung des Verbands. Der Mercedes E-Vito kommt deutlich schlechter weg: Mit einer Mängelquote von 19,7 Prozent landet er auf dem vorletzten Rang unter 27 Transportern. Auffällig seien bei diesem Modell vor allem überdurchschnittlich viele Mängel an der Feststellbremse, den Antriebswellen und am Abblendlicht.
Der in Deutschland hergestellt Streetscooter (B14/B16), einst als Pionier der Antriebswelle gestartet, bildet sogar das Schlusslicht unter den drei bis vier Jahre alten Fahrzeugen. Die Mängelquote des Modells lag in den Jahren 2024 und 2025 bei 26,4 Prozent. Der Streetscooter wurde ursprünglich von der Deutschen Post für den eigenen Zustelldienst entwickelt, wird inzwischen jedoch nicht mehr produziert. Bei der HU zeigen sich hohe Mängelwerte bei nahezu allen Komponenten, von den Bremsen über das Fahrwerk bis hin zum Licht, so der TÜV.
„Für eine Bewertung der technischen Zuverlässigkeit von Elektro-Transportern insgesamt reichen die Ergebnisse noch nicht aus“, ordnet Goebelt die Erkenntnisse ein. „Im Pkw-Bereich zeigen E-Autos bei der HU die volle Bandbreite, von sehr gut über durchschnittlich bis zu schlecht.“
Spürbar steigender E-Anteil: „Ähnlich wie bei Pkw vollzieht sich auch bei Nutzfahrzeugen die Antriebswende“
Der Elektroanteil im Nutzfahrzeugbereich wächst indes spürbar: Von Januar bis Juli 2026 lag der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bei 13 Prozent, verglichen mit 8,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Hersteller weiten ihr E-Angebot Goebelt zufolge schrittweise aus, von den leichten Transportern auf mittlere und schwere Lkw. „Ähnlich wie bei Pkw vollzieht sich auch bei Nutzfahrzeugen die Antriebswende“, so Goebelt. „In der Praxis ist neben den noch deutlich höheren Anschaffungspreisen im Vergleich zu Verbrennern vor allem der Ausbau der Ladeinfrastruktur ein Hindernis für einen schnelleren Umstieg.“
Ein neues, eine Milliarde Euro schweres Förderprogramm des Verkehrsministeriums soll die Ausrüstung von Fuhrparkdepots und Megawatt-Ladern an Raststätten beschleunigen. „Die steuerlichen Anreize für Elektro-Nutzfahrzeuge sollten verstetigt und die Mautbefreiung über das Jahr 2031 hinaus verlängert werden, um den Flottenbetreibern Planungssicherheit zu geben“, meint Goebelt. Ein regulatorisches Problem seien die Gewichts- und Achslastvorgaben für schwere Elektro-Lkw. Diese reichen in vielen Fällen nicht aus, um das Gewicht der Antriebsbatterien vollständig zu kompensieren. „Hier muss der Gesetzgeber handeln, um diese Regelungslücke zu schließen“, so Goebelt weiter.
Mit der zunehmenden Elektrifizierung und Digitalisierung verändert sich aus Sicht des Verbands auch die Prüfung selbst. Der TÜV fordert deshalb, den Prüfumfang der Antriebsbatterien auszuweiten und Zugang zu den Batteriedaten zu erhalten, um strukturelle Mängel erkennen zu können. Ein erweiterter Datenzugang sei auch für die Prüfung von Assistenzsystemen über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge notwendig. Dabei könne auch der korrekte Software-Stand überprüft werden, um Fehler und Manipulationen zu erkennen. „Das Roadworthiness Package der EU bietet die Chance, die HU an die Erfordernisse von Elektroantrieben, Software-Steuerungen und automatisierten Fahrfunktionen anzupassen“, sagt Goebelt. „Die Bundesregierung sollte diesen Prozess im Interesse der Verkehrssicherheit konstruktiv begleiten.“
Neuzugang aus China fällt mit Pauken und Trompeten durch
Für besonderes Aufsehen sorgt in diesem Jahr ein Neuzugang aus China: Mit dem Maxus Deliver 9 von SAIC steht erstmals explizit ein chinesischer Transporter im Report – allerdings mit verheerenden Ergebnissen: Mit einer Durchfallquote von 33,6 Prozent unter den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen landet der Maxus Deliver 9, ein Verbrenner, mit Abstand am Ende der Rangliste. „Das ist in dieser Altersklasse ein extrem hoher Wert“, so Goebelt. Besonders sicherheitskritisch sind die überdurchschnittlich häufig auftretenden Mängel an der Bremsanlage. Deutlich über dem Schnitt liegen auch Beanstandungen bei der Abgasuntersuchung. Der Großteil der Mängel entfällt aber auf die Beleuchtung. Das Fahrwerk ist bei der HU unauffällig.
Grundlage des „TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026“ ist eine Auswertung von rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen von leichten Transportern bis zu schweren Lkw in den Jahren 2024 und 2025, die von den TÜV-Organisationen durchgeführt wurden.
Quelle: TÜV-Verband – Pressemitteilung vom 09.09.2026








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