Volkswagen bringt in diesem Jahr seine ersten rein chinesischen Modelle auf den Markt, die unter der Leitung von VW-Markenchef Ralf Brandstätter, der seit gut drei Jahren für das China-Geschäft des Konzerns verantwortlich ist, vor Ort entwickelt wurden. Damit will VW Marktanteile gewinnen, denn bei den Elektroautos liegt der deutsche Autobauer – einst jahrelang Marktführer in China – gerade einmal auf Platz 13.
Brandstätter wurde Mitte 2022 nach China geschickt, um das eingebrochene Geschäft des Konzerns zu retten. Während Volkswagen 2018 noch 4,2 Millionen Fahrzeuge in China verkaufte, waren es 2021 bereits 900.000 weniger. Inzwischen sind es nur noch 2,7 Millionen Autos. Dass der Konzern im Januar wieder Marktführer war, ist laut Brandstätters Umfeld nur eine Momentaufnahme und hängt vor allem mit alter Verbrennertechnik zusammen. Auf die wahre Aufholjagd hofft Volkswagen in China ohnehin bei den Elektroautos.
Entwicklung und Fertigung direkt in China
Als Brandstätter vor drei Jahren nach China kam, seien die Chinesen den Elektroautos von Volkswagen um einiges voraus gewesen, während letztere „ziemlich altbacken“ gewirkt hätten und vergleichsweise teuer gewesen seien. „Wir waren zu unseren Preisen kaum wettbewerbsfähig“, sagte der VW-Markenchef. Lösen wollte er das Dilemma mit dem Aufbau einer lokalen Entwicklung und Produktion, eigenen Entscheidungen für das China-Geschäft und durch lokale Partnerschaften, durch die Volkswagen lernen wollte.
Unter Brandstätter baute Volkswagen mit einem Milliardenbudget das Innovationszentrum in Hefei – das größte Forschungs- und Entwicklungszentrum des Konzerns außerhalb von Deutschland. Durch die Kooperationen mit chinesischen Start-ups sicherte VW sich Zugang zur neuesten Technik. Die Firma Gotion etwa, an der VW selbst Anteile unterhält, entwickelt und fertigt einen Teil der Batteriezellen, während die Fahrassistenz in Zusammenarbeit mit Horizon Robotics entsteht.
Mit letzterem Unternehmen arbeitet die Marke zudem an einem eigenen VW-Chip, der für die VW-Software optimiert ist und ab 2029 in die Autos eingebaut werden soll. Dadurch spart man gegenüber eingekaufter Ware etwa die Hälfte.
Win-win durch lokale Partnerschaften
Mit Xpeng arbeitet Volkswagen bei der Entwicklung einer modernen Fahrzeugarchitektur zusammen, die sich über Zentralrechner im Auto steuern lässt, anstelle einzelner Steuergeräte. Als es bei Xpeng kriselte, übernahm VW Firmenanteile und unterstützte beim Teile-Einkauf. Im Gegenzug erhält VW den Softwarecode und chinesische Ingenieure mit ihrem Know-how.
Die chinesischen Modelle zeichnen sich nicht nur durch eine deutlich schnellere Entwicklungszeit aus, sondern auch durch reduzierte Entwicklungskosten. In diesem Jahr startet der Verkauf der neuen Modelle, beginnend mit der Limousine ID. Unyx 07, deren Produktion in Anhui seit Ende vergangenen Jahres laufen soll. Später reihen sich noch zahlreiche Modelle in die Offensive ein. Dann wird sich zeigen, ob die Bemühungen des VW-China-Chefs und seines Teams ausreichen, um im größten Automarkt der Welt aufzuholen.
Schwierige Lage auf dem chinesischen Markt
Leicht wird es nicht werden, denn der chinesische Markt ist durch viel Konkurrenz hart umkämpft und die Kunden wollen noch weniger Geld in Autos investieren als noch vor drei Jahren. „Die wirtschaftliche Situation in China ist angespannt. Show-off, zu zeigen, was man hat, ist derzeit nicht salonfähig“, sagte Brandstätter. Beispielsweise seien viele Porsche-Kunden in China Unternehmer, die aufgrund der Handelskrise mit den USA Mitarbeiter entlassen mussten. „Da überlegt man sich zweimal, ob man sich ein neues Luxusauto auf den Hof stellt“, erklärte der CEO. Dementsprechend herrsche im Team große Vorfreude auf die neuen Modelle, aber auch Anspannung.
Für die einheimische Konkurrenz ist es ebenfalls schwierig geworden, denn mehr als 100 Hersteller im Land produzieren, immer mehr Autos, während die chinesische Subventionspolitik die Preise immer weiter drückt. Zuletzt sind diese für Elektroautos innerhalb eines Jahres um vier Prozent gesunken, bei Verbrennern sogar um sieben Prozent.
Quellen: Die Zeit – Der Mann, der VW chinesisch macht / Automobilwoche – Volkswagen kommt dem SDV näher: Erstes China-Auto mit zonaler Architektur geht in Serie







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