Xpeng schleicht sich nach vorn – und VW ist mit dabei

Xpeng schleicht sich nach vorn – und VW ist mit dabei
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XPeng Motors

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 4 min

Zunehmend machen sich auf dem europäischen sowie insbesondere auf dem deutschen Markt chinesische Autohersteller breit. Neben dem China-Giganten BYD, Edelmarken wie Nio oder Volumenanbietern wie MG schleicht sich zunehmend Xpeng nach vorn. Und eine neue Zusammenarbeit mit Volkswagen bringt mehr als nur Image.

Diese Geschichte kann sich wirklich sehen lassen, denn während europäische Marken jede noch so seltsam anmutende Jahreszahl für ein fadenscheiniges Jubiläum nutzen, das keines ist und noch weniger jemanden interessiert, vermeldet der chinesische Autohersteller Xpeng seinen nächsten Meilenstein. Erst im Jahr 2014 als chinesisches Start-up gegründet, lief im Vorzeigewerk in der Industriestadt Guangzhou das einmillionste Fahrzeug vom Band. Der silberfarbene X9 ist kein besonderes Modell, sondern ein Standard-Van von der chinesischen Stange, auf das sich mittelfristig auch die europäischen Autokunden freuen können. Mit einer unspektakulären Zeremonie wurde der Elektrovan an eine junge Mutter übergeben.

Xpeng, zumindest für europäische Autofahrer eine Marke der zweiten chinesischen Reihe, mauserte sich in den vergangenen zwei Jahren mächtig. Der Konzern betreibt in seinem Heimatland mittlerweile drei Produktionsstätten für Autos – in Guangzhou, Wuhan und Zhaoqing. Die Produktionskapazität wird ständig mit neuen Modellen hochgefahren und immer mehr Modelle gelangen so auch in den Export. Fast zehn Jahre dauerte es, ehe das einstige Start-up seine ersten 500.000 Fahrzeuge fertigte. Die nächste halbe Million gelang in gerade einmal 14 Monaten – Tendenz stark fallend. Und die Wachstumsraten sind weltweit imposant.

Xpeng liegt weltweit unter den besten drei Elektromarken. In diesem Jahr sollen es mehr als 400.000 Verkäufe sein. Aktuell ist Xpeng in 60 Ländern vertreten und will sein Netzwerk insbesondere in Südamerika und Asien weiter ausbauen. In Europa sind die Chinesen derzeit auf 25 Märkten vertreten; die Länder Slowenien und Kroatien sollen in Kürze folgen. Dafür hapert es noch beim Händlernetzwerk, denn während in China fast 700 Betriebe die Xpeng-Modelle anbieten, sind es weltweit insgesamt nur die Hälfte.

„Der einmillionste Xpeng markiert einen neuen Meilenstein“, sagt He Xiaopeng, Vorsitzender und CEO von Xpeng, „Xpeng konzentriert sich auf vier Bereiche: Sicherheit, Qualität, Service und ein leistungsfähiges Betriebssystem. Wir wollen Physik und KI kombinieren, Wissenschaft und Technik vereinen, damit alle Menschen möglichst viele verschiedene Technologien erleben können.“ Der chinesische Großkonzern setzt nicht allein auf Autos, sondern arbeitet auch an Robotern, Fluggeräten und KI-basierten Lösungen wie Chips und Betriebssysteme. Jüngst stellte Xpeng auf einem Technologietag nicht nur das neue KI-Betriebssystem Xpeng VLA 2.0, sondern auch ein Robotaxi, einen humanoiden Roboter namens Iron und zwei Fluggeräte des Tochterunternehmens Aridge vor.

Das KI-Betriebssystem VLA 2.0 hat auch mehrere Wettbewerber auf den Plan gerufen. Das System zieht im ersten Quartal kommenden Jahres nicht nur in die eigenen Ultra-Modelle ein, sondern arbeitet bald auch bei der automobilen Konkurrenz. Als erster externer Kunde wurde jüngst Volkswagen gewonnen. Zudem ist die Volkswagen Group mit fünf Prozent an Xpeng beteiligt, um gemeinsam ein Elektroauto für den chinesischen Markt zu entwickeln. VLA 2.0 ist ein lernfähiges System, das physikalische Gesetzmäßigkeiten selbstständig erfassen können soll und so in autonomen Fahrzeugen, humanoiden Robotern oder Fluggeräten eingesetzt werden kann. Das Trainingsvolumen umfasst nahezu 100 Millionen reale Fahrszenenclips, was der Erfahrung eines menschlichen Fahrers über 65.000 Jahre entspricht. He Xiaopeng: „Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära, in der sich die physische und digitale Welt vereinen. Xpeng wird der Pionier dieser Transformation sein.“

Im Fokus von Xpeng bleiben jedoch erst einmal die Autos

Im Fokus bleiben speziell in Europa jedoch erst einmal die Autos. Seit knapp eineinhalb Jahren bietet Xpeng seine Elektromodelle auch in Deutschland an. Bisher sind es mit dem SUV-Coupé G6 und dem großen Crossover G9 nur zwei Fahrzeuge. Das soll sich im kommenden Jahr ändern, 2026 wird Xpeng sein Portfolio um den P7+ ergänzen, mit dem die Chinesen erstmals auch eine klassische Limousine anbieten.

Xpeng

Mehr als andere Hersteller stellt Xpeng bisher sein Ladepotenzial in den Vordergrund, denn die 800-Volt-Technik mit Lithium-Eisenphosphat-Akku kommt ohne seltene Mineralien wie Kobalt, Mangan und Nickel aus. Die Ladeleistung beider Modelle ist mit 450 kW (Xpeng G6) sowie 525 kW (Xpeng G9) nahezu konkurrenzlos und zeigt insbesondere der europäischen Konkurrenz außerhalb der Premiumliga die Grenzen auf. Bei beiden Modellen können die Batteriepakete von 10 auf 80 Prozent in mehr als zehn Minuten geladen werden. Dafür brauchen die meisten Wettbewerber mehr als das Doppelte an Zeit.

Wenn es auf längere Strecken geht, will Xpeng zukünftig nicht allein Autos, sondern auch Fluggeräte einsetzen, die das Tochterunternehmen Aridge anbietet. Während der sogenannte „Land Aircraft Carrier“ bei Kurzstreckenflügen eingesetzt werden soll, ist das hybride Flugauto namens A868 für die Langstrecke mit bis zu sechs Passagieren gedacht. Dafür kann das Flugauto seine Rotoren kippen und erreicht für Distanzen bis 500 Kilometer eine Reisegeschwindigkeit von 360 km/h. Während sich der A686 in der Phase der Flugverifizierung befindet, wurden vom Land Aircraft Carrier bereits 7000 Modelle vorbestellt und die Testproduktion ist angelaufen. Im kommenden Jahr sind bis zu 10.000 Einheiten geplant.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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