Xpeng will mehr sein als eine weitere Automarke aus China

Xpeng will mehr sein als eine weitere Automarke aus China
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Xpeng

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Immer mehr chinesische Automobilhersteller drängen auf den deutschen Markt. Viele werben mit umfangreicher Ausstattung, günstigen Preisen und moderner Technik. Xpeng hebt sich jedoch in mehreren Punkten ab. Das 2014 gegründete Unternehmen versteht sich nicht als klassischer Automobilhersteller, sondern als Technologiekonzern, der Fahrzeuge, Software, künstliche Intelligenz und Robotik miteinander verbinden will.

Im Interview mit Auto Bild formuliert Mitgründer und Vorstandschef He Xiaopeng diesen Anspruch deutlich: „Wir sehen Xpeng nicht als Autohersteller.“ In Europa soll die Marke vielmehr für „smarte High-End-Technologie“ stehen. Damit unterscheidet sich Xpeng von chinesischen Marken, die vor allem auf günstige Preise oder Fahrzeuge aus dem Portfolio eines großen Mutterkonzerns setzen. Xpeng entwickelt zentrale Bestandteile seiner Technik selbst. Dazu zählen Software, KI-Systeme, Fahrassistenz und der hauseigene Turing-Chip.

Diese Technik soll künftig nicht nur in Elektroautos eingesetzt werden, sondern auch im humanoiden Roboter Iron und in Fluggeräten. Autos, Roboter und sogenannte Flugautos sollen langfristig auf gemeinsamen KI- und Antriebsarchitekturen basieren.

Produkte werden von Software und KI aus gedacht

Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Xpeng Software und künstliche Intelligenz nicht nur als zusätzliche Fahrzeugfunktionen betrachtet. Sie bilden den Kern der gesamten Unternehmensstrategie. He Xiaopeng erwartet nach dem Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb bereits die nächste große Veränderung: die Verbindung von künstlicher Intelligenz, Robotik und Mobilität. Dabei gehe es nicht um schnelle Effekte. „Uns ist dabei allein der langfristige Erfolg wichtig“, sagt der Xpeng-Chef.

Trotz aller Zukunftsvisionen muss Xpeng zunächst mit seinen Elektroautos überzeugen. Hier hat sich die Marke vor allem mit hoher Ladeleistung, moderner Software und einem starken Verhältnis aus Technik, Ausstattung und Preis einen Namen gemacht. Auto Bild spricht von „spektakulären Ladezeiten zu fairen Preisen“, mit denen Xpeng erste Achtungserfolge erzielt habe.

Modelle wie Xpeng G6 und G9 können ihre LFP-Batterien (!) unter idealen Bedingungen besonders schnell laden und liegen preislich unter vielen deutschen Premiummodellen. Mit dem neuen L03 erweitert Xpeng sein Angebot nach unten. Das kompakte SUV-Coupé startet in Deutschland bei 35.600 Euro und soll bis zu 520 Kilometer nach WLTP erreichen. In den teureren Varianten kommen ebenfalls mehrere hauseigene Turing-Chips zum Einsatz.

Auch beim Vertrieb verfolgt Xpeng einen vergleichsweise bodenständigen Ansatz. Statt ausschließlich auf Onlineverkauf oder wenige repräsentative Standorte zu setzen, baut die Marke ein klassisches Händlernetz auf. Nach Angaben von He Xiaopeng verfügt Xpeng aktuell über rund 70 Händler in Deutschland. Bis Ende 2026 sollen es 110 werden. Darunter befinden sich auch Partner etablierter deutscher Premiummarken.

Europa-Zentrum in München

Hinzu kommt ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum in München. Dort werden Fahrzeuge für den europäischen Markt getestet und an regionale Anforderungen angepasst. Deutschland ist für Xpeng damit nicht nur Absatzmarkt, sondern auch Entwicklungsstandort.

Langfristig schließt das Unternehmen zudem eine stärkere Fertigung in Europa nicht aus, aktuell werden bereits E-Autos von Xpeng für Europa bei Magna Steyr in Graz gebaut. Nach Angaben des Vorstandschefs laufen Gespräche über weitere Kooperationen und die mögliche Nutzung vorhandener Produktionskapazitäten. Bis 2030 will Xpeng mehr als eine Million Fahrzeuge außerhalb Chinas verkaufen.

Ob diese ambitionierten Pläne aufgehen, bleibt abzuwarten. Eigene Chips, KI-Modelle, Roboter und Fluggeräte garantieren noch keinen Erfolg auf dem europäischen Automarkt. Entscheidend bleiben zuverlässige Fahrzeuge, ein funktionierender Service, stabile Restwerte und das Vertrauen in eine hier noch junge Marke. Dennoch ist Xpeng mehr als ein weiterer chinesischer Anbieter, der gut ausgestattete Elektroautos zu günstigen Preisen importiert. Das Unternehmen entwickelt wichtige Technologien selbst, investiert in lokale Strukturen und denkt sein Geschäft weit über das klassische Auto hinaus. Genau das hebt Xpeng bislang von vielen chinesischen Wettbewerbern ab.

Quelle: Auto Bild – He Xiaopeng: „Wir sind nicht allein hier, um Geld zu verdienen“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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